Entschuldigung ihr Lieben, dass ich so lange nichts von mir hab hoeren lassen. Wir haben in unserem ersten richtigen Reise-Tief gesteckt, das erstmal ueberwunden werden musste... Gruende dafuer gibt es einige, angefangen beim Wetter. Seit wir Ende November in Vietnam gelandet sind, haben wir ganze zwei Mal die Sonne gesehen. Ansonsten regnet es nur, und es ist arschkalt. Wir machen schon gar keine Plaene mehr, weil uns das Wetter eh einen Strich durch die Rechnung macht. Poncho und Regenjacke gehoeren mittlerweile zu jedem Tagesausflug… Das Schaerfste ist aber, dass ich noch nicht einmal im Meer war! Die ganzen Straende, die als unheimlich paradiesisch beschrieben werden, mit ihrem weissem Sand und dem kristallblauen Wasser... Nix is! Alles, was wir bisher gesehen haben, war einheitlich grau. Vom Sand uebers Wasser bis zum Himmel. Alles der gleiche Mist. Vietnam zeigt seine Schoenheit offenbar nur, wenn die Sonne scheint.
Was uns aber viel mehr zu schaffen macht, als das Wetter, ist das Land selbst. Wir haben seit meiner letzten Meldung ueber 1.300 Kilometer zurueckgelegt, nur um letztlich in einer Stadt zu landen, die genauso aussieht wie alle anderen vietnamesischen Staedte bisher auch – dazu muss ich aber zu sagen, dass die Staedte hier, abgesehen von Hanoi, genauso gut auch in jedem anderten wirtschaftlich gut betuchten asiatischen Land liegen koennten! Hotels ueber Hotels, Restaurants, Reiseagenturen, Fahhradverleihe, Massagen, Karaoke, Schneider... Es faellt nicht schwer zu erkennen, dass der Kommunismus schon laengst dem Kapitalismus verfallen ist. Ausserdem muss man sich echt ganz schoen Muehe geben, um neben dem Standardprogramm ein bisschen einheimische Kultur zu erleben. Wo sind denn all die orangen Moenche hin, die atemberaubenden Landschaften, die Vielfalten? Wir vermissen Kambodscha und Laos!
Was uns aber viel mehr zu schaffen macht, als das Wetter, ist das Land selbst. Wir haben seit meiner letzten Meldung ueber 1.300 Kilometer zurueckgelegt, nur um letztlich in einer Stadt zu landen, die genauso aussieht wie alle anderen vietnamesischen Staedte bisher auch – dazu muss ich aber zu sagen, dass die Staedte hier, abgesehen von Hanoi, genauso gut auch in jedem anderten wirtschaftlich gut betuchten asiatischen Land liegen koennten! Hotels ueber Hotels, Restaurants, Reiseagenturen, Fahhradverleihe, Massagen, Karaoke, Schneider... Es faellt nicht schwer zu erkennen, dass der Kommunismus schon laengst dem Kapitalismus verfallen ist. Ausserdem muss man sich echt ganz schoen Muehe geben, um neben dem Standardprogramm ein bisschen einheimische Kultur zu erleben. Wo sind denn all die orangen Moenche hin, die atemberaubenden Landschaften, die Vielfalten? Wir vermissen Kambodscha und Laos!
Achso, und wer sich wundert, warum meine Buchstaben heute so komisch aussehen – das bleibt jetzt so. Vielleicht erinnert ihr euch an die Andeutung, dass mein Computer langsam die Biege macht. Nachdem das Mousepad schon vor vielen Wochen den Dienst quittiert hat (und wir seitdem mit einer externen neonrosa Mini-Maus umherreisen), hat nun vor wenigen Tagen auch das Keyboard voellig den Geist aufgegeben. Das macht sich besonders guenstig, wenn der Zugriff auf den Laptop kennwortgeschuetzt ist… Es hat Ewigkeiten gedauert, das Problem zumindest zweckmaessig zu beheben, und am Ende hab ich meinen kleinen Laeppi ganz mutig einfach an einem Strassenladen in Nha Trang abgegeben. Schon am naechsten Tag konnte ich das gute Stueck wieder abholen – mit funktionierender Tastatur und meinem neuen Betriebssystem Windows XP 2002. Toll! Es hat eine weitere Ewigkeit gedauert, aeltere Download-Versionen von Skype und Co zu finden, die mit meinem Schmuckstuck kompatibel sind. Und das Betriebssystem ist englisch, weshalb auch meine treulose Tastatur kompromisslos die Nationalitaet gewechselt hat. Ich habe kein Esszett mehr, kein Ue und kein Oe and kein Ae, Y und Z haben den Platz getauscht und auch sonst ist eigentlich kein Sonderzeichen mehr wo es vorher war. Also seht doch bitte ab jetzt grosszuegig ueber die Rechtschreibung hinweg…
So. Nun aber genug geplaenkelt, es folgt ein kurzer Abriss unserer lezten Tage:
Von der Insel ging es mit dem Nachtbus Richtung Sueden, der mit seinem kambodschnischen Verwandten gluecklicherweise so gar nichts gemeinsam hatte.
