Freitag, 30. September 2011

einen schönen guten abend aus bangkok, verehrte damen und herren.

es geht uns endlich wieder besser! gestern früh haben wir beschlossen, uns doch mal durchchecken zu lassen. allerdings hat schon eine kurze recherche ergeben, dass man lieber nicht zu den kleinen privatpraxen, sondern lieber in empfohlene krankenhäuser gehen sollte. na gut, also mit dem tuk tuk ab ins krankenhaus – das modernste und sauberste krankenhaus, das ich jemals gesehen habe, echt jetzt. als wir da also beide staunend durch die riesige eingangstür flannieren, kommt der empfangschef schon ganz aufgeregt auf uns zustratzt. was auch immer ihn dazu veranlasst hat – er nahm wohl an, wir würden jeden moment tot umfallen. auch nachdem wir ihm erklärt haben, das wir eigentlich nur ein paar magenprobleme haben, ließ er sich nicht beruhigen und rief verstärkung. ich musst ja schon lachen, weil der ganze zirkus ein bisschen übertrieben war. und dann kamen die doch tatsächlich mit nem rollstuhl um die ecke, haben sich den sam geschnappt und ihn ohne jegliche vorwanung da rein geschuppst. der hat noch versucht sich mit händen und füßen zu wehren, aber die männlichen krankenschwestern ließen sich davon nicht beeindruckent. der anblick davon, wie sam völlig perplex durch diese riesige empfangshalle geschoben wurde, war mit abstand das lustigste, was ich jemals gesehen habe. selbst jetzt muss ich noch tränen lachen, wenn ich nur dran denke.
zwei stunden später dann die diagnose: parasiten im magen. klasse. also gab's ne schicke papptüte voller tabletten und schon durften wir wieder abtreten. diesmal zu fuß.
den nachmittag haben wir damit verbracht uns zu verlaufen. es kann hier erstaunlicherweise auch wirklich niemand englisch, sodass man sich nur mit händen und füßen verständigen kann. leider findet die hand-und-fuß-kommunikation bei fragen nach dem weg zurück ins hotel ihre grenzen. die verstehen hier nicht mal englische straßennahmen und können auch die stadtpläne nicht lesen. irgendwie haben wir's dann aber doch geschafft, zumindest zurück zum fluss zu finden, von wo aus wir mit ner kleinen fähre noch ein bisschen richtig süden geschippert sind. dummerweise haben sie uns dann ohne ein wort mitten in chinatown abgesetzt. das kam dann doch etwas überraschend. laut, bunt, dreckig und überall menschen- und automassen so weit man blicken konnte. heiliger bimbam, bloß weg hier! in windeseile sind wir ins nächste taxi gestürzt und konnten auch erst wieder richtig atmen, als wir aus dem viertel wieder raus waren. zu fuß ging's dann weiter auf erkundungstour, bis wir plötzlich inmitten eines riesigen blumenmarktes standen. einen kilometer lang nichts als blumen und obst! bangkok steckt offensichtlich voller überraschungen... am abend haben wir uns ganz vorsichtig schon mal an thailändisches essen gewagt, in nem tollen restaurant direkt am fluss, wo wir dann gewitterbedingt auch noch einige stunden tee trinkend und karten spielend verbracht haben.

unser hotel auch mal von außen
leider das einzige bild vom krankenhaus
souvenirs
chinatown


heute früh sind wir nach dem frühstück zur khao san geschlendert, um ne kleine shoppingtour zu starten. es gibt wirklich alles da und das handeln scheint ganz gut zu klappen, auch wenn wir noch keinen schimmer haben, ab wann wir es mit fairen preisen zu tun haben. wir freuen uns trotzdem über nen rucksack voller neuer klamotten und überlegen schon, wann wir die nächsten pakete mit aussortiertem zeug nach hause schicken... nach dem mittag haben wir uns auf den weg zur vietnamesischen botschaft gemacht, um endlich unser visum zu beantragen. zuerst ging es mit dem boot ne halbe stunde flussabwärts (in diesen fluss wird übrigens das abwasser geleitet – über erfrischende wasserspritzer von links und rechts freut sich hier also keiner so richtig)...

