Dienstag, 27. Dezember 2011

Koh Samui

So. Weihnachten waere also geschafft.
Vorgestellt hatten wir uns einen traumhaften Strand, ne Flasche Bacardi im Arm und ganz viel Sonnenschein. Bekommen haben wir einen Sturm, der den ganzen Strand verschluckt hat und Regenwolken in Dauerschleife. Vom paradiesischen Koh Samui und den spektakulaeren Schnorchel- und Tauchspots war weit und breit nichts zu sehen. Umgeben von Touristen (entweder Familien mit Kindern oder alte Geilpansen auf der Suche nach russischen GoGo-Taenzerinnen oder kleinen Thai-Maedchen) haben wir versucht, das Beste rauszuholen. Wir sind kreuz und quer durch die Stadt spaziert (allein der Weg von unserem Hotel ins Stadtzentrum ist zweieinhalb Kilometer lang), haben aber nichts anderes gesehen als Restaurants, Bars, Spas, Hotels und Klamottenlaeden. 
  
Wir wollten am Strand entlang schlendern, aber der sah so aus:
  
Und eigentlich wollten wir dem ganzen Trubel entfliehen und mehr von der Insel sehen, aber wetterbedingt konnten wir kein Motorrad ausleihen. Also mussten wir bleiben, wo wir waren. Gefangen in der ueberteuerten Touri-Hoelle. Und so haben wir die meiste Zeit in Restaurants am Meer verbracht, Cocktails geschluerft, die hohen Wellen beobachtet, Karten gespielt, gelesen oder das Personal bei den Vorbereitungen fuer die Weihnachts-Dinner beobachtet. 
  
  
  
  
  
 
Am ersten Weihnachtstag waren wir sogar Minigolf spielen um die Zeit rumzukriegen. Sam hat gewonnen, musste aber hin und wieder mit einer aufdringlichen Miezekatze um den Ball kaempfen. 
Das war das Highlight des Tages.
  
  
 
Abends, nachdem wir dann mit saemtlichen Familienmitgliedern geskypt hatten, haben wir auch eine kleine Bescherung gemacht. So richtig mit Weihnachtsliedern und allem drum und dran. Danach haben wir uns aufgebretzelt und uns ins Nachtleben gestuerzt. Haengengeblieben sind wir dann in einer kleinen Bar mit Live-Band. Komischerweise werden die Erinnerungen proportional zur voranschreitenden Uhrzeit immer blasser... Ich weiss aber noch, dass irgendwann der Rum alle war, dass bei ‘Hotel California’ alle schief mitgesungen haben und dass wir irgendwann tanzend auf der Buehne gelandet sind.
  
  
Da ich ja immer bleiben muss, bis auch wirklich Schluss ist, wurden wir zusammen mit ein paar anderen Schnappsnasen gegen zwei sanft vor die Tuer geschoben. Das war ein klasse Abend, auch wenn es uns am Montag erwartungsgemaess nicht besonders gut ging. Also haben wir es uns auf ausrangierten Hotel-Liegen ganz nah am stuermischen Meer gemuetlich gemacht. Ich hab mir fest vorgenommen, mich weder von Wind noch von Regen vertreiben zu lassen, musste nach zwei Stunden aber aufgeben, weil sowohl mein Buch als auch die drei um mich drumrum gewickelten Handtuecher voellig durchnaesst waren. Also haben wir uns den Rest des Tages bei Filmen, viel Schokolade und Eistee ganz in Ruhe auskuriert.

Als dann heute frueh Sonnenstrahlen durch unsere Vorhaenge fielen, dacht ich erst, ich traeume noch… Aber nein, da war tataechlich ein Stueck blauer Himmel! Ratzifatzi hab ich Sam ausm Bett gescheucht, dann haben wir in Windeseile gefruehstueckt und um neun sassen wir schon auf einem Roller, um die laengst ueberfaellige Erkundungstour zu starten. Zuerst waren wir bei den beruehmten Felsen, die aussehen wie Schnipi und Mupfel. Der Legende nach war das ein altes Paerchen, das in dieser Bucht gestorben ist. Freundlicherweise haben sie als Erinnerung ihre Geschlechtsteile hinterlassen.
  
