Hallo alle zusammen!
Jetzt schaff ich es endlich mal, euch die ganzen aufregende Geschehnisse der letzten zwei Wochen zu erzaehlen. Am besten fang ich von vorne an, und zwar in Kuala Lumpur. Ihr erinnert euch – wir haben Besuch! Johannes war gerade eingetroffen, als ich meinen letzten Blog geschrieben hatte. Gleich am naechsten Tag standen wir tatsaechlich puenktlich um acht in einer Schlange, um drei der 1.400 heiss begehrten Tickets fuer die Petronas Towers zu ergattern.
Da wir zum hinteren Drittel gehoerten (die ganz vorne haben sich wahrscheinlich schon am Abend vorher angestellt), hatten wir nicht mehr viel Einfluss auf einen Termin und mussten dann mit dem 17-Uhr-Fahrstuhl vorlieb nehmen. Nicht ideal, aber zumindest hatten wir ueberhaupt Eintrittskarten.
Und die Zeit bis um fuenf haben wir prima mit Sightseeing ueberbruecken koennen.
Unser erstes grosses Ziel war die Staatsmoschee. Ich hatte mich zwar in weiser Voraussicht mit langen Klamotten und Kopftuch eingedeckt, aber davon wollten die da gar nicht viel wissen und schwuppdiwupps, waren wir alle in fliederfarbene Umhaenge gehuellt.
Die Moschee selbst war riesig. In erster Linie fand ich es interessant, mal was ganz anderes als die buddhistischen Tempel zu sehen; leider hatte aber keinen von uns den Durchblick und ausser Broschueren zum Thema ‘Jesus liebt dich’ gab es auch keine hilfreichen Infos. Ich kann euch nicht mal sagen, was Jesus da ueberhaupt zu suchen hatte. Also hab ich mir einmal mehr fest vorgenommen, mich unbedingt mal intensiver mit den Weltreligionen auseinanderzusetzen.
Von der Moschee ging’s relativ uebergangslos weiter zum Museum of Islamic Arts, was uns echt absolut begeistert hat. Die Ausstellung selbst war super aufgebaut, und die Ausstellungsstuecke stammten nicht nur aus Malaysia, sondern vor allem auch aus Indien, Aegypten, Saudi-Arabien und der Tuerkei. Die getoepferten Schuesseln und der handgemachte Schmuck, beides mehrere Hundert Jahre alt, sahen verdaechtig nach dem tollen Schnickschnack auf mittelalterlichen Weihnachtsmaerkten aus, bei dem wir Maedels zu Hause leuchtende Augen kriegen… Ausserdem gab es einen Raum voll massstabsgetreuer Miniatur-Moscheen aus aller Welt. Was fuer beeindruckende Gebaeude das sind! Ein paar davon wuerd ich schon gern mal auch in echt sehen…
Total begeistert (aber auch ein bisschen tiefgefroren – ihre Klimaanlagen lieben die hier in Asien ja ueber alles) haben wir das benachbarte Planetarium angesteuert. Das gilt zwar berechtigterweise nicht unbedingt als Touristenattraktion, war aber trotzdem total lustig.
Und wo wir gerade in der richtigen Stimmung waren, sind wir quer durch die Stadt zurueck zu den Tuermen gelatscht, um uns am Nachmittag im nahe gelegenen Science Development Center zu vergnuegen.
Allerdings haben wir bei den ganzen Spielereien mit Dinos, virtuellen Schmetterlingen und Erdbeben-Simulatoren die Zeit voellig vergessen, sodass wir letztlich durch den Personalausgang direkt zu den Tuermen geschleust werden mussten, um bloss unseren Fahrstuhl nicht zu verpassen. Ohne grosses Tamtam haben sie uns dort dann gruene Besucher-Baendchen um den Hals gehaengt, in den Fahrtstuhl gestopft und im 41. Stockwerk wieder rausgelotst. Und da stand ich dann, unmittelbar vor der Skybridge, die beide Tuerme in 150 Metern Hoehe miteinander verbindet. Dort hatten wir dann fuenfzehn Minuten Zeit, alles ausgiebig zu erkunden. Ich hingegen hab’s mit Ach und Krach ein einziges Mal bis zum anderen Turm und zurueck geschafft. Und das auch nur mit ausdauerndem Gut-Zureden der Jungs und eines Mitarbeiters, der die ganze Zeit meinen Arm festgehalten hat, so als waer ich behindert.