shopping!!
dann sind wir umgestiegen in den ersten sky train unseres lebens. fetzt. nochmal umsteigen in die zweite linie, klappt alles wunderbar. der himmelszug sieht eigentlich genauso aus wie ne berliner u-bahn, fährt aber eben äußerst überirdisch durch bangkoks moderne viertel.

ich hab grad die gelbe linie übertreten...
skytrain von innen
umsteigen
skytrainstrecke
zwanzig minuten später waren wir am ziel, hatten aber sieben verschiedene ausgänge aus der station zur auswahl. wir haben uns für tor 3 entschieden und standen auf einmal in nem silberfunkelnden fahrstuhl. das kam uns ja schon ein bisschen komisch vor. als die tür im erdgeschoss wieder aufging, befanden wir uns inmitten einer riesigen lobby, die komplett in weiß gehüllt und voller wichtiger menschen mit walkie talkies war. vier meter neben uns hat ein orchester gespielt, während auf der bühne ne flotte biene im minirock 'i will survive' geträllert hat. offensichtlich sind wir mitten in die generalprobe von irgendwas geplatzt. so richtig gestört hat das aber keinen, ganz im gegenteil, es hat uns überhaupt keiner beachtet. dabei müssen wir in unseren touri-outfits zwischen all den hackenschuhen und anzügen schon etwas aufgefallen sein.

naja, wir haben dann erstmal zugesehen, dass wir land gewinnen und die botschaft erreichen, bevor die ihre schotten dicht machen. eine stunde später und hundert (!) euro ärmer haben wir die botschaft wieder verlassen. wir haben uns für ein drei-monats-visum mit mehrmaliger einreise entschieden, weil wir sonst den exakten einreisetag hätten angeben müssen. und den wissen wir ja nunmal nicht.
natürlich konnten wir der versuchung nicht widerstehen, den gleichen weg hoch zum sky train zu nehmen, auf dem wir auch gekommen sind. also haben wir uns zurück in diesen supermodernen wolkenkratzer geschummelt, vorbei an der immer noch singenden tante zu den fahrstühlen. na und wo wir schon mal da waren, konnten wir uns ja auch mal ein paar etagen ansehen... was auch immer das für ein haus war, ein hotel war es nicht. büros vielleicht. wie selbstverständlich haben wir alle ganz freundlich gegrüßt, die uns über den weg gelaufen sind, immer gefasst auf den überfälligen anranzer und/oder rausschmiss. aber es hat wirklich keiner was gesagt. na jedenfalls haben wir im zehnten stock die dachterrasse gefunden... geilomat! es ging noch viel, viel höher aber für die anderen fahrstühle musste man sich mit seinem fingerdruck ausweisen. mist. spaß vorbei, zurück in den sky train, endstation national stadium. von da aus mit dem tuk tuk durch die rush hour zum hotel. und hier sitzen wir nun, erschöpft aber glücklich. wie jeden abend.


morgen düsen wir nochmal zum siam square, das herz vom modernen bangkok, wo am wochenende auch die fashion week für kinder startet. morgen abend wollen wir auf das zweithöchste gebäude in bangkok. und uns mal die ganzen vielen lichter anschauen. und für sonntag haben wir geplant, auf nem kleinen boot durch die schwimmenden märkte auf kleinen kanälen zu fahren...
unser hotel haben wir übrigens erstmal bis zum 10. oktober verlängert, und dann sehen wir weiter. so. und jetzt haben wir hunger! ich hoffe es geht euch allen gut und drück euch aus der großen stadt! bis ganz bald allemann, oder wie mein zukünftiger ehemann matthias schweighöfer sagen würde: tschüssikowski!


achso. eine sache noch. die übergabe der schuluniformen und schuhe an das waisenhaus in sri lanka hat am montag natürlich trotzdem stattgefunden. die kinder waren überglücklich und sahen wohl wunderschön aus in ihren neuen sachen. leider gibt es kein foto davon. nur diese hier:


mein herz blutet ein bisschen, weil ich mich weder von den mädchen verabschieden noch die ganze aktion bis zum schluss begleiten konnte. das ändert jedoch nichts an der tatsache, dass wir da was ganz tolles auf die beine gestellt haben. es waren auch noch 7.000 rupies übrig, ungefähr 45 euro, die ich der heimleiterin für den neuen cd-spieler gegeben habe, den sich die mäuschen noch gewünscht haben... also nochmal einen abschließenden und riesigen dank an alle, die gespendet haben!