Allerdings waren wir nicht wie geplant am naechsten Morgen um sieben am Ziel, sondern erst um zwoelf. Das lag zum einen an der uebertrieben langen Fruehstueckspause um sechs (es gab Nudelsuppe mit Leber...)
... und zum anderen an einem ungeplanten Stop 40 Kilometer vorm Ziel, um erst die Klimaanlage und dann den Motor zu reparieren (den hatten sie dann zerschossen bei ihrem Versuch, die Klimaanlage wieder in Gang zu bringen).
Als wir dann endlich, nach fast 22 Stunden Anreise, in Hue aus dem Bus huepfen konnten, hat es geregnet wie aus Eimern. Und so fuehrte uns der erste Weg, nachdem wir ein Zimmer gefunden hatten, in ein Shopping-Center. So richtig mit Geschaeften und Licht und Schaufenstern! Das war vielleicht toll, sowas mal wieder zu sehen… Ratzifatzi liess sich dann auch ne passende Jeans finden (die Frauen sind hier ja alle so klein wie ich), und den Rest des Nachmittags haben wir dann im ueberdimensional grossen Supermarkt im fuenften Stock verbracht. Die hatten da sogar eine Weihnachtsabteilung! Und Twix und Pfirsichsaft und Tic Tacs und Kuehltruhen – wie zu Hause! Wir wussten gar nicht wohin mit unserem ganzen Glueck…
Am naechsten Tag haben wir uns die Halbinsel auf der anderen Seite des Flusses vorgenommen und konnten dort ueberraschenderweise ein traditionelleres Vietnam kennenlernen. Das Ganze haben wir aber nicht zu Fuss erledigt, sondern zusammen mit einem Rikschafahrer, der uns ganze zwanzig Minuten belabert hat. Sam war zwar schon voellig entnervt, und ich mag so ein hartnaeckiges Hinterherlaufen prinzipiell auch nicht besonders, aber der war so lustig in seiner Art und so haben wir uns letztlich drauf eingelassen. Tatsaechlich hat sich das auch als gute Entscheidung erwiesen, denn zum Einen haben wir Sachen gesehen, die wir allein nie entdeckt haetten, und zum zweiten haben wir unglaublich viel gelacht, weil sich der Typ wie ein Hochzeitsfotograf aufgefuehrt hat und uns am laufenden Band in schrecklich gestellten Posen fotografieren wollte.
Nach dieser etwas anderen Stadtrundfahrt haben wir uns noch eine riesige Zitadelle angesehen, die wirklich schoen war, und auf dem Heimweg haben wir ein paar alte Panzer gefunden, die da so am Strassenrand standen.
Ausserdem gab es zum Mittag das leckerste einheimische Essen seit Sri Lanka: Fruehlingsrollen zum selber rollen.
Das sind Reisplatten und Salat und Huehnchenspiesse und gruene Bananen, und alles zusammen wird dann mit Schwung in Erdnuss-Chilli-Sauce getitscht. Hmmm… Der ganze Spass hat nicht mal 80 Cent gekostet. Und als wir dann abends auch noch ein Restaurant gefunden haben, in dem es Kartoffelbrei gab, war ich absolut seelig… Anderthalb Tage in Hue haben uns gereicht, denn von der Halbinsel abgesehen gab es nichts Schoenes zu sehen. Also haben wir uns letzten Montag auf den Weg nach Hoi An begeben. Die Stadt an sich mit ihren ganzen alten Villen am Flussufer war zwar wunderschoen, aber in den Haeusern befanden sich entweder Schneider, Schuhmacher, Taschenverkaeufer oder Restautants. Sogar in den Tempeln wurden Souvenirs verkauft… Und so haben wir relativ schnell entschieden, dass wir moeglichst wenig Zeit in der Innenstadt verbringen moechten. Also ging es am Dienstag auf dem Motorrad erst zum Strand, damit ich wenigstens mal kurz meinen grossen Zeh ins suedchinesische Meer stecken konnte…
… und dann zu den fuenf Marmorbergen, die fuer die Elemente stehen (Wasser, Feuer, Wind, Holz und Metall). Allerdings ist nur der Wasser-Berg fuer Besucher zugaenglich, wobei man sich dabei nicht mal sonderlich anstrengen muss, weil die verrueckten Vietnamesen naemlich einen raumschiffaehnlichen Fahrstuhl an den Berg gezimmert haben.
