Ich bin total verknallt in Bali! Alles ist genau so, wie ich’s mir vorgestellt hab, oder sogar noch besser. Diese klitzekleine Insel ist allem Anschein nach sowohl Zusammenfassung als auch Superlative von allem, was wir in Asien bis jetzt gesehen haben. Die Architektur der Tempel und die Landschaft sind der Kracher, die Menschen sind unglaublich freundlich (zumindest die, die nicht in der Tourismusbranche arbeiten) und die Kultur ist so faszinierend, vor allem die Religion, dass ich am liebsten den ganzen Tag mit den Einheimischen erzaehlen und mir ihre Geschichten anhoeren wuerde. Der Hinduismus, der hier praktiziert wird, ist zweifellos was ganz Besonderes. Schon allein, wenn man sich ueberlegt, dass in Indonesien ja eigentlich der Islam so sehr verbreitet ist wie sonst nirgends auf der Welt. Aber hier auf Bali sind 95 Prozent der Bevoelkerung Hindus, und in manchen Orten glaubt man fast, ihre Goetter und Geister selbst sehen zu koennen.
Wir haben gerade grosses Glueck (wurde ja auch mal wieder Zeit), denn kurz nach unserer Ankunft hat das 10-taegige Galungan-Kuningan-Festival angefangen, das nur alle 210 Tage stattfindet. In diesem Zusammenhang haben wir innerhalb kuerzester Zeit eine ganze Menge ueber die balinesische Kultur erfahren. Ich weiss jetzt, wie der Hinduismus funktioniert und finde ihn wunderbar. Manchmal wuensche ich mir, ich koennte auch an unsichtbare Brueder glauben, die immer auf mich aufpassen, oder an Karma und Wiedergeburt. Wahrscheinlich wuerde man in vielen Dingen um Einiges bedachter handeln… Am beeidruckensten finde ich aber, dass es hier noch richtigen Familienzusammenhalt gibt; allemann wohnen sie zusammen, zwar in eigenen Haeusern, aber auf einem gemeinschaftlichen Grundstueck. Alle Geschwister und ihre Eltern, Onkel, Tante, Omma, die Cousine dritten Grades… Sie allen bilden einen Clan, und jeder Clan hat sogar einen eigenen Tempel. Ausreissen kann man nur, wenn man weiblich ist und heiratet. Allerdings wird man dann ohne Umwege direkt Mitglied im Ehemann-Clan. Mag fuer uns ungewoehnlich sein, sorgt hier aber fuer Stabilitaet und Selbstbewusstsein. Jeder weiss, wo er hingehoert, und die Familie steht immer an allererster Stelle. Was ich ausserdem gelernt hab und total witzig finde, ist, dass es hier nur ganze vier Vornamen gibt: Erster, Zweiter, Dritter und Vierter. Echt jetzt! Und im Falle eines fuenften Kindes wird einfach wieder von vorne angefangen.
Zum Glueck koennen die Balineser meistens ganz gut englisch sprechen und reden auch unheimlich gerne, sodass ich sie am laufenden Band ueber alles moegliche ausquetschen kann.
Die ersten Tage auf Bali haben wir im Norden verbracht, am Strand von Lovina. Dort leben die einzigen wilden Delfine in Indonesien, und selbstverstaendlich wollten wir die auch aufspueren. Also sind wir ganz frueh morgens mit einer kleinen Nussschale drei Kilometer raus aufs Meer geschippert, wo wir dann allerdings nicht alleine waren. Es tummelten sich dort schon etwa 40 Motorboote, die meisten davon voll besetzt mit kleinen Chinesen. Und jedes Mal, wenn ein Delfin testweise nur kurz mal seine Flosse an die Oerflaeche gehalten hat, haben die ihre Motoren angeschmissen und sind im Affenzahn auf die zu gebrettert. Es war furchtbar. Wir haben zwar kurz ein paar Delfine gesehen, konnten das aber ueberhaupt nicht geniessen. Das war vielleicht das schlechte Gewissen, weil wir auch dort draussen waren. Spaeter haben uns andere Reisende erzaehlt, dass die Delfine allesamt von Narben uebersaeht sind, die ihnen die Motorboote verpasst haben.