  
Ein bisschen verwirrt sind wir weiter gebrettert und haben in einem Tempel am Strassenrand dann einen ganz besonderen Moench getroffen. Einer, der 1973 gestorben ist und seitdem mumifiziert in einem Glaskasten sitzt. Diese Thailaender sind schon ein komisches Voelkchen…
  
Weiter ging’s Richung Inselinneres. Als wir mit dem Roller nicht mehr weiterkamen, sind wir zu Fuss ueber Stock und Stein, bis wir schliesslich einen Wasserfall erreicht haben. Der war klasse, wurde aber leider auch von diversen Jeep-Safaris und Elefanten-Trekkings direkt angesteuert, sodass um uns drumrum immer mindestens zwanzig andere Leute waren. Die waren alle ganz nett und so, aber ich wollte eigentlich mal ueberhaupt keinen sehen. 
  
  
  
  
  
Als wir dann die Westkueste erreicht hatten, waren wir ein bisschen sprachlos. Waehrend sich bei uns auf der Ostseite die Wellen in zwei bis drei Metern Hoehe fast ueberschlagen, war das Meer dort wie ein Teich. Keinen Mucks hat’s von sich gegeben. Na das haetten wir mal eher wissen sollen! Da sich dann bedrohlich graue Wolken naeherten, haben wir beschlossen, langsam den Rueckweg anzutreten. Dabei haben wir einen kleinen Umweg gewaehlt, um auch die Nordkurve der Insel mit ihren schoenen Straenden und dem Big Buddha (heisst wirklich so) noch mitzunehmen.
  
  

Wir sind so froh, dass wir heute nochmal Glueck mit dem Wetter hatten, und wir haben es tatsaechlich geschafft, alle Sehenswuerdigkeiten der Insel abzuklappern. Liegt ja alles nicht weit auseinander. Allerdings fragen wir uns jetzt, wie man hier zwei ganze Wochen rumkriegen kann. Fuenf Tage haben uns mehr als gereicht, und so packen wir jetzt froehlich unsere Sachen, um morgen frueh unser naechstes Ziel anzusteuern: Koh Pha-Ngan. Mit der Faehre sind’s wohl nur 45 Minuten, und dann schlagen wir uns durch zum Bottle Beach. Ich freu mich so! Keine Bars, keine Musik, keine Roller, keine Armbandverkaeufer. Und das eine ganze Woche lang! Wenn das Wetter allerdings so stuermisch ist wie hier, dann koennte es passieren, dass wir da festsitzen. Unseren Einsiedler-Strand kann man naemlich nur per Longtail-Boot erreichen. Vorsichtshalber werden wir uns morgen also noch schnell zwei Raketen kaufen – fuer den Fall, dass wir nicht zu unserer Silvestersause koennen.

Na dann, ihr Lieben. Ich hoffe, ihr habt Weihnachten gut ueberstanden und wuensche euch jetzt ein paar schoene letzte Tage in diesem Jahr und einen guten Start ins Naechste! Feiert schoen, lasst es knallen und fuehlt euch gedrueckt!

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Ho ho ho!
Bevor ihr euch alle mit Schwung in euer Weihnachtsfest stuerzt, lecker Sachen in euch reinschaufelt oder in der Zora ein Wiedersehen mit Tschiggedab feiert (ich bin so neidisch!), gibt’s noch eine letzte vorweihnachtliche Meldung von mir.

Das Reisetief liegt nun endgueltig hinter uns, denn mittlerweile haben wir sowohl unseren Humor als auch den Sonneschein wieder gefunden!
Letzten Dienstag ging’s vom grauen Nha Trang mit dem Bus im Zickzack nach Dalat, wobei uns die Kotztueten diesmal ueberhaupt nicht tangiert haben, weil wir naemlich endlich im Besitz von Reisetabletten sind. Da haette man ja auch wirklich schon mal eher drauf kommen koennen... In Dalat angekommen hat es, Ueberraschung, wie aus Eimern geregnet. Und es war kalt. Dummerweise mussten wir dann auch noch ewig durch den Regen stiefeln, um ein ordentliches aber bezahlbares Hotel zu finden. Trotzdem hatten wir keine Lust uns zu aergern, sind unterm Regenschirm nochmal schnell zum Markt geflitzt, haben uns ein Kilo Erdbeeren und ganz viel Schokokuchen gekauft, uns ganz dick eingemummelt und den Rest des Tages Filme geguckt.