Leider waren weder die Tempel und Hoehlen obendrauf noch die Aussicht sonderlich spektakulaer, weshalb wir schon nach einer Stunde wieder auf dem Moped sassen. Von da an ging es ziellos weiter, immer der Nase nach. Und so sind wir am Nachmittag per Zufall auf ein Toepferdorf gestossen, in dem uns gleich die erste Familie ins Haus geschliffen hat, und eh ich wusste, was passiert, sass Sam schon an der Toepferscheibe.
Unser Ausflug fand ein jaehes Ende, als dicke schwarze Wolken aufzogen und wir den Rueckweg antreten mussten. Wir sind noch bis Donnerstag geblieben, haben viele Stunden in Café’s verbracht und viel gelesen, das Wetter verflucht und gefaulenzt.
Donnerstag Abend fuhr uns dann ein Nachtbus ins 600 Kilometer suedlich gelegene Nha Trang. Auch dieser Nachtbus hielt eine ganz besondere Ueberraschung fuer uns bereit, denn in diesem Fall erreichten wir unser Ziel drei Stunden vor geplanter Ankunftszeit und wurden so, noch im Halbschlaf und etwas verdutzt, morgens um 3:55 Uhr im stroemenden Regen irgendwo am Stadtrand einfach ausgesetzt. Nun ist hier in Vietnam nachts ja nicht besonders viel los… Weil wir aber ganz viel Glueck hatten, kam nach einer kleinen Weile ein Taxi aus dem Nichts, hat uns in die Stadt gebracht und einen Hotelinhaber aufgeweckt, sodass wir schon anderthalb Stunden nach dem unsensiblen Rauswurf auf dem Bus wieder im Bett lagen.
Nach ein paar Stunden Schlaf haben wir uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden, waren aber schon nach kurzer Zeit ein bisschen desillusioniert. Im Regen sind eben alle Staedte grau, und auch der beruehmte Stadtstrand konnte uns nicht aufheitern, weil er naemlich so aussah:
Also sind wir ziellos durch die Strassen geschlendert und haben nachmittags ein Meeres-Museum gefunden.
Da aber nach der Haelfe der Tour der Strom ausgefallen ist, konnten wir schon bald nicht mehr viel von den huebschen Fischis sehen. Abends waren wir dann beim Inder. Man muss ja auch ein bisschen auf die Gluecksgefuehle achten. Am naechsten Morgen sind wir umgezogen, weil uns das nicht stimmige Preis-Leistungs-Verhaeltnis unseres komischen Hotels im naechtlichen Chaos erst gar nicht aufgefallen ist. Jetzt bezahlen wir acht Dollar pro Nacht und sind wieder zufrieden.
Den Rest vom Samstag haben wir wieder auf dem Motorrad verbracht. Wir haben eine uralte aber liebevoll restaurierte Tempelanlage besucht, und auf’s Neue haben uns die Taschen- und Souvenirstaende auf dem Gelaende ueberrumpelt. Man moechte sie wirklich schnappen, diese kleinen Vietnamesen, und dann schuetteln und ihnen begreiflich machen, dass sie sich mit so nem Mist alles selbst kaputt machen.
| Fruehstueckspicknick |
Im Regen sind wir dann die Kuestenstrasse entlang gebrettert, bis wir ein paar Felsen entdeckt haben, die toll aussahen. Auf denen sind wir dann ein bisschen rumgeklettert, bis der Sturm uns fast umgehauen hat und wir – mal wieder – wetterbedingt umkehren mussten.
| Nha Trang |
Abends waren wir dann im Kino. Das war lustig, weil wir uns den Film selbst aussuchen konnten. Und so haben wir zusammen mit einer einheimischen Familie den vierten Teil von Fluch der Karibik in 3D geguckt… Fuer einen Euro.
Gestern hatten wir dann einen der lustigsten Tage in Vietnam. Mit einer Seilbahn sind wir in fast 100 Metern Hoehe gute drei Kilometer uebers Meer nach Vinpearl Island gefahren. Ich muss wahrscheinlich nicht weiter darauf eingehen, dass ich furchtbare Angst hatte, aber wenn sich der Mangel an Alternativen mit verzweifelter Suche nach Abwechslung mischt, kommt eben sowas bei raus.