Weiter ging’s dann ins 87. Stockwerk. Das war dann zwar doppelt so hoch, ueberraschenderweise aber auch zwei mal weniger angsteinfloessend. Vielleicht, weil mir die 4.500 Turm-Buroes wenigstens ein vages Gefuehl von festem Boden unter den Fuessen vermittelt haben. Das war schon ne coole Sache, und ich bin echt froh, dass ich kein Schisser war und mir das nicht hab entgehen lassen.
Danach sind wir ausgeruestet mit drei grossen Subways und ganz viel Schoki ins Kino gegangen, um ‘The darkest hour’ in 3D zu sehen. Der Film war furchtbar, und 3D war dann auch nichts, aber immerhin waren wir nach fuenf Monaten ueberhaupt mal wieder im Kino. Danach sind wir nochmal schnell zu den Tuermen geflitzt, um auch ein paar naechtliche Fotos zu schiessen...
... und mit der Metro sind wir dann zurueck nach Chinatown geduest, um dort nach vierzehn Stunden auf den Beinen fix und alle in unsere Betten zu plumpsen (in dem Mini-Zimmer, das wir uns natuerlich doch alle bis zum Ende geteilt haben).
Sonntag war dann ausruhen angesagt. Tagsueber sind wir ein bisschen durch Chinatown und Little India geschlendert, und abends waren wir im Hard Rock Café. Das hatte allerdings mehr von Schicki-Micki-Bars und konnte abgesehen von zwei signierten Gitarren nur mit Album-Covern in Postergroesse aufwarten. Da die Preise aber durchaus mit denen anderen Hard Rock Café’s mithalten konnten, gab’s bloss ein kleines Bier und haben wir die Biege gemacht.
Montag hiess es fuer uns dann auch schon Abschied nehmen von Kuala Lumpur. Mit dem Bus sind wir zur Insel Penang gefahren, von wo aus wir ja die Faehre nach Sumatra nehmen wollten. Unser Hauptlager haben wir in der Stadt Georgetown aufgeschlagen, die erst vor ein paar Jahren zum Weltkulturerbe erklaert wurde. Also alles schick. Nur leider hat man uns relativ unvermittelt erklaert, dass es seit ein paar Monaten keine Faehren mehr gibt. Die Fluggesellschaft Air Asia war so frei, die Faehrgesellschaft aufzukaufen und dann platt zu machen. Jetzt muessen also alle fliegen, ob sie wollen oder nicht. Wir haben dann nach Alternativen gesucht, aber es waere einfach alles Bloedsinn gewesen. Zumindest konnten wir die Geschichte insofern boykottieren, als das wir unsere Fluege eben nicht bei Air Asia gebucht haben.
Als das dann vom Tisch war, konnten wir uns Penang in seiner ganzen Schoenheit widmen. Georgetown, vor allem der alte Stadtteil, strotzt nur so vor Kultur und liegt direkt am Meer. Als wir damit durch waren, wollten wir auch den Rest der Insel sehen. Das war allerdings gar nicht so einfach. Da wir uns aus Sicherheitsgruenden gegen ein Motorrad entschieden hatten, blieben uns nur die oeffentlichen Verkehrsmittel. Die waren aber ganz furchtbar. Es gab keine direkten Verbindungen zwischen einzelnen Staedten, sondern man musste immer wieder zurueck ins Stadtzentrum von Georgetown, dort umsteigen, dann wieder aus dem Stadtzentrum raus usw. Hinzu kommt, dass die einzelnen Stationen keine Namen hatten. Es war also weder auf der Landkarte noch im Bus oder direkt an der Haltestelle erkenntlich, wo man sich gerade befand. Das fuehrte dazu, dass wir jedes Mal falsch ausgestiegen sind und dann noch ne Ewigkeit zu Fuss laufen mussten. Hat ziemlich viel Zeit gekostet, dieses Verfahren. Wer denkt sich denn sowas aus?
Trotzdem hatten wir ne ganze Menge Spass und tolles Wetter, zumindest meistens. Weil es aber schon so viel von Indonesien zu berichten gibt, mach ich’s an dieser Stelle kurz und zeig euch fix nur ein paar Bilder.
Freitag waren wir dann unterwegs nach Medan im Norden Sumatras, wobei wir dann eben statt fuenf Stunden auf einer Faehre nur 45 Minuten in einem Flieger verbracht haben. Unser Visum hatten wir schnell in der Tasche, und so konnten wir uns getrost auf die Frage konzentrieren, wie wir eigentlich in den Dschungel kommen wuerden. Sinn des Besuchs auf Sumatra war ja, wilde Orang Utans in ihrem natuerlichen Lebensraum aufzuspueren. Einen indonesischen Reisefuehrer hatten wir nicht, also mussten wir uns durchfragen. Bald darauf sassen wir in einem winzigen Minibus und haben uns pudelwohl gefuehlt.
