Freitag, 13. Januar 2012

Abenteuer Malaysia

Wir lieben Malaysia! Sam geht’s wieder gut, wir sind happy, dass wir endlich wieder unterwegs sind, und ich hab richtig Lust, euch alles zu erzaehlen… Also los:

Letzten Samstag haben wir auf Koh Samui wie geplant ganz entspannt am Meer rumgefaulenzt, wobei dieses Mal sogar das Wetter auf unserer Seite war, sodass wir endlich mal wieder ein bisschen in der Sonne brutzeln konnten. Irgendwie hat das aber auch nicht viel geholfen, unsere Gemueter aufzuhellen, und so haben wir beschlossen, Thailand doch so schnell wie moeglich zu verlassen. Bus und Faehre fuer Sonntag waren schnell gebucht, um es zumindest schon mal bis nach Hat Yai ganz im Sueden zu schaffen. Das naechste grosse Ziel waren die Cameron Highlands in Malaysia. Ganz frueh am Sonntagmorgen wurden wir dann abgeholt, aufs Schiff verfrachtet (wo wir im morgendlichen Sonnenschein noch ein bisschen schnubbeln konnten) ...
… und nach zehn Stunden im Bus sind wir nachmittags in Hat Yai gelandet. Gluecklicherweise kamen gleich Leute auf uns zu, die gefragt haben, ob wir noch fix mit nach Malaysia moechten. Es waren noch Plaetze im naechsten Bus frei und die Fahrt sollte auch nur drei Stunden dauern. Damit war die Sache entschieden, und wir waren fast dankbar, nicht noch eine Nacht in Thailand verbringen zu muessen. Den aeussert passenden letzten Eindruck hat uns dann das Busunternehmen beschert, das uns nochmal ordentlich uebern Nuckel gezogen hat. Bloede Thailaender. Spater bin ich mit gedanklich ausgestrecktem Stinkefinger nach hinten durch die Grenze marschiert.
In Malaysia angekommen konnten wir noch ein bisschen was vom Sonnenuntergang erhaschen und haben den Rest der Fahrt dann im Dunkeln zurueckgelegt. Rausgeschmissen wurden wir dann in einer Stadt namens Butterworth. Weiss nicht wieso, aber unter dem Namen hab ich mir eine niedliche Kleinstadt vorgestellt, und irgendwie hatt ich auch Harry Potter im Kopf. Weiter weg haett ich nicht liegen koennen – was uns erwartete, war eine wenig zauberhafte Industriestadt mit hell erleuchteter Skyline direkt am Meer. Und da standen wir dann, spaet abends, ganz ohne Plan. Unsere Lonely Planets hatten sich ja von uns verabschiedet, als das Hotel am Traumstrand von Koh Pha-Ngan unsere Sachen fuer uns packen musste, weil wir es zwischen den Krankenhausaufenthalten nicht nochmal bis dahin geschafft haben. Seitdem sind wir also auf uns gestellt. Ist aber auch nicht weiter tragisch, letztlich stand eh nur Schnulli drin, von dem das Meiste gar nicht mehr gestimmt hat. Was aber wirklich fehlt, sind die Landkarten und Stadtplaene. Mittlerweile haben wir zumindest eine schlecht kopierte Malaysia-Ausgabe von 2007 auftreiben koennen, damit wir nicht staendig in die falsche Richtung laufen.
Wie auch immer, zurueck nach Butterworth. Dort blieb uns also nichts anderes uebrig, als ein Taxi ranzuwinken, als allererstes eine Bank anzusteuern (mit unseren thailaendischen Baht konnten wir ja nicht mehr viel anfangen) und dann eine Hostelgegend zu finden. Alles verlief erstaunlich problemlos, eine Absteige (im wahrsten Sinne) war schnell gefunden und irgendwann ist uns dann auch endlich mal der Zeitunterschied aufgefallen. Jetzt sind es also nicht mehr sechs Stunden, sondern sieben.