Zum Ausgleich haben wir uns am Mittwoch gegen saemtliche Transportmittel entschieden, um uns mal ein bisschen zu bewegen. Denn eigentlich verbringen wir ja den groessten Teil unserer Tage in Bussen, auf Motorraedern und wenn’s ganz verrueckt kommt auch in Seilbahnen. Und da Dalat eben verhaeltnismaessig klein erschien, haben wir uns – bewaffnet mit Regenjacke, Schal und dicken Socken (in Sandalen!) – zu Fuss auf Erkundungstour begeben. Hochmotiviert ging es die ersten vier Kilometer bergauf und bergab bis zum sogenannten Crazy House, das, wie sich unschwer erahnen laesst, ganz verrueckt aussah. Als Magdeburger Adoptivkind ist mir als erster Vergleich natuerlich das Hundertwasserhaus in den Sinn gekommen, mit einem Hauch von Alice und ihrem Wunderland.

 Dort sind wir dann froehlich umher gestreunert und konnten gerade noch rechtzeitig die Biege machen, bevor sich eine Bus-Ladung Russen ueber die filigranen Treppen und Bruecken hergemacht hat.
Naechster Stop war ein Palast am Stadtrand, der als Sommeresidenz fuer den ehemaligen Chef von Suedvietnam diente. Zum Glueck haben wir schon gelernt, unsere Erwartungen moeglichst klein zu halten, andernfalls waeren wir bei diesem Anblick eventuell ein bisschen enttaeuscht gewesen.

Dieser hochattraktive Palast sah von innen aus wie ein perfekt dekoriertes Puppenhaus aus den 70ern und hatte wirklich null Charme. Vor lauter Schreck hab ich sogar vergessen Fotos zu machen.
Im Regen ging es dann weiter zum Bahnhof, obwohl wir beide nicht so richtig wissen, warum ueberhaupt. Wahrscheinlich, weil er uns auf dem Stadtplan als eines der wenigen nicht-vietnamesischen Woerter aufgefallen ist. Leider gab es dort abgesehen von einer alten Lokomotive nichts zu sehen.
Dann sind wir zum See und einmal drumherum gewandert, bis wir mit qualmenden Mauken nach insgesamt zwoelf Kilometern Wanderstrecke unser finales Ziel, den Blumenpark, erreicht hatten. Auch der konnte uns nicht vom Hocker hauen; wirklich unterhaltsam hingegen waren die einheimischen Touristen auf ihrer Suche nach dem ultimativen Urlaubsfoto. Da wurde sich im wunderschoensten Sonntags-Seiden-Dress ohne Ruecksicht auf Verluste waagerecht in die Blumenbeete gewuchtet, beide Arme dekorativ um den Kopf gewickelt, Finger gespreizt, Augen und Mund weit aufgerissen. Wir wollten es erst nachstellen, konnten dann aber unsere Fuesse nicht mehr bewegen und sind schliesslich mit dem Taxi zurueck ins Hotel gefahren. Ganz kurz ging es am Abend nochmal vor die Tuer, um im Supermarkt um die Ecke einen kleinen Kuchen-Nachschub zu besorgen… 

Den Donnerstag haben wir zur Haelfte damit verbracht, unsere Weiterreise zu organisieren. Es hat sich schnell herausgestellt, dass zwar viele Wege nach Dalat fuehren, aber nur einer wieder weg. Wie wir es auch gedreht haben, die einzige Moeglichkeit war, direkt nach Saigon bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt zu fahren, womit sich sowohl Nationalpark als auch Schlammbaeder erledigt hatten. Ein bisschen frustriert haben wir uns am fruehen Nachmittag ein Motorrad ausgeliehen, um wenigstens noch fix den beruehmten Elefanten-Wasserfall zu bestaunen. Den hatten wir aber auch nach drei Stunden Berg- und Talfahrt noch nicht gefunden, und als es dann langsam dunkler wurde, mussten wir wohl oder uebel den Heimweg antreten.
Zu unserer Verteigung: Es gibt von der Region keine Landkarten, der Wasserfall ist 30 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und die Umgebung aehnlich verworren wir die Stadt an sich. Hinzu kommt, dass in den Doerfern kein Mensch englisch spricht und auch unsere Pantomime-Darstellungen eines Wasserfalls niemand verstanden hat. Die einzige Hilfestellung kam von dem Typen, von dem wir das Motorrad hatten und lautete: einfach immer geradeaus! Bei einer Stadt, die so aussieht, ist das aber vielleicht eine etwas zu optimistische Wegbeschreibung…
 