Die Fahrt sollte drei Stunden dauern und nur 50 Cent kosten, hurra! Typischer Fall von zu frueh gefreut, denn es hat nicht lange gedauert, bis wir unsanft aus dem Bus gekantet wurden, um fuenf Sekunden spaeter von zwanzig Maennern umzingelt zu sein, die uns alle was anderes an den Kopf geschmissen haben. Es stellte sich heraus, dass wir immer noch in Medan waren und nun ordentlich abgezockt werden sollten. Das faengt ja gut an, dacht ich mir. Aber nach fuenf Monaten in Asien lassen wir uns so leicht wirklich nicht mehr abzocken. Es hat zwar sehr lange gedauert, viel Anstrengung und Selbstbeherrschung gekostet, aber schliesslich sassen wir doch in einem Bus auf den Weg nach Bukhit Lawang, einem kleinen Dorf am Rande des Regenwaldes. Allein die Fahrt dorthin war schon mal klasse. Wir sind durch abgelegene Doerfer gefahren, die vom Tourismus noch so wunderbar unberuehrt geblieben sind, durch riesige Palmenwaelder, in denen statt Rehen wilde Kuehe gegrast haben und schliesslich, kurz vor der Daemmerung, sind wir am Ziel angekommen. Dann mussten wir noch ein kleines Stueckchen Rikscha fahren...
... bevor wir endlich Plaene fuer den Dschungel schmieden konnten. Relativ schnell war klar, dass wir die Chance, dort auch zu campen, diesmal unbedingt nutzen wollten. Ein Tourguide war schnell gefunden, und so waren wir schon am Samstag Vormittag unterwegs. Unsere kleine Wandergruppe bestand aus Sam, Johannes und mir, einem Niederlaender, einer Polin und zwei Guides.
Und gerade, als man uns erklaert hat, was man alles fuer lustige Sachen mit so einer Kakaopflanze anstellen kann, kamen auch schon die ersten Affen vorbei. Und keine Stunde spaeter (in der wir ununterbrochen entweder steil bergauf oder steil bergab gewandert sind) haben wir dann auch unseren ersten Orang Utan gesehen. Ein Weibchen war’s, mit einem neunmonatigen Baby auf dem Ruecken. Hauptgewinn! Das war schon echt ein Wahnsinnsgefuehl, den beiden in freier Wildbahn direkt in die Augen zu schauen. Wusstet ihr, dass fast 95 Prozent unserer Gene mit denen der Orang Utans identisch sind?
Die Guides mussten uns fast ueberreden, die Weiterreise anzutreten – es war einfach zu schoen. Im Gaensemarsch sind wir also tapfer weiter ueber Wurzeln und Lianen geklettert; den Blick abwechselnd auf Boden und Baumkronen gerichtet, um nicht zu stolpern, aber auch ja nichts zu verpassen.
Bald danach war auch schon Mittagspause, in der wir endlich mal ordentlich verschnaufen konnten. Es gab Reis im Palmenblatt mit ganz viel Krimskrams, und ein improvisiertes Obstbuffet zum Nachtisch.
Ganz ploetzlich war’s dann vorbei mit unserer Verschnaufpause, weil naemlich ein Orang Utan zielstrebig auf unser Picknick zugehangelt kam. Also mussten wir uns schnell unsere Sachen schnappen, konnten dann aber aus sicherer Entfernung noch ein paar Fotos schiessen. Auch als es wenige Minuten spaeter angefangen hat zu regnen, haben wir uns die gute Laune nicht nehmen lassen. Noch ahnten wir ja nicht, dass es von da an um einiges turbulenter zugehen sollte.
Zusammen mit einem der Guides hab ich das Schlusslicht unserer putzigen Reisegruppe gebildet. Wir hatten gerade ein bisschen rumgeflackst, als der ploetzlich verstummt ist. Das naechste, was er dann sagte war: ‘Schneller! Ihr muesst jetzt schneller gehen!’ Ohne lange zu fackeln hab ich beschleunigt, aber da die in den vorderen Reihen die Ansage nicht gehoert hatten, bin ich relativ schnell aufgetitscht.
Und dann lag eine Hand auf meiner Schulter.
