Hallo liebe Leute!
Jetzt ist es bald soweit... Wir sind
seit ein paar Tagen wieder in Auckland bei Sams Familie und ich
koennte abwechselnd wie ein Flummi durch die Gegend huepfen und mich
dann wegen Abschiedsphobie ganz schnell im Keller verstecken. Damit
es heute aber nicht zu melodramatisch wird, erzaehl ich euch lieber was wir
noch so angestellt haben, seit ich mich zuletzt gemeldet hab.
Vielleicht erinnert ihr euch, wir waren gerade zu Besuch bei Jane in
Motueka. Eigentlich wollten wir da ja nur ein oder zwei Naechte
bleiben, aber es war so schoen, dass wir uns einfach nicht trennen
konnten. Ausserdem hatte Jane's Freundin vier Freikarten fuer die
Black Seeds in Nelson. Ich war ja seit Ewigkeiten nicht mehr auf
einem Reggae/Ska-Konzert und kann mich nicht erinnern, wann wir zum
letzten Mal so viel Spass beim dancen hatten.
| (Ich weiss nicht, was das mit dem Arm soll) |
Irgendwann mussten wir ja aber mal
weiterziehen, und so ging es mit der Faehre zurueck zur Nordinsel, wo
wir uns erstmal in der Hauptstadt Wellington niedergelassen haben.
Hier sind wir auf der Suche nach Sehenswuerdigkeiten ungefaehr 27
Kilometer durch die Stadt marschiert, Cable Car gefahren und
schliesslich im riesigen Nationalmuseum Te Papa haengengeblieben. Da
hab ich auch endlich einen Orka gefunden, wenn auch etwas weniger
verspielt als erhofft.
Durch Zufall haben dann wir
mitgekriegt, dass wir genau zum Dokumentarfilm-Festival angereist
sind. Jippi! Also waren wir auch noch fix im Kino, um Exporting
Raymond zu gucken – eine wirkliche lustige Reportage ueber die russische Adaption
einer amerikanischen Comedyserie.
Von Wellington ging es weiter Richtung
Mt. Taranaki, schliesslich wollten wir noch ein paar ordentliche
Vulkane sehen! Leider konnten wir bei der Anreise nichts vom Berg
sehen, da er vollstaendig in Wolken gehuellt war. Das Wetter scheisst uns
ja echt staendig ans Bein. Ein bisschen geknickt haben wir dann
spontan im kleinen Staedtchen Stratford angehalten, um unsere
Reiseplanung fuer die letzten Wochen in Angriff zu nehmen. Hier in
Neuseeland haben die Stadtnamen entweder Maori-Bedeutung oder sie
sind nach englischen Vorbildern benannt. Und da Stratford in England
der Geburtsort von Shakespeare ist, hat man Stratford in Neuseeland
thematisch quasi angeglichen. Die Strassen tragen Namen von
beruehmten Werken oder Charakteren, und um dem ganzen die Krone
aufzusetzen, gibt es sogar ein Shakespeare-Glockenspiel mit einer
Romeo-und-Julia-Adaption (ganz schlimm!).
Wie gesagt waren wir aber eigentlich
hier, um uns intensiv mit den kommenden Tagen und Wochen zu
beschaeftigen und einen kleinen Plan aufzustellen. Tatsaechlich haben
wir alle bisherigen Ideen ueber Bord geworfen, die Haelfte aller
geplanten Anlaufpunkte nach dem Ausschlussprinzip gestrichen und nur
noch Orte auf die Liste gesetzt, die wir beide unbedingt noch
mitnehmen wollten. Uebrig blieb zum Schluss nur eine relativ kleine Liste, aber in
Anbetracht dessen, dass wir eh nur noch zwei Wochen hatten, ging es
uns damit besser als vorher.
Zuerst sollte es dann nach New Plymouth ganz
im Westen gehen, von wo aus man diesen Vulkan wohl auch noch
erspaehen koennte. Und ob ihr's glaubt oder nicht - wir sassen keine
zehn Minuten im Auto, als wir auf einmal die Bergspitze sehen
konnten. Zwei Minuten spaeter waren alle Wolken verpufft. Nach drei
Sekunden in stiller Verblueffung sind wir in lautstarken Jubel
verfallen wie Knastis auf nem Johnny Cash Konzert. Im
Turbogang sind wir Richtung Berg gebrettert, um ihn uns auch aus der
Naehe anzusehen und ein bisschen drumrum zu spazieren.
Die naechsten beiden Naechte haben wir in New Plymouth verbracht, einer wirklich huebschen kleinen
Stadt am Meer, von der aus wir unseren neuen Lieblingsberg
tatsaechlich prima sehen konnten. Wir sind da ewig lange am Meer
entlang spaziert, waren mal wieder im Museum und anschliessend im
Stadtpark, der so schoen ist, dass er in der neuseelaendischen
Ausgabe von Monopoly zum teuersten Dingens gewaehlt wurde. Da gab es
Wasserfaelle, viele kleine Seen und auch einen Mini-Zoo mit lustigen
Lamas.
