Montag, 24. Oktober 2011

fast wie robinson (oder: vom paradies in die betonhölle)

am mittwoch morgen um sieben hat uns also ein schiffchen (gar nicht mal so unansehnlich – tatsächlich wurden unsere erwartungen ausnahmsweise mal übertroffen) zu einer insel namens kho rung gebracht. auf dieser insel, gute zwei stunden von jeder küste entfernt, wartete der 'paradise beach' auf uns. der name war programm. die bungalows waren total spartanisch, aber große klasse. das meer war türkisblau und sah am schönsten aus, wenn sich die sonnenstrahlen auf der oberfläche gebrochen haben. es waren kaum leute da, sodass wir unsere langersehnte ruhe endlich bekommen haben. schon nach ner halben stunde auf der insel war völlig klar, dass wir unmöglich schon nach zwei tagen wieder abreisen können. und so haben wir ohne umschweife entschieden, das ganze bis sonntag zu verlängern.
zu den tagen dort gibt es nicht viel zu erzählen. wir haben das unerwartet schöne wetter und das kristallklare wasser in vollen zügen genossen, sind ein bisschen durch die gegend geschnorchelt und haben vor allem viel gelesen. in sechs tagen hab ich drei bücher geschafft (für psycho-thriller-fans sehr zu empfehlen: joy fielding – schlaf nicht, wenn es dunkel wird. titel klingt zwar doof, aber es ist so so gut!). der grad unserer entspannung war zum schluss sogar so ausgeprägt, dass wir überall und zu jeder tageszeit problemlos eingeschlafen sind, wo auch immer es gemütlich war. es hätte noch wochen so weiter gehen können!
allerdings läuft unser visum für kambodscha nur noch zwei wochen, und es gibt ja noch so viel zu sehen! also haben wir gestern schweren herzens unseren bungalow verlassen, ne letzte kokusnuss am strand gestrunken und das boot in richtung festland bestiegen.

unsere inselwoche in bildern (nicht ordentlich sortiert, sorry):

unser empfangskommando
aufenthaltsraum und restaurant
restaurant von außen
ich mach sport.
sonnenaufgang vom balkon
balkon
rückfahrt

einziges manko an dieser ganzen geschichte waren die insekten. es gab riesengroße spinnen, die so weit springen konnten, dass man fast dachte, sie würden fliegen. selbstverständlich war ich der ohnmacht bei jeder begegnung äußerst nah. jedoch bin ich mir sehr sicher, dass ich in meinem ganzen leben noch nichts und niemanden so abgrundtief gehasst wie die kambodschanischen moskitos. und dabei hab ich noch nicht einem von ihnen von angesicht zu angesicht gegenüber gestanden. diese miesen kleinen arschkrampen wagen sich nämlich erst aus ihren verstecken, wenn die taschenlampen aus sind (strom gab's doch nicht), lachen sich dann ein weilchen gemeinschaftlich über unsere moskitosprays kaputt und greifen dann an. leider immer nur mich. während ich also nacht für nacht immer mehr zerstochen werde, wacht sam am nächsten morgen mit höchstens einem neuem ministich auf. ich hatte schon am dritten tag auf insel 27 stiche auf meinen beinen. das sah so aus (über den unvorteilhaften aufnahmewinkel dieser aufnahme bin ich mir durchaus bewusst):


trotz moskitonetz, raumspray, 50%igem deet und schlafsack ließen sich die viecher nicht abschütteln. mittlerweile seh ich also aus, als hätt ich die verdammten masern. dummerweise hab ich mich nicht besonders gut unter kontrolle, und spätestens nachts fang ich dann eh an zu kratzen. das führt dazu, dass sich über beinen, armen und schultern mittlerweile ein merkwürdiges narbengewebe gebildet hat. sam schimpft immer schon und blubbert was von selbstdisziplin. der hat ja auch leicht reden mit seinen vier mückenstichen.
jedenfalls sind wir froh, dass wir uns nach langen hin und her doch dazu entschieden haben, uns vorsorglich die malaria-tabletten einzuwerfen. die vertragen wir trotz der vorausgesagten nebenwirkungen tatsächlich auch ganz gut.