Nach und nach entgleisten die Gesichter der anderen auf ganz komische Weise, und irgendwann hat dann jemand gesagt: ‘Caro, bleib einfach ganz ruhig. Keine schnellen Bewegungen machen, und nicht in Panik verfallen!’ Hmm, dacht ich mir, was’n los, wieso Panik? Es hat mal wieder ein bisschen gedauert, bis ich’s geschnallt hab. Ich wurde von einem Orang Utan festgehalten. Dann sollte ich mich langsam hinsetzen, was in Anbetracht der Tatsache ganz schoen Ueberwindung gekostet hat. Mit Schwung hat das Orang-Utan-Weibchen noch meinen Poncho zerrissen und dann aber von mir abgelassen. Und eh ich mich versah, hatte die Gute schon den armen Sam am Wickel. Den fand sie scheinbar um einiges spannender, denn ihn hat sie nicht nur festgehalten, sondern ihm auch lasziv ihre Beine um die Knie geschwungen, und schliesslich wollte sie ihn sogar hinter sich her in den Busch ziehen. Waehrend die Guides verzweifelt versucht haben, die Orang-Utan-Dame mit allerlei Futter abzulenken, hat Sam sich keinen Zentimeter bewegt und war einfach nur tapfer.
Alles, was ich denken konnte, war: Das glaubt uns kein Mensch!!!
Nach ein paar endlosen Minuten hat sie dann von ihm abgelassen, sodass wir schnell fluechten konnten. Im Sauseschritt sind wir immer weiter geduest, wobei der zunehmende Regen und regelmaessige Donner die Sache nicht gerade erleichtert haben. Das Gelaende wurde immer matschiger, und einer der Guides blieb zurueck, um den wildgewordenen Affen abzuhaengen, der immer noch hinter uns her war. Nach weiteren anderthalb Stunden im Tropenregen war zumindest schon mal der Fluss in Sicht, an dessen Ufer unser Camp liegen sollte. Allerdings auf der anderen Seite.
Das ist eigentlich wohl kein Problem, weil man im Normalfall einfach durch den Fluss waten kann. In unserem Fall hat uns die Sturzflut aber eine ordentliche Stroemung beschert, sodass wir nicht weiter konnten. Einer der Guides hat sich dann kurzerhand in die Fluten gestuerzt und war auch schon nach ein paar Sekunden hinter einer Kurve verschwunden. Eine gute Stunde spater kam er wieder und hatte zwei Reifen, ein Seil und zwei Maenner im Schlepptau. Ich ahnte boeses…
Muehevoll wurde uns dann ein Ende des Seils zugeworfen, und einer der Maenner hat die Reifen rueber gehievt. Dann wurden unsere Rucksaecke in wasserdichten Tueten verstaut, die Reifen provisorisch zusammengebunden und wir alle zusammen da rein verfrachtet.
Der Plan war wohl, dass uns die Maenner am anderen Ufer mit dem Seil zu sich rueber ziehen wuerden. Zwei andere Maenner hingen dann an unseren Reifen und haben das Seil festgehalten. Ihr ahnt es vielleicht schon – es kam, wie es kommen musste: Die Stroemung war zu stark, wir haben das Seil verloren, sind geradewegs den Fluss runtergerast und in der ersten Kurve gegen ein paar Felsen gekracht. Die armen Maenner hat’s entschaerft – blutige Knie und Schrammen auf Brust und Ruecken – aber uns ist nichts passiert.
Naja, immerhin waren wir dann drueben. Nachdem alle verarztet waren, wir trockene Klamotten anhatten und warme Tassen Tee in den Haenden hielten, hat man uns dann eroeffnet, dass Affen das Essen im Camp gestohlen hatten, waehrend alle damit beschaeftigt waren, uns auf die andere Seite zu schiffen.
Den Abend haben wir im Kerzenschein unter unserem Plastikdach verbracht. Die Einheimischen haben uns lustige Tricks mit Karten und Streichhoelzern gezeigt, und ein Bierchen gab’s auf den ganzen Schreck auch.
In erster Linie war es schoen, nach diesem mehr als aufregenden Tag zur Ruhe zu kommen und aufzuwaermen, aber nach einer Weile wurde mir richtig bewusst, dass wir ja wirklich da schlafen wuerden – mitten im indonesischen Dschungel, unter einem provisorischen Plastikplanenzelt, das man nicht mal zumachen konnte. Als man uns dann vorm Schlafengehen noch verklickert hat, dass es nicht nur allerlei faustgrosse Insekten gaebe, sondern auch Skorpione, war an Tiefschlafphasen erst recht nicht mehr zu denken. Ausserdem lag meine Isomatte auf einer Wurzel, sodass ich eingerollt wie ein Igel nur am Kopf- oder Fussende schlafen konnte.