Naechstes grosses Ziel auf der Liste
war das Zentralplateau, wo wir eigentlich eine Vulkanwanderung machen
wollten. Wir waren ja vor zwei Monaten auf dem Weg zur Suedinsel
schon mal kurz da, konnten wolkenbedingt aber nichts sehen. Der
kuerzeste Weg von New Plymouth zu dieser Vulkanebene fuehrte ueber
einen Strasse, die sich The Forgotten World Highway nennt. Wer jetzt
an Jurassic Park oder so denkt, liegt leider falsch. Ich glaube, das
heisst so, weil man einfach nur vergessen will, dass man jemals dort
war. Fuer die 100 Kilometer haben wir ueber vier Stunden gebraucht,
weil wir in den dreitausend Kurven immer nur hoechstens 30 km/h
fahren konnten. Nach einer Ewigkeit haben wir dann endlich wieder
einem normalen Highway erreicht, und dann haben wir ewig gar nicht
mitgekriegt, dass wir schon auf auf der Vulkanebene waren. Es war so
nebelig und bewoelkt, dass wir von den Vulkanen direkt neben uns
nicht mal die untersten zehn Meter sehen konnten. Wie gut, dass ich
bereits drei Mal in der Touristeninfo angerufen hatte, um mich nach
dem Wetter zu erkundigen und mir jedes Mal gesagt wurde, wie blau und
wolkenlos der Himmel sei und wie ausgezeichnet man die Berge sehen
koenne. Waehrend ich die bloede Wetterbratze mental mit
Schimpfwoertern beschmissen hab, hat sich Sam gar nicht aus der Ruhe
bringen lassen. Fahren wir eben drumrum, hat er gesagt. Klar, hab ich
gedacht, kutschen wir eben wieder zurueck nach Wellington. Aber
gerade als ich losputern wollte, schob sich ein winziges Stueckchen
blauer Himmel ins Blickfeld. Und zehn Kilometer weiter praesentierten
sie sich uns dann, die drei Vulkane. Der juengste von denen, links im
Bild, ist euch vielleicht bekannt als Schicksalsberg.
Dankbar und trotz plattgesessenen
Hinterns happy haben wir uns dann auf die Suche nach einem
Nachtquartier begeben. Das war aus zwei Gruenden lustig:
1. Es war das lange
Queen-Geburtstags-Jubilaeums-Wochenende, das hier als
Nationalfeiertagsause gehaendelt wurde, weshalb alle Campingplaetze
gerammelt voll waren. Mit Ach und Krach haben wir noch eine
Motelanlage gefunden, in der sie noch einen Stellplatz fuer uns
hatten. Und damit kommen wir zu
2. Der Besitzer war der Kracher.
Nachdem wir beim ueblichen Begruessungs-Small-Talk geklaert hatten,
wo wir herkommen, hat er angefangen von sich zu erzaehlen.
Er: Oh, Deutschland. Aha, welche Seite
denn? Vielleicht Osten?
Ich: Hm, Osten.
Er: Oh, toll. Weisst du, meine
Grossvaeter stammen aus Dresen. Aber in den fruehen Vierzigern sind
sie nach Suedafrika ausgewandert, war wohl besser so.
Ich: Gutes Timing.
Er, voellig ratlos: Warum?
Ich: Na wegen der Bombardierung.
Er: Wieso?
Ich: Zweiter Weltkrieg.
Er: Quatsch. Ich rede von den
1740ern, du Pflaume.
Sam lacht. Ich sage nichts.
Er: Alte DDR also. Hat sich denn die
Wirtschaft mittlerweile angepasst?
Ich: Joa, ist ja schon ein bisschen her
mit der Mauer.
Er: Hm. Und fuehlt ihr euch denn als
Sklaven?
Ich, voellig ratlos: Aehm. Eigentlich nicht. Wieso denn
Sklaven?
Er: Nicht Sklaven. Slaven! Fuehlt
ihr euch als Slaven?
Die Frage ist ja genauso bescheuert. Sam verlaesst den Raum, das Gesicht konzentriert auf den Boden gerichtet. Ich sage dem Typen, dass ich mich genauso slavisch wie mexikanisch fuehle und sehe zu, dass auch ich Land gewinne.
Die Frage ist ja genauso bescheuert. Sam verlaesst den Raum, das Gesicht konzentriert auf den Boden gerichtet. Ich sage dem Typen, dass ich mich genauso slavisch wie mexikanisch fuehle und sehe zu, dass auch ich Land gewinne.