Mittwoch, 28. September 2011

one night in bangkok

tag eins in der großen stadt ist schon vorbei. wir sind erschöpft und happy. bangkok ist einfach wunderbar!

aber von vorne... die flüge waren ok. gestern früh hatten wir zwar ganz schön mit fieber zu kämpfen, aber das ließ glücklicherweise nach, als wir im flieger saßen. und das erste flugzeug war so leer, dass jeder ne ganze sitzbank für sich hatte. also sind wir kurz nach dem start eingeschlafen und auch erst vier stunden später, kurz vor der landung, wieder aufgewacht.

wir morgens um 4 aufm flughafen
unsere handgeschriebenen boarding pässe
ein flugzeug nur für uns
und dann waren wir in kuala lumpur. ein bisschen durchgefroren zwar (die klimaanlage im flieger war wohl auf minus acht grad gestellt und decken waren leider gerade aus), aber happy, dass wir die hälfte schon rum hatten. wir mussten allerdings komplett raus aus dem flughafen, also gepäck und visum abholen, nur um dann auf der anderen seite wieder einzuchecken. keine ahnung warum. wenigstens konnten wir bei der gelegenheit unsere handtücher aus den rucksäcken fischen, um sie als decke im nächsten flieger zu benutzen.
nach vier stunden wartezeit ging's dann auch endlich weiter nach bangkok. diesmal war's zwar voller im flieger, aber dank unserer umfunktionierten handtücher auch um einiges wärmer. außerdem wurden wir mit nem tollen sonnenuntergang über den wolken entschädigt.


im landeanflug hatten wir ne tolle sicht auf bangkok und all seine lichter. sah ungefähr so aus, nur schöner:
anderthalb stunden nach der landung konnten wir dann auch endlich das flughafengebäude verlassen. wir hatten noch ein bisschen trubel mit unserem visum, haben letztendlich aber doch nen zettel mit stempel in den reisepass gedrückt gekriegt. der blödi von der passstelle musste den ausgerechnet auf mein sri lankanisches 3-monats-visum vom letzten jahr tackern. waren ja nur noch 18 andere seiten frei... wenn ich hier nen tacker finde, fummele ich das da wieder ab und pack's woanders hin. na jedenfalls war es auch gar nicht so einfach, auf diesem riesigen flughafen den ausgang zu finden... das hat schon auch noch ne weile gedauert.


im taxi ging's dann wie geplant vom flughafen ins hotel. mit großen augen haben wir an den fensterscheiben geklebt und alles ganz genau unter die lupe genommen. abgesehen davon, dass ich mich gefühlt hab, als würd ich schon wieder in nem kühlschrank sitzen, war alles total aufregend. auf den ersten blick sah bangkok aus wie cairo. nur moderner mit all den riesigen, in allen farben leuchtenden hochhäusern.
unser hotel fanden wir gleich klasse. es liegt in einer ruhigen seitenstraße, ist eigentlich voll die absteige, aber hat halt viel charme. wie wir gleich gestern abend noch herausgefunden haben, läuft man keine fünf minuten bis zur hauptstraße, auf der ab um zehn aber erstaunlich wenig los ist.
in ner kleinen bar an einem großem kreisverkehr haben wir noch schnell was gegessen und sind dann kurze zeit später auch halbtot ins bett gefallen.
unser neues heim:

heute früh war ausschlafen angesagt. wir haben uns vorgenommen, es hier ganz ruhig angehen zu lassen. ganz oben auf der liste steht, dass wir erstmal wieder richtig gesund werden. und selbst wenn wir es erst anfang nächster woche zu den botschaften schaffen... ist doch egal, wir haben ja keinen zeitdruck.

unser erstes ziel war dann die khao san road, zu der wir zu fuß etwa zehn minuten gelaufen sind. was für ein shopping-paradies! es hat total spaß gemacht, da rauf und runter zu schlendern. ich hab's mir viel lauter und viel hektischer vorgestellt, allerdings auch etwas billiger... die preise hier sind fast wie die europäischen. da müssen wir ganz schön aufpassen, weil die umrechnung von sri lanka noch in unseren köpfen festsitzt. aber nu ist der gegenwert zu nem euro nicht mehr 150, sondern 44. also denken wir zuerst immer 'coolio, voll billig, los pack ein!', und dann: 'ach nee, doch nich.'
natürlich haben wir trotzdem ein bisschen zugeschlagen...