Mit hungrigem Magen haben wir uns dann halb elf nochmal auf die Socken gemacht, um was Essbares zu aufzutreiben. Viel Auswahl gab es nicht, war ja keine Tourigegend, und so sind wir in einem einheimischen Restaurant gleich um die Ecke gelandet. Dort konnte kein Mensch englisch, und wir konnten weder die Speisekarte noch die dazu gehoerigen Bilder deuten. Wahrscheinlich sahen wir ein bisschen ratlos aus, denn es kam dann ein kleiner, alter Mann mit weissem Talla, Moslem-Muetze und ohne Zaehne, der uns geholfen hat, Reis und Huehnchen zu bestellen. Die ganzen Moslems drumherum haben uns neugierig gemustert und nach einer Weile scheinbar fuer harmlos befunden, sodass wir dann ganz herzlich angelacht wurden. Angelacht, nicht ausgelacht. Grosser Unterschied zu Thailand. Das Essen war zwar furchtbar, aber ich war trotzdem uebergluecklich. 
Am naechsten Morgen sind wir puenktlich aus den stinkenden Betten gehuepft, um den Bus ins Hochland zu erwischen. Zu Fuss haben wir uns auf den Weg zum Busbahnhof gemacht und konnten so immerhin noch einen kleinen Eindruck von Butterworth bei Tageslicht gewinnen. Es war so schoen, endlich wieder mit dem Rucksack unterwegs zu sein. Ohne zu wissen, wo wir abends schlafen wuerden, in einem ganz neuen Land, in dem es so viel Neues zu entdecken galt.
Am Busbahnhof haben sich uns dann die malayischen Bevoelkerungsgruppen praesentiert. Der Grossteil hier besteht aus Moslems, dann kommen die Inder, die alle Tamilen sind, und dann die Chinesen. Die scheinen sich miteinander alle prima zu arrangieren. Und allemann haben sie stets und staendig ein Laecheln fuer uns ueber. So gefaellt mir das! Und ich fand’s auch ganz prima, dass wir uns zum ersten Mal seit Sri Lanka endlich mal wieder selbst um ne Busfahrt kuemmern mussten. Im ganzen Rest von Suedostasien bucht man die Weiterreise ja einfach im Hotel und wird dann im VIP Bus zum naechsten Ziel gekarrt.
Um neun sassen wir also im Bus. Der hat gequietscht und geknarzt ohne Ende, aber ich hab trotzdem gestrahlt wie’n Honigkuchenpferd. Den ersten Teil der Strecke haben wir auf einer Autobahn zurueckgelegt (auf einer richtigen Autobahn!!), bevor wir dann Richtung Highlands auf eine kurvenreiche Landstrasse abgebogen sind. Und weil wir gleich hinterm Fahrer sassen, konnten wir durch’s Panoramafenster prima die sich veraendernde Landschaft beobachten.
Und dann kam der Knaller. Ich muss jetzt immer noch lachen, waehrend ich das hier eintippe. Also: Nach etwa zwei Stunden Fahrt wurde ich unsanft aus meinen Halbschlafgedanken gerissen, weil der Busfahrer tierisch laut rumgebruellt hat. Unterbewusst hatt ich schon mitgekriegt, dass wir angehalten haben, aber ich konnte mich ne Zeit lang nicht motivieren, die Augen aufzumachen. Nun liess mir der bloekende Busfahrer ja aber keine Wahl. Also Augen auf und Lage gepeilt… Und dann kamen Fragen auf. Wieso bruellt der denn die arme Frau neben uns so an? Und wo kommt eigentlich das ganze Wasser auf dem Boden her? Es hat ein bisschen gedauert, bis ich die Situation in ihrem vollen Ausmass ueberblickt habe. Wahrscheinlich hat sich einfach alles in mir gestraeubt zu begreifen, dass die Tante neben uns allen Ernstes in den Bus gestrullert hat! Ich koennt mich wegschmeissen! Ihr haettet die Trulla mal sehen sollen, wie sie da sass mit ihrem unschuldigen Blick und ihrer nassen Buchse, fast noch empoert darueber, dass sie aufgeflogen ist. Wir wurden dann aus dem Bus gekantet, der Tante haben sie nen Wischmob in die Hand gedrueckt und spaeter gab’s nen Stapel Zeitungspapier, auf dem sie fuer den Rest der Fahrt sitzen musste. Ganz grosses Kino.