Da fuer die naechsten Tage Schnee und
Sturm angesagt war, hatte sich das mit der Vulkankletterei ein
weiteres Mal erledigt. Gut. Nicht aergern, durchatmen und Plan B
ausdenken. Und so ging es weiter nach Napier an der Ostkueste. Napier
hat es in den 30ern (und ich meine die 1930er) bei einem starken
Erdbeben ganz schoen entschaerft. Beim Wiederaufbau hat man sich dann
offensichtlich das Art-Deco-Thema ganz fett auf die Fahne
geschrieben, was wir ausgesprochen albern fanden. Nach einem kleinen
Stadtbummel durch die kuenstliche Altstadt haben wir das
Nationalaquarium auf der Strandpromenade entdeckt. Vom Hocker gehauen
hat's und leider nicht, es gab nichts, was wir nicht schon gesehen
haben. Lustig allerdings war der Rueckweg zum Parkplatz – Sam hat
naemlich was tolles hinterm Gartenzaun entdeckt.
Nach Napier ging's ab nach Rotorua, auch bekannt als 'Thermalhauptstadt'. Zur Einstimmung haben wir unterwegs schon mal
kurz bei den Crater of the Moon gestoppt, wo so heisser, nach faulen
Eiern stinkender Wasserdampf an allen Ecken aus der Erde stroemt.
In Rotorua selbst hat's dann auch
dermassen gemufft, dass wir unser Lager ausserhalb der Stadt
aufgeschlagen haben. Da das Wetter mal wieder nicht mitgespielt hat,
sind wir zum hundertsten Mal im Museum gelandet. Dieses Museum war
frueher mal ein beruehmtes Badehaus und hat mich stark an das alte
Halberstaedter Schwimmbad erinnert (nur von innen).
Zumindest haben wir dort den Tag zur
Haelfte rumgekriegt und als spaeter die Wiederholung der
Queen-Geburtstagsparty in London lief, war der Abend auch gerettet.
Am naechsten Tag sind wir in ein Thermal-Wunderland geduest, wo es
noch intensiver gemieft hat, wir aber viel sehen konnten.
Als naechstes ging es nach Tauranga im
Norden, wo wir den Mt. Manganui bestiegen haben. Das war quasi der Ersatz
fuer unsere nicht stattgefundene Vulkanwanderung. Weil sich die Sonne
endlich mal wieder hat blicken lassen, hat das sogar Spass gemacht
und von oben hatten wir ne prima Sicht.
Das letzte grosse Ziel war die
Coromandel Halbinsel. Da haben wir am Wochenende eine Runde gedreht,
und das war so:
| Goldmine |
| Cathedral Cove |
| Sonntagfrueh, 6:45 Uhr - Public Viewing aufm Zeltplatz |
Tja, und nun sind wir wie gesagt wieder
hier in Auckland. Ich hab schon angefangen meinen Rucksack
auszusortieren (es ist bemerkenswert, was sich in neun Monaten so
ansammelt), und dann mach ich mich demnaechst ans Packen. Wir haben
noch ein bisschen was zu tun, zum Beispiel wollen wir das Auto
schnellstmoeglich verscheuern und ich kann wohl auch meine gezahlten
Apfelpfluecksteuern zurueck ergaunern. Ausserdem soll das Wetter
nochmal schoen werden, sodass wir vielleicht noch ein bisschen was
unternehmen koennen. Und dann am Montag geht mein Flieger, 17:15 Uhr
neuseelaendischer Zeit. Ich fliege knapp vier Stunden nach Brisbane,
von da aus 15 Stunden nach Dubai und nach 4 Stunden Aufenthalt
nochmal sechseinhalb Stunden nach Hamburg, wo ich dann Dienstagmittag
wahrscheinlich voellig verpeilt aufschlagen werde.
Es ist mir erstaunlich bewusst, dass es
nun fast vorbei ist. Eigentlich dachte ich immer, dass ich das so
kurz vor der Heimreise gar nicht realisieren koennte... Aber die
Stimmung schwankt schon ganz schoen hin und her. Manchmal bin ich so
aufgeregt, dass ich ueberhaupt nicht einschlafen kann und manchmal
bin ich so traurig, dass es beim Gedanken an den Abschied verdaechtig
in der Traenendruese zwickt. Eins weiss ich aber ganz sicher: Es
reicht jetzt wirklich hin mit dem Vagabundenleben. Ich freu mich auf
Zuhause und bin gespannt auf alles was dann kommt. Jobsuche,
Wohnungssuche, Sommer... (Falls ihr jemanden kennt, der mit einer
Journalistik/Medienmanagement-Absolventin etwas anfangen koennte,
dann gebt mir ein Signal!)
So, und nun machen wir kein grosses
Drama draus. Das war der letzte Blog aus einer anderen Zeitzone. Ein
allerletzter kommt aber noch, wenn ich mich wieder halbwegs eingelebt
hab, so als rueckblickender Abschluss. Oder abschliessender
Rueckblick. Also ihr Lieben, dann wir sehen uns naechste
Woche! Wer noch keinen Sekt/Wein/Wodka im Kuehlschrank hat, sollte
das bitte schnellstens nachholen.