wie auch immer. heute früh ging es also mit dem bus in richtung phnom penh, hauptstadt von kambodscha. die fünfstündige fahrt war sehr entspannt, wir hatten so viel platz wie noch nie und von der karaoke-maschine über dem fahrersitz abgesehen, war es eigentlich auch schön ruhig.


in phnom penh angekommen, wurden wir dann mit schwung aus dem traumland zurück ins kambodschanische alltagsleben befördert. heiliger bimbam, so ne großstadt kann aber auch laut sein! während ich in gedanken also noch in meiner halbschattigen hängematte döse, fährt uns ein tuk-tuk durch einen mordsmäßigen verkehr, der sehr an bangkok erinnert, zu unserem hotel, das zum glück wieder in einer seitenstraße liegt. wir werden zusehen, dass wir alles nötige (visa für laos, ein paar einkäufe, fahrt zu den killing fields) innerhalb von zwei tagen erledigen, sodass wir hier am donnerstag, allerspätestens am freitag wieder nen kreis ziehen können!

erstes foto aus phnom penh. schön.

Dienstag, 18. Oktober 2011

halli hallo! bloß ganz fix, um euch auf den neuesten stand zu bringen:
die fahrt im nachtbus war schlicht und einfach grauenhaft. dieser ausdruck reicht gar nicht... zehn stunden lang waren wir in einem riesigen bus gefangen, der weder fenster hatte noch eine funktionierende toilette; und der schlafen unmöglich gemacht hat, zum einen wegen dem unbändigen lärm der wackelnden metallgestelle und zum anderen wegen dem geruckel und gehüpfe bei jedem schlagloch (und davon gibt’s ja hier einige), dass einem die kiefer und zähne aufeinander geschlagen sind.
völlig lediert sind wir gestern morgen kurz nach sonnenaufgang in sihanoukville angekommen. glücklicherweise ging es von da an steil bergauf. fix die straße hoch und runter, ein paar zimmer angesehen und preise verglichen – und schwupps, haben wir uns schon nen schicken bungalow in strandnähe für sieben dollar pro nacht gekrallt. eigentlich wollten wir sofort frühstücken und dann zum strand gehen, aber die müdigkeit siegte letztlich doch. nachdem wir ein paar stunden schlaf nachgeholt hatten, waren wir fit für nen richtig tollen strandtag. mit allem was dazu gehört, vor allem ganz viel sonnenschein. hach, das war schön! generell kann man's hier gut aushalten... es ist halt auch noch keine hauptsaison, sodass der strand tagsüber und die restaurants und bars abends nicht sonderlich überlaufen sind. trotzdem schallt einem aus jedem shop und jeder bar auf der strandpromenade eine andere laute musik entgegen. da wir uns aber, vor allem nach dem verhassten nachtbus, nach sehr viel ruhe sehnen, haben wir uns was ausgedacht: morgen früh um sieben fährt uns ein boot auf eine abgelegene insel. dort stehen insgesamt nur 20 bungalows, das heißt es werden keinesfalls mehr als 40 leute da rumturnen. außerdem gibt es nur ein restaurant, nur eine bar (und die ist auch noch ein ganzes stückchen weit weg) und strom nur von 18 bis 23 uhr. das heißt für uns: absolute stille. alles, was wir hören werden, ist das rauschen der wellen, während wir in hängematten dösen oder lesen oder einfach nur vor uns hinträumen. falls wir lust auf aktivität haben, können wir schnorcheln oder erkundungstouren durch den dschungel in der mitte der insel unternehmen. kein internet, kein handy, keine strandverkäufer, die einem armbänder andrehen wollen oder auch mal recht unvermittelt darauf hinweisen, das man sich die knie nicht ordentlich rasiert hat. das wird ein spaß! freitag oder samstag sind wir wieder da, je nachdem, wie sich das wetter hält und wie es uns dort gefällt. bis ganz bald, habt ne tolle woche und fühlt euch gedrückt!

ort des schreckens
unser bungalow
strandpromenade abends
kleiner freund
so sah es heute zwischendurch mal aus

Sonntag, 16. Oktober 2011

aw kuhn

während ich das hier schreibe, sitze ich leicht verkatert auf der terasse unseres gästehauses. es ist 12:30 uhr, wir haben gerade gefrühstückt und werden uns wohl oder übel auch bald daran machen müssen, unsere sachen zusammen zu suchen. heute abend um 19 uhr sammelt uns ein nachtbus ein, der uns auf einer 12-stündigen fahrt in den süden kambodschas bringen wird.