Am Nachmittag sind wir dann in Tanah Rata angekommen, einer kleinen Stadt mitten im Hochland. Und leider auch mitten in den Wolken. Trotz eingeschraenkter Sicht haben wir uns gutgelaunt auf die Suche nach einem Gaestehaus begeben und mit dem Twin Pines gleich einen ziemlichen Gluecksgriff gemacht. Das ganze erinnerte stark an Jugendherberge, Toiletten und Duschen wurden geteilt, und zwischen den einzelnen Zimmern (in denen auch wirklich nur ein Bett stand) gab’s auch nicht mehr als Pappwaende… Aber dafuer haben wir jeder auch nur 3,50 Euro pro Nacht bezahlt, sodass sich unsere Reisekasse nach den thailaendischen Inseln mal wieder ein bisschen erholen konnte. 

Auch das Essen wirkt sich durchaus positiv aus. Nicht nur auf den Geldbeutel, sondern auch auf die Laune. Es ist eben nicht nur spottbillig, vor allem an den Strassenecken, nein, es ist auch noch indisch. Versteht ihr, indisch UND billig! Bis jetzt haben wir uns ja nur ganz selten mal einen Besuch beim Inder geleistet… Und nun kriegen wir das hier jeden Tag, ein Drei-Gaenge-Menue mit ner Schuessel Papadam fuer nicht mal zwei Euro. Ich bin immer noch ganz bedudelt vor Glueck… Aber ich schweife schon wieder ab.
Gleich am naechsten Tag haben wir uns mit Schwung ins Abenteuer gestuerzt. Schon frueh am Morgen sind wir mit dem Jeep eine halbe Stunde in Richtung Regenwald gefahren, bis es zu matschig war und wir schliesslich laufen mussten. Ziel der Exkursion war es, eine der groessten Blumen der Welt zu finden: die Rafflesia. Dabei hat der Regenwald seinem Namen alle Ehre gemacht… Und so sind wir drei Stunden lang im stroemenden Regen erst durch Matschepampe und spaeter durch die Tiefen des Waldes gewatet. Immer tapfer durch kleine Fluesse, die sich auf den Wegen gebildet hatten, ueber wackelige Bambusbruecken und umgekippte Baumstaemme, vorbei an schlammigen Wasserfaellen und riesengrossen Spinnennetzen. 
Haette es nicht so doll geregnet, haetten wir mit ein bisschen Glueck sogar einen Pfotenabdruck von wilden Tigern finden koennen. Zumindest hat man uns das erzaehlt. Die ganze Anstengung hat sich aber auch so total gelohnt, denn tatsaechlich sollten wir sie finden, diese verrueckte Blume.
Und so sahen wir danach aus:
Was fuer ein Riesenspass! Auf dem Rueckweg hat man uns noch in ein Dorf gelotst, dass angeblich noch von Ureinwohnern bevoelkert wird, die man hier aus unerfindlichen Gruenden einfach Aboriginies nennt. Wir sind uns nicht ganz sicher, ob das nicht nur ne Geschichte fuer Touris war, fanden’s aber trotzdem ganz interessant. Sam hat ein paar Mal ganz seelig Pfeile durch ein Bambusrohr geschossen, und bei der anschliessenden Wanderung durchs Dorf konnte ich gerade noch rechtzeitig weggucken, bevor ein Affe fuer’s Abendessen zubereitet wurde. Es waren eine Saege und Strohhalme involviert. Und wenn ihr jetzt an Hannibal denkt, seid ihr auf dem richtigen Weg.
Am Nachmittag wurden wir dann mit dem Jeep zurueck ins Hostel gebracht, wo wir erstmal ne halbe Stunde lang heiss duschen mussten, um unsere Koerpertemperatur wieder auf ueber 36 Grad zu bringen... Wir hatten trotzdem einen ganz wunderbaren und aufregenden Tag, und Sam ging’s am Abend sogar so gut wie vor den Feiertagen. Haett ich das eher gewusst, haett ich ihn schon mal eher durch den Dschungel gescheucht.

Am Mittwoch haben wir uns trotz des immer noch andauerndem Regens dazu entschieden, noch ein paar mehr Sehenswuerdigkeiten abzuklappern. Also waren wir in einem buddhistischen Tempel auf einem Berg, der uns allerdings nicht sonderlich angehoben hat. Viel interessanter hingegen war ein Mann, der den ganzen langen Weg hoch zum Tempel ohne Unterbrechung gebetet hat. Einen Schritt vorwaerts, runter auf die Knie, noch einen Schritt vorwaerts, und wieder runter auf die Knie… Dass er dabei staendig in Pfuetzen lag, hat ihn ueberhaupt nicht interessiert. Und waehrend wir noch darueber geraetselt haben, was der denn verbrochen haben koennte, waren wir schon unterwegs zu einer Teefarm. Fuer den Tee sind die Cameron Highlands naemlich beruehmt. Und soweit das Auge reichte – ueberall waren Teefelder. 
Das war klasse und hat auch richtig gut gerochen, aber es war eben doch ein bisschen schade, dass wir die Aussicht nicht bei Sonnenschein geniessen konnten. In der Teefabrik war auch tote Hose, da naemlich ausgerechnet in dieser Woche die Maschinen mal ordentlich gereinigt werden mussten. Trotzdem gab’s noch schnell einen Tee fuer uns…
… und dann ging’s auch schon weiter zur Honigbienenfarm. Die einzigen Bienen, die wir dort gesehen haben, waren allerdings groesser als wir und aus Hartplastik. Die anderen haben sich wegen dem Regen alle in ihren Kaesten versteckt… 
Gluecklicherweise befand sich gleich nebenan eine Schmetterlings- und Reptilienfarm (vielleicht habt ihr schon bemerkt, dass man die Attraktionen hier gerne auf ‘Farm’ enden laesst), in der ein bisschen mehr los war.