Natuerlich war uns das eine Lehre, sodass wir uns am naechsten Tag den vietnamesischen Namen geben und den Weg nochmal ganz genau erklaeren lassen haben. Und so ging es auf ein Neues vorbei an Reis- und Erdbeerfeldern, durch Pinienwaelder und enge Kurven, bergauf und bergab, bis wir eine gute Stunde spaeter immerhin schon mal im richtigen Dorf gelandet sind. Da aber die wenigen Hinweisschilder ausschliesslich in vietnamesisch ausgeschrieben waren, mussten wir erst noch ein paar Leute fragen, bis sich schliesslich jemand erbarmt und uns hoechstpersoenlich zum Ziel eskortiert hat. Schnell haben wir dann festgestellt, dass sich der ganze Aufwand aber gelohnt hat, weil wie naemlich vorm schoensten Wasserfall standen, den man sich vorstellen kann. 
Auf dem Rueckweg nach Dalat haben wir noch eine familienbetriebene Seidenfarm angesteuert, die im selben Dorf lag und sich erstaunlich leicht finden liess. Da ich vorher noch nie so eine Seidenfarm gesehen hab, fand ich das ganz aufregend und kam mir vor wie bei der Sendung mit der Maus.


 
Den Weg zurueck haben wir ohne Schwierigkeiten gefunden, ab und an hat sich sogar die Sonnen nochmal sehen lassen und so konnten wir kurz vor der Abenddaemmerung unser Motorrad wieder abgeben und uns dann auf die letzte Busfahrt in Vietnam (juhu!) vorbereiten. Samstag frueh um zehn sassen wir dann schon im Bus nach Saigon, wobei uns noch im letzten Moment die bewaehrten Reisetabletten eingefallen sind. Zur Feier des Tages gab es gleich zwei, sollte ja schliesslich auch eine lange Fahrt werden. Tatsaechlich waren wir gute acht Stunden unterwegs, haben dank unserer kleinen himmelblauen Freunde aber den Grossteil komplett verpennt. Selbst als wir uns abends mit zwei Freundinnen von meiner Uni getroffen haben, hatt ich noch ne leichte Milchglas-Optik.
Sonntag sind wir dann zu viert losgezogen, um das ueberraschend schoene Saigon zu erkunden – und das bei Sonnenschein und 30 Grad! Berauscht von den vielen Farben und dem sommerlichen Grossstadtflair haben wir gutgelaunt ein paar Sehenswuerdigkeiten abgeklappert...
... bevor wir schliesslich im Kriegsmuseum gelandet sind. Dort ist uns aufgefallen, wie wenig intensiv wir uns eigentlich mit der ganzen Kriegsgeschichte auseinander gesetzt haben. Waehrend wir in Kambodscha fast jeden Tag was neues erfahren haben, sind wir in den letzten Wochen nur mit unserem Lonely-Planet-Wissen durch Vietnam gereist. Besser spaet als nie haben wir uns also in Vergangenheit gestuerzt und waren, wie zu erwarten war, sehr schnell sehr erschuettert.
Seit ich auf dieser Reise bin und aus erster Hand so viel Neues ueber die Kriegsfuehrung der Amerikaner lerne, fehlen mir vor Fassungslosigkeit und Wut oft die Worte. Aber was wir hier in Vietnam gesehen haben, ist an Ungerechtigkeit kaum zu ueberbieten.