Noch am gleichen Tag sind wir zu einer Insel im Nationalpark gefahren, vor der wir prima schnorcheln konnten. Sowas hab ich noch nie gesehen! Direkt vor der Insel lagen in ein bis zwei Metern Tiefe die farbenfrohsten Korallenriffs, die man sich vorstellen kann, und dazwischen sind Fische in allen Farben und Formen froehlich hin und her geduest. Nur ein paar Meter weiter ist dann das Meer abgefallen, wir schwammen quasi direkt ueberm Abgrund. Das war mir ein bisschen gruselig, und ich hab auch nur mal ganz kurz ueber den Abhang geschielt. Wir hatten Glueck und waren mit ein paar Tauchern da. Die sind ab und an mal zu uns hoch geschwommen und haben dabei ganz leicht die Anemonen bewegt – und jedes Mal kam da ein kleiner empoerter Nemo rausgeschossen! Leider haben wir keine Unterwasserkamera, aber zum Glueck gibts ja Google. Und so sah es tatsaechlich aus:
Wenn wir nicht gerade die Unterwasserwelten erkundet haben oder im Ort umher geschlunzt sind, haben wir stundenlang im hoteleigenen Pool (sowas hatten wir ja noch gar nicht!) rumgeplanscht und lustige Fotos geschossen.
Sam wollte dann auch mal:
Und weil ich nach ein paar Tagen schon Hummeln im Hintern hatte und unbedingt die beruehmten Reisfelder sehen wollte, haben wir uns fuer zwei Tage ein Motorrad geliehen und sind damit zumindest schonmal durchs noerdliche Hochland gefahren. Angehalten haben wir nicht nur in so ziemlich jeder zweiten Kurve (‘Sam, halt an, ich muss’n Foto machen!’)…
… sondern auch an heissen Quellen, Wasserfaellen, einem riesigen, Jahrhunderte alten Baum und vielen kleinen Tempeln, die wir durch Zufall vom Strassenrand aus erspaeht haben.
Naechste Station auf Bali war das als Kuenstlerdorf bekannte Ubud. Das ist der ein oder anderen vielleicht ein Begriff, denn der komplette ‘Love’-Teil in ‘Eat Pray Love’ spielt hier. Dementsprechend gestaltete sich auch das Klientel; so viele alleinreisende Frauen jeden Alters hab ich noch nie auf einem Haufen gesehen! Alle suchen sie dort ihr Glueck, den ominoesen Medizinmann oder vielleicht sogar ihren Prinzen. Und alle strotzen sie nur so vor Intellekt und innerer Ausgeglichenheit. Es ist schon ein bisschen laecherlich. Das ganze Dorf wirkt wie ein Auffanglager fuer unglueckliche oder geschiedene Frauen (im besten Fall beides) auf der Suche nach sich selbst. Leider haben sie alle nicht nur ihre Yogamatten, sondern auch eine ganze Menge Geld mitgebracht, sodass da alles unglaublich teuer war. Also konnten wir nicht viel machen und sind, anstatt durch Galerien und Museen zu flanieren, einfach den ganzen Tag lang spazieren gegangen. Am Donnerstag haben wir zwoelf Kilometer geschafft, einmal quer durch Ubud und einen Wald voller Affen, durch winzige Doerfer (die im Rahmen des Festivals alle feierlich geschmueckt waren), vorbei an kleinen Reisfeldern und kostenlosen Kunsthoefen und im grossen Bogen zurueck nach Ubud.
Am Donnerstagabend waren wir dann bei einem Poetry Slam. Na das war vielleicht was: Zwoelf Beitraege von Frauen jeden Alters ueber Individualitaet und Spiritualitaet. Und alle haben sie sich selbst und sich gegenseitig in den Himmel gelobt; es sitzen ja schliesslich alle im selben Boot. Gewonnen hat dann der einzige maennliche Teilnehmer. Ein knackiger, muskelbepackter Australier in Basketballuniform, der sich zweieinhalb Minuten lang ohne Unterbrechung ueber die Yogatanten ausgelassen hat. Entweder haben diese Frauen mit ihrer inneren Balance auch ne ordentliche Portion Selbstironie gefunden, oder sie haben’s ganz einfach nicht begrffen. Wir jedenfalls fanden es lustig, und den Abend im Allgemeinen gleichermassen verstoerend wie unterhaltsan. Mein letzter Gedanke vorm Einschlafen war: Egal was passiert, egal wie oft du heiratest und dich wieder scheiden laesst, unter gar keinen Umstaenden darfst du jemals hier in Ubud landen.