Zum Abschluss waren noch wir auf einer Erdbeerfarm. Wenig spektakulaer. Erdbeeren im Gewaechshaus halt.
Bepackt mit einem Kilo Erdbeeren sind wir dann zurueck ins Hostel gefahren, wo wir es uns am Nachmittag ganz gemuetlich gemacht haben. Wir haben gelesen und ganz viel genascht und Koenig der Loewen in der Mitsingversion geguckt, und so konnten wir gestern ganz ausgeruht die Weiterreise nach Kuala Lumpur antreten.
Mit dem Bus ging’s sechs Stunden durch Berg und Tal, und ganz ploetzlich waren wir dann umgeben von riesigen Hochhaeusern. Leider haben wir die Sache mit dem Aussteigen ein bisschen verkackt, weil wir viel zu frueh raus gehuepft sind. Wir Doedel. War aber nicht so schlimm, wir haben uns dann durchgefragt und sind schliesslich mit der Metro ins Stadtzentrum gefahren. 
Dort mussten wir nicht sehr lange suchen, bis wir ein Guest House gefunden hatten. Und was fuer eins! Die Zimmer sind wieder total einfach und Badezimmer werden geteilt, aber die Atmosphaere hier ist echt schnieke… Und weil wir's hier so schoen finden, gibt's heute auch mal ein paar Bilder mehr:
Wir wohnen direkt auf dem Dach, und das hier ist unsere Terasse.
Da wir beide so aufgekratzt waren, haben wir im Schnelldurchlauf schon mal eine Stadtrunde gedreht, erst zu Fuss, dann mit der Metro. Was fuer eine tolle Stadt! Wir haben uns hier gleich pudelwohl gefuehlt. Es gibt so unglaublich viel zu sehen, von buddhistischen Tempeln und Moscheen ueber Museen und Galerien bis zu lustigen Aquarien und solchem Firlefanz. Ich hatt’s gleich im Gefuehl – das wird ganz prima hier. 
Guckt mal, wie die Broetchen heissen!
Auch beim Wahrzeichen von Kuala Lumpur waren wir gestern schon mal kurz.
Das sind die Petronas Tower. Ganz schoen hoch... Man kann die auch erklimmen, aber dafuer muss man ganz frueh morgens da antanzen und sich in eine Schlange stellen. Es gibt pro Tag nur 1.500 Tickets, und wer zuerst kommt, malt zuerst. Morgen frueh wollen wir unser Glueck mal versuchen. Und ich will auch ganz tapfer sein. Um das Bangkok-Erlebnis nicht zu wiederholen, hab ich vorsichtshalber schon mal abgeklaert, ob sich da obendrauf auch wirklich nichts drehen kann…

Abends sind wir noch ein bisschen durch Chinatown geschlendert, waren Essen und haben die ganzen Eindruecke sacken lassen.
Dann sind wir ganz seelig ins Bett gefallen und haben heute bis halb elf geschlafen. Nachdem wir dann ein paar Stunden ziellos aber ganz hin und weg durch die Strassen gebummelt sind, haben wir heute Nachmittag unseren Besuch vom Flughafen abgeholt. Guckt mal wer da ist! Der Johannes!
Johannes arbeitet immer noch in Sri Lanka, mittlerweile schon seit ueber vier Monaten. Da war jetzt eben mal ein Urlaub faellig, und den verbringt er mit uns. Juhu! Sam ist ganz begeistert, weil er jetzt endlich wieder jemanden hat, mit dem er ueber Fussball reden kann. Jetzt sind wir also zu dritt, fuer die naechsten zwei Wochen.
Wir hatten hier zwar noch ein Einzelzimmer reserviert, aber das hat anscheinend niemand ernst genommen. Jedenfalls ist jetzt alles voll. Also haben wir relativ kommentarlos noch ne Matratze in unser Polly-Pocket-Kabuff gehievt und kriegen jetzt die Tuer nicht mehr richtig auf. Aber ist ja nur fuer eine Nacht…
Morgen und uebermorgen starten wir ein paar grosse Sightseeing-Touren, und dann geht’s Montag oder spaetestens Dienstag weiter zur Insel Penang, von wo aus wir naechsten Samstag die Faehre nach Sumatra nehmen.
Klingt nach nem guten Plan, find ich. Also gut, ihr Huckeduster, das war’s dann fuer heute. Wir machen es uns jetzt auf unserem Balkon gemuetlich... Habt ein schoenes Wochenende und seid lieb gegruesst!

2 Kommentare:

  1. meine lieben, bin schon wieder mittendrin im abenteuer reisen...das genau ist das gefühl,warum man fernweh bekommt....euch drei drück ich ganz fest und wünsche euch eine ganz tolle zeit! bin schon jetzt gespannt wie es bei euch weitergeht...

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  2. kann grad nix schreiben, muss mal auf Klo, nicht das die Mum hier wischen muss ;-))))

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