Vinpearl Island ist Vietnams Antwort auf Disneyland und konnte unsere Augen mit ganz viel Quatsch ganz leicht zum Leuchten bringen. Wir sind Karussel gefahren, hatten Bauchkribbeln in grossen Schiffsschaukeln, sind in 4D-Kinos auf den Mond geflogen und ins Meer abgetaucht und haben uns stundenlang Arcade-Spielen gewidmet. Dann sind wir zum Wasserpark marschiert und Sam, das verrueckte Huhn, hat sich trotz Kaelte in Bademontur die steilsten Rutschen runter geschwungen.
Vinpearl Island ist Vietnams Antwort auf Disneyland und konnte unsere Augen mit ganz viel Quatsch ganz leicht zum Leuchten bringen. Wir sind Karussel gefahren, hatten Bauchkribbeln in grossen Schiffsschaukeln, sind in 4D-Kinos auf den Mond geflogen und ins Meer abgetaucht und haben uns stundenlang Arcade-Spielen gewidmet. Dann sind wir zum Wasserpark marschiert und Sam, das verrueckte Huhn, hat sich trotz Kaelte in Bademontur die steilsten Rutschen runter geschwungen.
Danach waren wir in der Unterwasserwelt, die nicht nur unzaehlige Aquarien hatte, sondern auch einen fast 100 Meter langer Tunnel, durch den man auf einem Rollband vorbei an riesigen Rochen und Haien einmal im Kreis fahren konnte. Wir haben etwa zwanzig Runden gedreht, weil’s so schoen war.
Dann zog ein Sturm auf und wir haben versucht, ein Boot zurueck zum Festland zu erwischen. Allerdings erklaerte man uns, dass die Boote zur Zeit nicht fahren koennten, weil es naemlich zu stuermisch waere. Aber in die bloede Seilbahn sollte ich wieder einsteigen?! Alles meckern und flehen hat nichts genuetzt, schliesslich mussten wir ja irgendwie zurueck. Es war furchtbar. Das Gluecksgefuehl bei der Ankunft auf dem Festland uebertraf jedes Abendessen beim Inder…
Dann zog ein Sturm auf und wir haben versucht, ein Boot zurueck zum Festland zu erwischen. Allerdings erklaerte man uns, dass die Boote zur Zeit nicht fahren koennten, weil es naemlich zu stuermisch waere. Aber in die bloede Seilbahn sollte ich wieder einsteigen?! Alles meckern und flehen hat nichts genuetzt, schliesslich mussten wir ja irgendwie zurueck. Es war furchtbar. Das Gluecksgefuehl bei der Ankunft auf dem Festland uebertraf jedes Abendessen beim Inder…
Ich wette, vor zwanzig Jahren war es hier wunderschoen. Und wenn wenigstens die Sonne scheinen wuerde, koennte man ein paar Tage am Strand verbringen, schnorcheln und mit dem Boot zu abgelegenen Inseln fahren, und den ganzen enttaeuschenden Rest einfach ausblenden. Geht aber nicht. Deswegen haben wir auch saemtliche Plaene umgeschmissen, kehren der Kueste den Ruecken und fahren morgen ins Hochland, wo wir eine Woche lang durch Nationalparks, heisse Schlammquellen und Reisfelder gurken werden, bevor wir kurz vor Abflug in Saigon einkehren. Darauf freu ich mich dolle, und ich hoffe, wir sehen unterwegs ein bisschen mehr von dem Vietnam, wie wir es uns vorgestellt haben. Ich bin wieder ein bisschen optimischter, was aber vor allem an der Wettervorhersage fuer Thailand liegt! Heiliger Bimbam, bin ich froh, dass wir Weihnachten und Silvester nicht hier verbringen. Wahrscheinlich haetten wir hier auch schon laengst die Biege gemacht, wenn wir keine Fluege fuer den 22. Dezember gebucht haetten.
Jetzt haben wir aber noch eine gute Woche vor uns, die wir auch bestmoeglich nutzen werden. Dabei versuchen wir einfach zu vergessen, dass Vietnam eines der Laender war, auf das wir uns beide am allermeisten gefreut haben.
aufgrund unserer politischen Herkunft sind wir ja "eng mit Vietnam verbunden", somit bin ich erstaunt über die doch reichlich modernen Institutionen dort unten und der doch schon wieder touristischen Erschlossenheit in einem doch, denke ich, wirtschaftlich schwachem Land. Dank deiner tollen Berichterstattung hat man endlich mal wieder einen "Durchblick". Euch noch viel Spaß und weiterhin gute Reise.
AntwortenLöschenp.s. ich bin froh, dass die euch keine türkische Tatstatur aufgeschwatzt haben! ;-)