 

danach sind wir runter zum fluss spaziert, weil wir eigentlich ne runde hin und her schippern wollten (boote gehören hier genau wie busse zum öffentlichen nahverkehr). ausgerechnet heute wurde allerdings für ne große schiffsparade geprobt, die im oktober mit dem könig stattfinden soll. also war der fluss gesperrt. war aber cool, da zuzugucken. sieht man ja auch nicht alle tage.


nachdem die etwa 40 boote außer sichtweite waren, sind wir ein paar kilometer am ufer entlang spaziert und haben unterwegs noch eine touristeninformation gefunden, in der wir uns mit massenhaft flyern und stadtplänen eingedeckt haben. diese haben wir beim sonnenuntergang in ner schieken bar am fluss genauestens inspiziert und nach hilfreich und überflüssig sortiert. 


fazit: es gibt unglaublich viel zu sehen. aber wir haben noch keinen genauen plan. vielleicht machen wir thementage, zum beispiel heute tempel, morgen museen, übermorgen schwimmende märkte. oder wir nehmen uns die einzelnen stadtviertel nacheinander vor. oder wir machen einfach immer das, worauf wir gerade lust haben. wissen wir noch nicht.
unser ziel für morgen ist es erstmal, alle öffentlichen nahverkehrsmittel zu testen. wir wollen mit dem boot in richtung süden, bis wir auf höhe eines bahnhofs sind. von da aus geht's mit der metro in richtung schicki-micki-viertel und dann mit nem skytrain weiter in richtung vietnamesische botschaft. auf dem rückweg bauen wir ein bisschen bus mit ein und dann auch nochmal ganz viel boot. ob wir diesen plan umsetzen, entscheiden wir morgen früh. mir geht's zwar schon wieder ganz gut, aber sam hat immer noch regelmäßig mit fieberschüben zu kämpfen. wenn das morgen nicht weg ist, gehen wir zum arzt.

zusammenfassend kann ich nach dem ersten tag in bangkok folgendes sagen:
wir lieben es hier. man merkt zwar, dass man in einer äußerst großen großstadt ist, fühlt sich aber weder eingeengt noch verloren. ich hatte viel mehr gewusel und hektik erwartet. die leute sind eher reserviert bis unfreundlich, was uns vielleicht aber auch nur so vorkommen mag, weil wir noch an das sri lankanische dauerlächeln gewöhnt sind. dafür ist es hier um einiges moderner. bangkok hat so viel mehr energie als beispielsweise colombo, die jugend ist total modebewusst und alle scheinen irgendwie freier von ihren traditionen. alle kulturen und generationen treffen hier zusammen, und alle leben sie selbstverständlich miteinander. junge frauen präsentieren trotz ihres glaubens stolz ihre knie und schultern in schicken minikleidern, während sie mit dem iphone am ohr die hauptstraße hoch stolzieren; in den nebengassen kochen muslimische frauen am offenen feuer das mittagessen für ihre fünf kinder; australische möchtegern-cowboys sitzen in der prallen sonne und kippen sich einen hinter; alte männer versuchen verzweifelt mit hilfe von kuhglocken auf sich und ihre lotterielose aufmerksam zu machen; backpacker steigen aus dem taxi, hieven sich ihre viel zu großen rucksäcke auf den buckel und bahnen sich ihren weg zur khao san...
am meisten gefällt mir dabei die anonymität, die dabei für uns rausspringt. keiner starrt oder tatscht uns an, weil wir weiß sind. es interressiert überhaupt keinen, dass es uns überhaupt gibt. das find ich klasse. wir gehen völlig unter in der masse und können ganz entspannt einfach nur beobachten.