Am naechsten Morgen bin ich mit nem zerquetschten Schmetterling unter meinem Kopf und ner Erkaeltung aufgewacht. Auf beides haett ich gut verzichten koennen. Als es dann die Sonnenstrahlen endlich ueber die Baumwipfel bis auf unseren kleinen Vorsprung geschafft hatten, sind wir alle wie die Wiesel auf der Suche nach dem besten Stein umher geflitzt, um endlich unsere nassen Sachen trocknen zu koennen.
Waehrend die Jungs sich dann flussaufwaerts zu einem Wasserfall vorgekaempft haben, hab ich mich nochmal hingelegt. Das war ganz schoen doof, weil ich doch so gerne auch mit wollte. Aber wir hatten ja noch Grosses vor, und ich wollte schliesslich nicht richtig krank werden.
Die ganze Vorsicht war dann aber doch fuer’n Eimer, denn zurueck ins Dorf kamen wir im Endeffekt nur auf den Reifen. Die wurden zu diesem Zweck einfach wieder zusammengebunden, mit unserem Gepaeck beladen und ab ging die Fahrt. Eine ganze Stunde lang flussabwaerts, zu fuenft auf zwei Reifen, den Hintern schoen im kalten Wasser. Dank der Stromschnellen und des bald einsetztenden Regens waren wir dann aber eh klitschnass. Als wir dann im Dorf eingeschippert sind, erwartete uns eine Ueberraschung: An beiden Ufern entlang sah man nichts als Menschen. Hunderte von einheimischen Touristen, die uns eifrig zugewunken haben. Da hab ich kurz die Welt nicht mehr verstanden.
Bald fanden wir aber heraus, dass aufgrund des chinesischen Neujahrs so ziemlich alle Indonesier (Indonesianer?) in den Kurzurlaub fahren. Dass die Neujahrsfeier selbst in Form einer Grossraumdisco direkt hinter unserem Hotel stattfinden sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen, sollte fuer uns aber eine weitere schlaflose Nacht bedeuten. Was fuer ein Wochenende!
Mit ordentlich Muskelkater und der ollen Erkaeltung im Schlepptau sind wir Montag Nachmittag zurueck nach Medan gefahren, um bloss unseren Flieger am Dienstag nicht zu verpassen. Medan ist haesslich und die Leute komisch. Und bei der Hotelsuche haetten wir der Tatsache, dass sich direkt nebenan eine riesige Moschee befand, ein bisschen mehr Beachtung schenken sollen: Punkt fuenf Uhr am Dienstagmorgen hat uns das halbstuendige Morgengebet mit 180 Kilomegadezibel (soll heissen: sehr laut!) aus dem Schlaf gerissen. Es bleibt uns auch wirklich nichts erspart.
Ein paar Stunden spaeter sassen wir aber schon im Flugzeug nach Java. Wir hatten uns ja entschieden, Indonesiens Hauptstadt Jakarta zu ueberspringen und dafuer so viel Zeit wie moeglich auf Bali zu verbringen. Einen Zwischenstopp wollten wir uns jedoch nicht entgehen lassen: den Gunung Bromo, einen 2.400 Meter hohen Vulkan im Osten Javas.
Und da sind wir jetzt, Gestern spaet Abends sind wir nach 13 Stunden Anreise hier angekommen, in einem kleinen Ort, von dem wir nicht mal den Namen kennen. Ihr koennt euch nicht vorstellen, wir kalt und stuermisch es hier ist und wie befremdlich dieses Oertchen wirkt, 2.000 Meter ueber dem Meeresspiegel. Ich fuehl mich wie in Eskimoland. Leider hat es lange gedauert, ein Zimmer zu finden, und selbst dann konnten wir nur in voller Montur in die Betten huepfen, weil wir sonst wahrscheinlich erfroren waeren. Heute frueh sind wir dann umgesiedelt in das bis jetzt teuerste Hotel unserer Reise. Dabei hat es nichts mal was Besonderes, ist nicht mal wirklich schoen. Aber es ist das einzige Hotel hier, das warmes Wasser hat. Und da wir mittlerweile alle rumkraenkeln und nach einer Woche in der Kaelte wirklich die Schnauze voll haben von Kaltwasserduschen, leisten wir uns eben mal ein bisschen Luxus. Ausserdem legen wir heute einen Ruhetag ein, um fuer den Aufstieg morgen fit zu sein. Sam und ich waren vorhin eine kleine Runde spazieren und haben ihn schon kurz gesehen, diesen lustigen Vulkan. Er ist quasi direkt nebenan. Und wer denkt, es handelt sich dabei um das Prachtstueck in der Mitte, der liegt leider falsch. Der eigentliche Star ist der Krater links daneben und hat mit dem Angeber neben sich nicht viel gemein.