wir lieben es hier von tag zu tag mehr... ich habe mich nicht getäuscht – wir hatten eine fantastische woche! die meiste zeit haben wir in angkor thom verbracht. in dieser alten stadt, 862 vom könig errichtet, lebten über eine million menschen, als london gerade mal 50.000 einwohner hatte. die tempelanlage ist riesengroß und erstaunlich gut erhalten, sodass wir viel entdecken konnten. wie sich herausstellen sollte, haben wir bezüglich der reihenfolge auch alles richtig gemacht: am ersten tag (mittwoch) waren wir schon morgens halb fünf vor ort, um den sonnenaufgang zu sehen und weitere sieben stunden über und durch die tempel zu krackseln. es war der einzige regenfreie morgen in dieser woche.

sonnenaufgang-fanblock

am freitag haben wir abgelegenere tempel erforscht und auf dem rückweg am landminenmuseum halt gemacht.
kurzer exkurs in die geschichte: es ist keine 50 jahre her, dass in kambodscha eine revolution unter pol pot und seinen roten khmer stattfand, die das ziel einer bauernherrschaft hatte. zu diesem zweck wurden vermeintlich intellektuelle systematisch ausgerottet. brille tragen hat schon gereicht. innerhalb von dreieinhalb jahren wurde ein viertel der gesamten bevölkerung ermordert. dann haben sich die vietnamesen eingemischt und vorerst geholfen, die lage zu entschärfen. allerdings kamen die dann auf die idee, landminen um dörfer und städte zu verbuddeln. so als schutzmaßnahme. schon ein paar jahre später ist ihnen aufgegangen, dass das eigentlich gar nicht so clever war, denn es starben ja unentwegt menschen deswegen. also mussten die kindersoldaten, die für die minen verantwortlich waren, alle wieder ausbuddeln. allerdings gab es natürlich keine karte davon, wo man die minen vergraben hatte... dann kam der vietnamkrieg. ein haupttransportweg, auf dem waffen von nord- nach südvietnam geschafft werden konnten, verlief durch kambodscha. also haben sich die amerikaner überlegt, wie besonders schlau es wäre, diesen transportweg durch die flächendeckende bebombung kambodschas mit landminen zu zerstören. diese mission hieß 'minenteppich'. zwischen 1995 und 2008 hat man über drei millionen minen gefunden und entschärft. wenn man heute also brav auf den straßen bleibt, kann nichts passieren. allerdings können nicht alle einwohner auf befestigten straßen bleiben, da sie meist auf feldern wohnen und eine farm zu bewirtschaften haben. noch immer geht etwa alle zwei stunden eine mine hoch. noch immer sterben etwa 300 menschen im jahr an den folgen einer explosion. landminen sind jedoch nicht gebaut, um zu töten. sie sollen verletzen. aus diesem grund ist kambodscha das land mit den meisten amputationen.
in dem landminenmuseum werden die minen ausgestellt, die von einem mann namens aki ra entschärft worden sind. er kennt sich damit so gut aus, weil er als etwa zehnjähriger gezwungen wurde, sie zu legen. wie alt dieser mann heute ist, weiß er selber nicht; seine eltern wurden früh von den roten khmer ermordet. aki ra wurde vom nachrichtensender cnn zu den top 10 helden 2010 erklärt. wer mehr über sein leben wissen möchte, kriegt beispielweise hier einen guten überblick: http://www.fluter.de/de/eliten/aktuell/5130/


es blieben noch anderthalb tage in den tempeln rund um angkor wat. der mit abstand coolste davon war der sogenannte dschungel-tempel. für den fall, dass die bilder dem ein oder anderen bekannt vorkommen: tomb raider wurde hier gedreht. selbstverständlich musste ich mich selbst auch kurz mal wie lara croft fühlen...

und da das beste zum schluss kommt, haben wir uns gestern endlich die hauptattraktion vorgenommen. angkor wat, das größte religiöse monument der welt. leider hat es etwas mehr geregnet als erwartet, sodass unsere ponchos alles geben mussten und schließlich wegen überstrapazierung ihren dienst quittiert haben.