Im Jahr 1955 wurde Vietnam aehnlich wie Deutschland in zwei unterschiedliche Staats- und Wirtschaftsformen geteilt. Der Norden wurde nach einer Revolution kommunistisch und frei regiert (zumindest offiziell), der Sueden diktatorisch von einem obszessiven Katholiken. Dann haben die Kommunisten eine Guerilla-Bewegung gegruendet, die Viet Cong, um gewaltsam auch den Sueden einzunehmen. Es herrschte Buergerkrieg, und schwupps standen dann auch schon die Amerikaner auf der Matte, um ganz uneigennuetzig die Verbreitung des Kommunismus zu verhindern. Als sich die Nordvietnamesen mit zwei Anschlaegen auf amerikanische Schiffe gewehrt haben (wovon einer erfunden war, wie sich 2005 herausstellte), verkuendete der amerikanische Praesident Johnson, es muessten jetzt “alle erforderlichen Mittel eingesetzt werden, um bewaffnete Anschlaege gegen US-Soldaten und kuenftige Auseinandersetzungen zu vermeiden.” Dazu gehoerten aber nicht nur Bomben, Massaker und Bodenkaempfe, sondern auch die Verbreitung von Fluessiggift, ueberwiegend Agent Orange genannt, das ueber unglaubliche zehn Jahre hinweg mit Flugzeugen ueber dem Land verteilt wurde. Dieser giftige Regen hatte nachhaltige Gendeffekte zur Folge, sodass auch heute noch missgebildete Babies geboren werden. In dem Kriegsmuseum hingen Fotos von einigen Kindern. Manche hatten drei Gesichter, andere bis zur Unkenntlichkeit deformierte Gliedmassen, medizinballgrosse Koepfe oder fehlende Sinnesorgane.

Als sich die US-Truppen 1973 endlich zurueckzogen, herrschte immer noch Buergerkrieg. Mittlerweile war Vietnam aber kontaminiert und so zerstoert, dass sogar Reis importiert werden musste.

Es gibt offene Briefe an die amerikanischen Praesidenten jeder Etappe, von Menschen, die wegen ihrer Missbildungen nicht arbeiten koennen und deswegen in grosser Armut leben. Sie fragen, ob sich die Amerikaner nicht vielleicht um den immensen Schaden kuemmern moechten, den sie angerichtet haben. Keine Reaktion. Auch das in den 70ern von Nixon versprochene Reparationspaket in Hoehe von 3,5 Billionen Dollar wurde nie gezahlt.



1975 kam der Wendepunkt. Die Nordvietnamesen haben gewonnen, Saigon ist gefallen. Von da an wurde jedem der Kommunismus aufgezwungen, ob die das nun wollten oder nicht. Wird dem ein oder anderen zu Hause ja vielleicht bekannt vorkommen… Schon drei Jahre spaeter haben sich die Vietnamesen mit den Roten Khmer in Kambodscha angelegt und dort eine weitere Ladung Landminen verteilt. Um das rote Terrorregime zu stoppen, wurden viele Kambodschaner, vor allem Kinder, von den Vietnamesen gezwungen, mit den Minen Barrikaden um moeglichst viele Doerfer zu errichten, damit niemand mehr rein oder raus konnte. Das war der Plan. Man fragt sich, ob die hier eigentlich alle bekloppt sind. Die indochinesische Kriegsgeschichte ist furchtbar deprimierend und macht mir seit Wochen besonders deutlich, dass die wirklichen Leidtragenden eines solchen Krieges immer die Zivilisten sind.



Am Montag wollten wir unsere Reise in die Vergangenheit dann fortsetzen und sind deshalb zusammen mit Anja und Ulli zu den Cu Chi Tunneln eine Stunde noerdlich von Saigon gefahren. Das ueber 420 Quadratkilometer (!!) grosse Tunnelsystem wurde von den Viet Cong genutzt, um gezielt Angriffe gegen Suedvietnamesen und Amerikaner zu starten und sich dann fix zu verstecken. Die Region wird als das “meist bombardierte, beschossene, begaste, entwaldete und verwuestete Gebiet der Kriegsgeschichte” bezeichnet, offenbarte sich uns aber in erster Linie als touristische Massenabfertigung, wie sie im Buche steht. Schon als wir uns einen kreisrunden Aufkleber mit einem dicken L aufs T-Shirt kleben mussten, ahnte ich nichts Gutes. Unsere Reisegruppe war dann allerdings so gross, dass ich meistens gar nicht sehen konnte, wie die winzigen Eingaenge zu den Tunneln, die Fallen und die montroesen Waffen demonstriert wurden.

