So. Weihnachten waere also geschafft.
Vorgestellt hatten wir uns einen traumhaften Strand, ne Flasche Bacardi im Arm und ganz viel Sonnenschein. Bekommen haben wir einen Sturm, der den ganzen Strand verschluckt hat und Regenwolken in Dauerschleife. Vom paradiesischen Koh Samui und den spektakulaeren Schnorchel- und Tauchspots war weit und breit nichts zu sehen. Umgeben von Touristen (entweder Familien mit Kindern oder alte Geilpansen auf der Suche nach russischen GoGo-Taenzerinnen oder kleinen Thai-Maedchen) haben wir versucht, das Beste rauszuholen. Wir sind kreuz und quer durch die Stadt spaziert (allein der Weg von unserem Hotel ins Stadtzentrum ist zweieinhalb Kilometer lang), haben aber nichts anderes gesehen als Restaurants, Bars, Spas, Hotels und Klamottenlaeden.
Wir wollten am Strand entlang schlendern, aber der sah so aus:
Und eigentlich wollten wir dem ganzen Trubel entfliehen und mehr von der Insel sehen, aber wetterbedingt konnten wir kein Motorrad ausleihen. Also mussten wir bleiben, wo wir waren. Gefangen in der ueberteuerten Touri-Hoelle. Und so haben wir die meiste Zeit in Restaurants am Meer verbracht, Cocktails geschluerft, die hohen Wellen beobachtet, Karten gespielt, gelesen oder das Personal bei den Vorbereitungen fuer die Weihnachts-Dinner beobachtet.
Am ersten Weihnachtstag waren wir sogar Minigolf spielen um die Zeit rumzukriegen. Sam hat gewonnen, musste aber hin und wieder mit einer aufdringlichen Miezekatze um den Ball kaempfen.
Das war das Highlight des Tages.
Abends, nachdem wir dann mit saemtlichen Familienmitgliedern geskypt hatten, haben wir auch eine kleine Bescherung gemacht. So richtig mit Weihnachtsliedern und allem drum und dran. Danach haben wir uns aufgebretzelt und uns ins Nachtleben gestuerzt. Haengengeblieben sind wir dann in einer kleinen Bar mit Live-Band. Komischerweise werden die Erinnerungen proportional zur voranschreitenden Uhrzeit immer blasser... Ich weiss aber noch, dass irgendwann der Rum alle war, dass bei ‘Hotel California’ alle schief mitgesungen haben und dass wir irgendwann tanzend auf der Buehne gelandet sind.
Da ich ja immer bleiben muss, bis auch wirklich Schluss ist, wurden wir zusammen mit ein paar anderen Schnappsnasen gegen zwei sanft vor die Tuer geschoben. Das war ein klasse Abend, auch wenn es uns am Montag erwartungsgemaess nicht besonders gut ging. Also haben wir es uns auf ausrangierten Hotel-Liegen ganz nah am stuermischen Meer gemuetlich gemacht. Ich hab mir fest vorgenommen, mich weder von Wind noch von Regen vertreiben zu lassen, musste nach zwei Stunden aber aufgeben, weil sowohl mein Buch als auch die drei um mich drumrum gewickelten Handtuecher voellig durchnaesst waren. Also haben wir uns den Rest des Tages bei Filmen, viel Schokolade und Eistee ganz in Ruhe auskuriert.
Als dann heute frueh Sonnenstrahlen durch unsere Vorhaenge fielen, dacht ich erst, ich traeume noch… Aber nein, da war tataechlich ein Stueck blauer Himmel! Ratzifatzi hab ich Sam ausm Bett gescheucht, dann haben wir in Windeseile gefruehstueckt und um neun sassen wir schon auf einem Roller, um die laengst ueberfaellige Erkundungstour zu starten. Zuerst waren wir bei den beruehmten Felsen, die aussehen wie Schnipi und Mupfel. Der Legende nach war das ein altes Paerchen, das in dieser Bucht gestorben ist. Freundlicherweise haben sie als Erinnerung ihre Geschlechtsteile hinterlassen.
Ein bisschen verwirrt sind wir weiter gebrettert und haben in einem Tempel am Strassenrand dann einen ganz besonderen Moench getroffen. Einer, der 1973 gestorben ist und seitdem mumifiziert in einem Glaskasten sitzt. Diese Thailaender sind schon ein komisches Voelkchen…
Weiter ging’s Richung Inselinneres. Als wir mit dem Roller nicht mehr weiterkamen, sind wir zu Fuss ueber Stock und Stein, bis wir schliesslich einen Wasserfall erreicht haben. Der war klasse, wurde aber leider auch von diversen Jeep-Safaris und Elefanten-Trekkings direkt angesteuert, sodass um uns drumrum immer mindestens zwanzig andere Leute waren. Die waren alle ganz nett und so, aber ich wollte eigentlich mal ueberhaupt keinen sehen.
Als wir dann die Westkueste erreicht hatten, waren wir ein bisschen sprachlos. Waehrend sich bei uns auf der Ostseite die Wellen in zwei bis drei Metern Hoehe fast ueberschlagen, war das Meer dort wie ein Teich. Keinen Mucks hat’s von sich gegeben. Na das haetten wir mal eher wissen sollen! Da sich dann bedrohlich graue Wolken naeherten, haben wir beschlossen, langsam den Rueckweg anzutreten. Dabei haben wir einen kleinen Umweg gewaehlt, um auch die Nordkurve der Insel mit ihren schoenen Straenden und dem Big Buddha (heisst wirklich so) noch mitzunehmen.
Wir sind so froh, dass wir heute nochmal Glueck mit dem Wetter hatten, und wir haben es tatsaechlich geschafft, alle Sehenswuerdigkeiten der Insel abzuklappern. Liegt ja alles nicht weit auseinander. Allerdings fragen wir uns jetzt, wie man hier zwei ganze Wochen rumkriegen kann. Fuenf Tage haben uns mehr als gereicht, und so packen wir jetzt froehlich unsere Sachen, um morgen frueh unser naechstes Ziel anzusteuern: Koh Pha-Ngan. Mit der Faehre sind’s wohl nur 45 Minuten, und dann schlagen wir uns durch zum Bottle Beach. Ich freu mich so! Keine Bars, keine Musik, keine Roller, keine Armbandverkaeufer. Und das eine ganze Woche lang! Wenn das Wetter allerdings so stuermisch ist wie hier, dann koennte es passieren, dass wir da festsitzen. Unseren Einsiedler-Strand kann man naemlich nur per Longtail-Boot erreichen. Vorsichtshalber werden wir uns morgen also noch schnell zwei Raketen kaufen – fuer den Fall, dass wir nicht zu unserer Silvestersause koennen.
Na dann, ihr Lieben. Ich hoffe, ihr habt Weihnachten gut ueberstanden und wuensche euch jetzt ein paar schoene letzte Tage in diesem Jahr und einen guten Start ins Naechste! Feiert schoen, lasst es knallen und fuehlt euch gedrueckt!
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