und noch ein paar impressionen von uns in den tempeln...


was macht man nicht alles für ein gutes foto


die abende haben wir immer im stadtzentrum verbracht. es gibt hier die pub street, ähnlich wie die khao san in bangkok, nur weniger laut und grell und vollgestopft. hier waren wir immer essen und haben dann so lustige sachen gemacht wie fisch-fuß-massagen oder kneipentouren. 



am besten gefallen hat es uns in einer bar mit dem originellen namen 'angkor what?'. es kam uns ein bisschen spanisch vor, dass an unserem ersten abend da schon um halb zehn alle auf den tischen getanzt haben. relativ schnell haben wir aber herausgefunden warum. ein eimer voll bacardi und cola kostet 6 us-dollar. das sind etwa 4,80 euro. und obendrauf gibt's pro bestelltem eimer auch noch ein t-shirt, auf dem treffenderweise steht: 'promoting irresponsible drinking since 1998'. alles klar!

na jedenfalls sind wir in genau dieser bar gestern abend versackt. und es war so lustig! ich hatte dann die glorreiche idee, zu fuß zurück zum gästehaus zu laufen, anstatt ein langweiliges tuk-tuk zu nehmen. sam fand das eine ausgezeichnete idee. dass es den ganzen tag in strömen geregnet hatte und die flut aus diesem grund eventuell ein bisschen höher sein könnte, ist uns nicht mal in den sinn gekommen. daraus gelernt habe ich folgendes: wenn eine partynacht eimerweise barcardi beinhaltet, sollte man unbedingt eine knappe stunde lang knietief im wasser bergauf gegen die strömung laufen. bis man nämlich zu hause ist, ist man wieder nüchtern.


pub street gestern abend
heimweg

so. und jetzt sitze ich hier...

... und schreibe immer noch. es ist 14 uhr. gott bin ich langsam heute. eigentlich hatte ich eine liste gemacht, mit allerlei wissenswertem über kambodscha. ich werde diese jetzt auf die allerwichtigsten sachen beschränken:
- es sprechen alle sehr gut englisch, sodass wir uns endlich mal mit den einheimischen unterhalten können
- es herrscht rechtsverkehr
- es gibt hier zwei währungen: us-dollar und kambodschanische riel. wir fragen uns ein bisschen, wie die ihre wirtschaft dauerhaft stabilisieren wollen, wenn sie die ganze zeit mit zwei verschiedenen währungen rumhantieren.
- das durchschnittsalter beträgt 22. das liegt zum einen an der geschichte des landes und daran, dass eine familie etwa acht bis elf kinder hat, und zum anderen an der fehlenden altervorsorge. ähnlich wie in sri lanka nehmen sich die alten menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, das leben. 
- 50 prozent der ehen werden immer noch arrangiert
- es gibt keine schulpflicht. und schule ist teuer. deswegen helfen die kinder oft lieber auf der farm der eltern oder gehen betteln.
- aw kuhn heißt danke. und das sagt und hört man hier auch den ganzen tag lang. ich habe noch nie ein so freundliches und aufgeschlossenes völkchen kennengelernt wie die kambodschaner. diese bemerkenswert junge nation versprüht ein ganz eigenes lebensgefühl, dass sich nur schwer beschreiben lässt. im gegensatz zum veralternden europa scheinen sich hier die wenigen alten den vielen jungen anzupassen. alle witzeln, stellen sich mit ihren gehstöcken gegenseitig beine oder singen laut zu justin bieber. ich glaube nicht, dass diese fröhlichkeit immer mit glück gleichzusetzen ist, aber man macht hier wohl immer das beste aus allem. gib ihnen die schlimmste flut seit 15 jahren und sie machen arschbombem von den brücken der stadt.

ich bin so gespannt auf den rest von kambodscha und freue mich riesig, endlich wieder meer zu sehen! für die nächste woche, die wir an verschiedenen orten der südküste verbringen, haben wir nur einen plan: ausspannen und füße hoch. buch in die rechte, cocktail in die linke hand. kein sightseeing, kein kilometerlanges wandern. wenn sich dann auch die sonne ab und an mal sehen lässt, bin ich sehr zufrieden!