 
 Sam und Ulli haben sich dann in die kniehohen Tunnel gewagt, Anja wollte eigentlich auch noch, aber da kamen schon die vielen V’s und M’s hinter uns und wir mussten ganz schnell weiter. Dann gab’s noch fix nen Tee und schon sassen wir wieder im Bus zurueck nach Saigon.
 Dort haben wir nachmittags, immer noch ein bisschen frustriert wegen dieser Zeit- und Geldverschwendung, den Zoo angesteuert. Der stellte sich als ganz in Ordnung heraus, unser Highlight des Tages war jedoch ein rostiges, manuell betriebenes Rummelkarussel, das Sam und ich unbedingt testen mussten.
Abends waren wir noch Essen, sind an der ein oder anderen Strassenecke auf ein Bierchen haengen geblieben und haben uns schliesslich von den Maedels verabschiedet, die jetzt in die entgegengesetzte Richtung durch Vietnam reisen.
Fuer uns hingegen hatte es sich schon fast erledigt, noch zwei Tage bis zum Abflug nach Thailand. Eigentlich wollten wir uns in einem Wasserpark schon mal ein bisschen auf Koh Samui einstimmen. Da es dort von kleinen (auffallend vielen dicken) Kindern nur so gewimmelt hat, waren wir innerhalb von sieben Minuten wieder am Ausgang.
Wir haben sogar unser Eintrittsgeld wieder gekriegt, was uns echt ueberrascht hat. Damit sind wir dann in den benachbarten Erlebnispark gestiefelt, um dort zumindest Wildwasserbahn zu fahren. Weil wir auf dem Hinweg fast fuenf Euro fuer das Taxi bezahlt haben, haben wird auf dem Rueckweg den Linienbus genommen. Fuer elf Cent, kleiner Schreckensmoment inklusive (man beachte den Spiegel). 
 
Die restliche Zeit haben wir genutzt, um ein paar letzte Weihnachtsbesorgungen zu machen, Buecher zu tauschen, Kalkulationen aufzustellen und, am allerwichtigsten, Weiterreiseplaene zu schmieden.

Nach den thailaendischen Inseln und knapp zwei Wochen in Malaysia, ziehen wir am 20. Januar nach Sumatra, fliegen ein paar Tage spaeter nach Java, um da einen Vulkan zu besteigen und dann geht’s endlich nach Bali, fuer ganze drei Wochen! Von da aus fliegen wir nach Singapur, und am 22. Februar geht der Flieger nach Neuseeland. Ich bin so aufgeregt!



Jetzt konzentrieren wir uns aber erstmal auf die Inseln. Morgen frueh fliegen wir nach Bangkok, von da aus weiter nach Surat Thani und dann hoffen wir auf eine Faehre und wenig Seegang, sodass wir es noch vor Mitternacht nach Koh Samui schaffen. Und dann heisst es Fuesse hoch und Ausspannen! Nach Weihnachten siedeln wir um nach Ko Pha Ngan, wo wir auch Silvester feiern werden. Unterkunft ist gebucht, an einem entlegenen Strand ganz im Norden der Insel, den man nur per Boot erreicht… Dafuer nehmen wir zu Silvester die groesste Vollmondparty des Jahres mit und feiern zusammen mit 35.000 Verrueckten ins neue Jahr. Na ich bin gespannt.



So. Das war’s jetzt also aus Vietnam und damit auch endgueltig aus Indochina. Die erste Reiseetappe liegt komplett hinter uns; naechste Woche sind wir schon vier Monate unterwegs…

Ihr Lieben, ich hoffe ihr kriegt auf den letzten Druecker noch alle Geschenke zusammen und seid noch nicht zu gestresst. Ich melde mich spaetestens am Sonntag nochmal mit einem kleinen Update. Bis dahin – lasst es euch gut gehen und habt wunderbare Weihnachten!



Diesen Blog wollte ich eigentlich gestern schon hochladen, allerdings wollte das Internet nicht so wie ich… Mittlerweile sind wir nach sechs Stunden in zwei Flugzeugen, zwei Stunden im Bus, zwei Stunden auf einer Faehre und nochmal einer Stunde im Bus endlich in unserem Hotel auf Koh Samui gelandet, wo wir jetzt also unser Weihnachtslager aufschlagen werden. Das, was ich ueber Humor und Sonnenschein gesagt hab, koennt ihr streichen – es regnet! Sonst kann ich leider noch nichts berichten, es war schon duster, als wir angelegt haben. Der erste Eindruck war aber ein guter. Seid lieb umarmt!