Am Freitag fing fuer uns dann ein neues Abenteuer an. Bali ist zwar klein, und prinzipiell kommt man mit Bussen auch ganz gut von einem Ort zum anderen, aber wir wollten auch mal entlegenere Ecken ansteuern und spontan sein koennen. Und so haben wir unser ganzes, in den letzten Monaten hart erworbenes Handlungsgeschick ausgepackt und es tatsaechlich geschafft, ein Auto fuer fuenf Tage zu mieten – zum Preis von 52 Euro. Und das ist er, unser neuer Weggefaehrte:
Also machen wir seit ein paar Tagen einen Roadtrip kreuz und quer durch Bali. Wir haben dutzende toller Tempel gesehen und Zeremonien beobachtet, standen in UNESCO-geschuetzten Reisfeldern und sind von Vulkan zu Vulkan gefahren. Vulkan-Hopping nennt man das; es gibt offenbar fuer alles ein Wort. Um es nicht wieder so ausufern zu lassen wie beim letzten Mal, gibt es die letzten Tage einfach in Bildern.
| WO SIND WIR? |
Das muss ich jetzt aber doch mal kurz kommentieren… Das ist der Gunung Batur, ein 1.152 Meter hoher Vulkan, der, wie man unschwer erkennen kann, aktiv ist. Den letzten grossen Ausbruch gab es 1994, und man sieht immer noch ganz genau, wo die Lava lang geflossen ist, weil da naemlich ganz einfach nichts mehr waechst. Wir beide und unser neuer Freund (das Auto) kommen also gut gelaunt im oestlichen Hochland an, sehen den Vulkan, freuen uns und beschliessen, fuer eine Nacht in der Naehe zu bleiben. Leider biegen wir falsch ab und stehen nach zwanzigminuetiger Serpentinenfahrt auf einmal mitten im tiefschwarzen Lavafeld. Als wir umdrehen wollen, steht hinter uns ein Jeep und versperrt uns den Rueckweg, also haben wir keine Wahl und muessen geradeaus. Anderthalb Stunden lang haben wir uns und unseren tapferen Gefaehrten durch die gruselige Landschaft gesteuert, immer aufs Festhalten und Steinbrockenausweichen konzentriert. Mehr als ein gelegentliches ‘whooaaaa’ hab ich wohl nicht zustande gekriegt, und von Sam kam auch nicht viel mehr als ‘This is fucking Mordor!’.
In der Abenddaemmerung sind wir in dann in einem winzigen Doerfchen am Fusse des Vulkans gelandet, wo wir zum Glueck auch eine Bleibe gefunden haben. Viel laenger als eine Nacht wollte ich aber nicht unbedingt neben einem aktiven Vulkan verbringen, und so ging es Sonntag schon frueh um sechs wieder an Bord. Und jetzt sind wir an der Kueste im Sueden, um mal wieder ein bisschen Meerluft zu schnuppern.
Das Auto haben wir noch bis Mittwoch verlaengert, und danach werden wir wohl fuer ein paar Tage zu den Gili Inseln fahren. Dort gibt es keine Strassen oder Fahrzeuge, sondern nur Pferde, und somit hoffentlich auch kein einziges Geraeusch abgesehen vom Meeresrauschen. Wir nehmen nen Hucken Buecher mit und werden tagelang nichts anderes machen als abwechselnd zu lesen und zu schnorcheln und zu essen und wieder zu lesen. Das stell ich mir prima vor! Auf dem Rueckweg machen wir vielleicht noch kurz auf Lombok halt und dann haben wir noch ein paar Tage hier, bevor wir am 18. Februar nach Singapur fliegen. Unsere letzte Station in Asien, dann ist ein halbes Jahr rum…
Macht die Augen zu, ihr Lieben, denkt an immergruene Palmenwaelder und Reisfelder und stellt euch vor, ich steh da mittendrin und wink euch froehlich zu. Seid lieb umarmt und lasst euch vom Winter nicht unterkriegen. Bis bald!

Ui...Erinnerungen werden wieder wach :)! Genießt Bali, aber passt auf in Kuta! Gili wird ein Traum!!! Wenn ihr noch Zeit habt, fahrt auf jedenfall in den Süden und besucht Balangan und Uluwatu...der Knaller!
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DrückDich
katja
mein willikind....was für ein bericht und was für Fotos!!! einfach super. und es ist wirklich so, ich seh dich mittendrin in all dem grün....euch eine gute weiterreise. drück euch beide.
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