'emotionally worn out' = emotional ausgelaugt, so hat sam mich heut genannt. recht hat er. das war vielleicht ein tag...
nachdem wir gestern nen tollen sonnenuntergang am strand gesehen haben...
... sind mal wieder alle mit drei achte aufm kessel ins bett. außer ich, wohlgemerkt!
da ich aber trotzdem nich sonderlich viel geschlafen habe, war ich heut vormittag nicht unbedingt in der allerbesten laune. und dann hat's auch noch ewig gedauert, bis sich die sonne hat blicken lassen...
und dann ging's auch noch sam relativ schlecht heute, fieber und bauchschmerzen und das ganze programm, sodass ich brav krankenschwester gespielt hab den ganzen tag.
nach der mittagspause sollte ich dann ins waisenhaus fahren. ich war letztes jahr schon mal kurz da, um den film zu drehen, also hatte ich schon ne vage ahnung davon, was mich da erwartet.
ich sollte mit nem lehrer von uns da hin, bin allerdings von nem tuk tuk ausgegangen. falsch. kurz vor drei war er hier und drückte mir nen helm in die hand. hmmmm... kommentar von den mädels:
'halt dich gut fest!'.
'halt dich gut fest!'.
also ging's mit 70 km/h quer durch aluthgama. zum anfang wusste ich nicht, wo ich mich festhalten sollte, also hab ich ganz schüchtern meine hände um seinen umfangreichen bauch geschlungen. dann kam mir der gedanke, dass man das bei fremden sri lankanern vielleicht nicht unbedingt machen sollte. nachdem wir allerdings nur knapp ne kuh verfehlt haben, waren alle zweifel verflogen... nach endlosen 10 minuten, in denen ich etwa 6 mal ernsthaft darüber nachgedacht hab, einfach abzuspringen, waren wir dann endlich da.
bin dann ganz galant abgestiegen und hatte kaum meinen helm abgeschnallt, da war der lehrer auch schon wieder weg. gut. geh ich halt alleine. kurz nen kleinen berg hochgekrackselt und schwupps, hingen auch schon 14 kleine zuckersüße mädchen an sämtlichen gliedmaßen. schlagartig wurde mir klar, dass ich die nächsten zwei stunden weder mit englisch noch mit deutsch sehr weit kommen würde. also hab ich schnell auf singhala bis zehn gezählt und hatte dadurch sämtliche sympathien auf meiner seite. und dann ging's los. wir haben gespielt, gemalt, getobt, volleyball gespielt... der heimliche star des nachmittags war allerdings meine kamera. wow, das fanden die klasse. das ding ging dann immer mal auf reisen quer durch's waisenhaus, sodass es äußerst lustig war, die ganzen (347!!) fotos anzugucken...
kleiner auszug:
in diesem waisenhaus wohnen rund 25 mädchen im alter von 6 bis 17, die entweder keine eltern mehr haben oder als sozialwaisen gelten, weil ihre eltern im gefängnis sitzen oder einfach viel zu arm sind. die kleinen mäuschen gehen zur schule und haben rund um die uhr zwei frauen um sich, die sich um sie kümmern. das haus selbst ist ganz ok für die verhältnisse hier und mit allen nötigen sachen ausgestattet. und trotzdem... die kleinen püppchen haben kaputte und dreckige sachen an und wären vor freude fast umgekippt, weil ich ihnen stifte und seifenblasen mitgebracht hab. ich will gar nicht drüber nachdenken, was die in ihrem kurzen leben schon für leid erfahren haben.
nachdem meine und ihre aufregung verflogen war und sich alles ein bisschen beruhigt hatte, hab ich mit ein paar kleinen mädchen auf dem fußboden gespielt. da hatt ich auf einmal nen ganz schön dicken kloß im hals. ich war umgeben von so viel fröhlichkeit und aufgeschlossenheit und all den riesigen braunen kulleraugen. wir konnten überhaupt nicht miteinander reden, und trotzdem hat alles so gut geklappt. das hat mich ganz schön gerührt. und dann war da dieses eine mädchen...
das ist madeni, 7 jahre alt. ich kann's nicht beschreiben. aber ich glaub, sie ist das bezauberndste mädchen, das ich jemals gesehen habe.
sie war nicht so aufgekratzt wie die anderen, eher zurückhaltend und fast schon bedacht. ihre riesigen kulleraugen können strahlen und im nächsten moment unwahrscheinlich traurig sein. ich hab sie immer mal gesucht zwischendurch, und wenn ich sie gefunden habe, hat sie gelacht und irgendwann auch von ganz allein einfach meine hand gepackt. da hab ich meinen herzschlag bis in den kleinen zeh gespürt. ich möchte unbedingt viel mehr zeit mit diesem kleinem mädchen verbringen. mindestens einmal die woche fahr ich da jetzt zwar hin, am liebsten allerdings jeden tag. ich werd das morgen mal ansprechen, vielleicht kann ich sie ja sogar mal nen nachmittag mit an den strand oder in die stadt nehmen oder so. ich glaub ich hab mich total verliebt...
also liebe familie, das ist unser zuwachs. ihr wolltet ein enkelkind – jetzt kriegt ihr eins. schöner krieg ich's selbst nicht hin. aber ehrlich jetzt, wenn ihr vielleicht ein bisschen was spenden wollt... dann sagt mir bescheid. von 300 euro kann das komplette waisenhaus einen monat lang leben. vielleicht könnt ich euch vorstellen, wie viel da 10 euro wert sind...
allein die zwei stunden, die ich da verbracht hab, haben mich ganz schön aufgewühlt... man schämt sich fast für seine eigenen kleinen problemchen.
als dann das motorrad kam, um mich abzuholen, haben mir viele kleine hände über die große mauer hinweg hinterher gewunken. der verkehr auf der rückfahrt war mir dann egal, am liebsten hätt ich geweint wie ein kleines kind.
ach caro,
AntwortenLöschendas is wirklich so rührend! ich kann das so nachvollziehen! hatte ne ähnliche situation im rauhen haus, als uns kinder aus der zast besucht haben! da hatte ich nen dreijähriges mädchen auf dem schoß, die nicht von meiner seite wich, am liebsten hätte ich sie mitgenommen!!! ich finde bei sowas merkt man erst richtig, warum man auf der welt ist :)
echt krass, kann dich voll verstehen. Aber das Spenden... wohin, das es auch wirklich dort an dieser Stelle ankommt???
AntwortenLöschenFreut sich Mutti schon über ihr Enkelchen??? ;-)