Gerade eben haben wir die Schweden wiedergetroffen, mit denen wir vor drei Monaten in einem Tuk-Tuk in Kambodscha gesessen haben. Es ist schon echt verrueckt manchmal. Die beiden haben uns Fotos und Videos von Florres gezeigt, einer Insel weiter oestlich von Bali. Die sind mit Mantharochen und kleinen Haien um die Wette geschwommen! Jetzt ueberlegen wir fast, noch einen Abstecher dahin zu machen, bevor wir am 18. Februar nach Singapur fliegen… Na wir werden sehen. Jetzt sind wir erstmal ein bisschen traurig, weil uns am Freitag unser Johannes schon wieder verlaesst!
So. Das waer’s dann jetzt fuer heute. War das vielleicht sogar der laengste Blogeintrag ueberhaupt? Wir kochen uns jetzt zehn Liter Tee und dann mummeln wir uns ein. Es gibt eine Menge Schlaf nachzuholen! Also ihr Lieben, bis bald, ich druecke euch!
KLEINER NACHTRAG
Eigentlich wollte ich den ganzen Spass schon gestern hochladen, aber ein sturmbedingter zwanzigstuendiger Stromausfall hat mir einen Strich durch die Rechnung gemacht.
Heute sind wir schon schlauer. Zuallererst einmal hat sich unsere Luxus-Unterkunft letztlich doch als Kackemist entpuppt. Warmes Wasser gab es nur gegen Mitternacht und dann auch nur fuer anderthalb Minuten. Tueren und Fenster liessen sich nicht richtig schliessen, sodass uns die ganze Nacht der Sturm um die Ohren gefegt ist. Und ausserdam war alles voller Vulkanasche. Das also dazu.
Heute Vormittag wollten wir ja dann endlich den Vulkan besteigen, bestenfalls sogar bei Sonnenaufgang. Diesen Plan haben wir aber schnell wieder verworfen, als heute frueh um vier der Wecker geklingelt hat und unser haesslicher Bungalow voellig in Wolken gehuellt war. Leider sah die Sache auch ein paar Stunden spaeter noch nicht viel besser aus – alles war weiss um uns herum, Sichtweite hoechstens 40 Meter. Ich haette ausflippen koennen!
Nun haben wir uns hier ja aber nicht umsonst zwei Naechte lang den Arsch abgefroren; und so haben wir so ziemlich alles uebereinander gezogen, was noch trocken war, einen Jeep gemietet und tapfer den Weg zur Kraterlandschaft angetreten. Viel gesehen haben wir wie erwartet aber nicht, da alles in fast mystische Wolkenschleier gehuellt war. Ganz langsam haben wir uns dann dem Sturm zum Trotz immer hoeher gekaempft...
...bis wir schliesslich auf dem Krater standen. Auch da haben wir leider nichts ausser Wolken gesehen, aber cool war's trotzdem. Ich stand ja noch nie auf einem Vulkan.
Es ist schon wirklich bemerkenswert, wie selten unsere Plaene aufgehen. Irgendwas ist immer. Aber ob ihr's glaubt oder nicht: happy sind wir trotzdem. Und zumindest ist der Vulkan heute nicht ausgebrochen. Nicht mal das haette mich sonderlich ueberrascht. Bei unserem durchschnittlichen Erfolgsquotienten muss man ja mittlerweile auf alles gefasst sein.
So. Nun ist aber wirklich Schluss. Jetzt freuen wir uns auf drei Wochen Bali. Vielleicht scheint ja sogar mal die Sonne...
wow....was für ein bericht....toll, bin ganz hin und weg. den muss ich mir sicher noch ein paar mal durchlesen. ich drück euch und wünsche euch weiterhin eine gute reise.
AntwortenLöschen...dem kann ich nur zustimmen, echt der Wahnsinn was ihr alles erlebt :) drück euch und passt weiter gut auf euch auf! Liebste Grüße von der Nicky
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