während ich das hier schreibe, sitze ich leicht verkatert auf der terasse unseres gästehauses. es ist 12:30 uhr, wir haben gerade gefrühstückt und werden uns wohl oder übel auch bald daran machen müssen, unsere sachen zusammen zu suchen. heute abend um 19 uhr sammelt uns ein nachtbus ein, der uns auf einer 12-stündigen fahrt in den süden kambodschas bringen wird.
wir lieben es hier von tag zu tag mehr... ich habe mich nicht getäuscht – wir hatten eine fantastische woche! die meiste zeit haben wir in angkor thom verbracht. in dieser alten stadt, 862 vom könig errichtet, lebten über eine million menschen, als london gerade mal 50.000 einwohner hatte. die tempelanlage ist riesengroß und erstaunlich gut erhalten, sodass wir viel entdecken konnten. wie sich herausstellen sollte, haben wir bezüglich der reihenfolge auch alles richtig gemacht: am ersten tag (mittwoch) waren wir schon morgens halb fünf vor ort, um den sonnenaufgang zu sehen und weitere sieben stunden über und durch die tempel zu krackseln. es war der einzige regenfreie morgen in dieser woche.
| sonnenaufgang-fanblock |
am freitag haben wir abgelegenere tempel erforscht und auf dem rückweg am landminenmuseum halt gemacht.
kurzer exkurs in die geschichte: es ist keine 50 jahre her, dass in kambodscha eine revolution unter pol pot und seinen roten khmer stattfand, die das ziel einer bauernherrschaft hatte. zu diesem zweck wurden vermeintlich intellektuelle systematisch ausgerottet. brille tragen hat schon gereicht. innerhalb von dreieinhalb jahren wurde ein viertel der gesamten bevölkerung ermordert. dann haben sich die vietnamesen eingemischt und vorerst geholfen, die lage zu entschärfen. allerdings kamen die dann auf die idee, landminen um dörfer und städte zu verbuddeln. so als schutzmaßnahme. schon ein paar jahre später ist ihnen aufgegangen, dass das eigentlich gar nicht so clever war, denn es starben ja unentwegt menschen deswegen. also mussten die kindersoldaten, die für die minen verantwortlich waren, alle wieder ausbuddeln. allerdings gab es natürlich keine karte davon, wo man die minen vergraben hatte... dann kam der vietnamkrieg. ein haupttransportweg, auf dem waffen von nord- nach südvietnam geschafft werden konnten, verlief durch kambodscha. also haben sich die amerikaner überlegt, wie besonders schlau es wäre, diesen transportweg durch die flächendeckende bebombung kambodschas mit landminen zu zerstören. diese mission hieß 'minenteppich'. zwischen 1995 und 2008 hat man über drei millionen minen gefunden und entschärft. wenn man heute also brav auf den straßen bleibt, kann nichts passieren. allerdings können nicht alle einwohner auf befestigten straßen bleiben, da sie meist auf feldern wohnen und eine farm zu bewirtschaften haben. noch immer geht etwa alle zwei stunden eine mine hoch. noch immer sterben etwa 300 menschen im jahr an den folgen einer explosion. landminen sind jedoch nicht gebaut, um zu töten. sie sollen verletzen. aus diesem grund ist kambodscha das land mit den meisten amputationen.
in dem landminenmuseum werden die minen ausgestellt, die von einem mann namens aki ra entschärft worden sind. er kennt sich damit so gut aus, weil er als etwa zehnjähriger gezwungen wurde, sie zu legen. wie alt dieser mann heute ist, weiß er selber nicht; seine eltern wurden früh von den roten khmer ermordet. aki ra wurde vom nachrichtensender cnn zu den top 10 helden 2010 erklärt. wer mehr über sein leben wissen möchte, kriegt beispielweise hier einen guten überblick: http://www.fluter.de/de/eliten/aktuell/5130/
es blieben noch anderthalb tage in den tempeln rund um angkor wat. der mit abstand coolste davon war der sogenannte dschungel-tempel. für den fall, dass die bilder dem ein oder anderen bekannt vorkommen: tomb raider wurde hier gedreht. selbstverständlich musste ich mich selbst auch kurz mal wie lara croft fühlen...
und da das beste zum schluss kommt, haben wir uns gestern endlich die hauptattraktion vorgenommen. angkor wat, das größte religiöse monument der welt. leider hat es etwas mehr geregnet als erwartet, sodass unsere ponchos alles geben mussten und schließlich wegen überstrapazierung ihren dienst quittiert haben.
und noch ein paar impressionen von uns in den tempeln...
| was macht man nicht alles für ein gutes foto |
die abende haben wir immer im stadtzentrum verbracht. es gibt hier die pub street, ähnlich wie die khao san in bangkok, nur weniger laut und grell und vollgestopft. hier waren wir immer essen und haben dann so lustige sachen gemacht wie fisch-fuß-massagen oder kneipentouren.
am besten gefallen hat es uns in einer bar mit dem originellen namen 'angkor what?'. es kam uns ein bisschen spanisch vor, dass an unserem ersten abend da schon um halb zehn alle auf den tischen getanzt haben. relativ schnell haben wir aber herausgefunden warum. ein eimer voll bacardi und cola kostet 6 us-dollar. das sind etwa 4,80 euro. und obendrauf gibt's pro bestelltem eimer auch noch ein t-shirt, auf dem treffenderweise steht: 'promoting irresponsible drinking since 1998'. alles klar!
na jedenfalls sind wir in genau dieser bar gestern abend versackt. und es war so lustig! ich hatte dann die glorreiche idee, zu fuß zurück zum gästehaus zu laufen, anstatt ein langweiliges tuk-tuk zu nehmen. sam fand das eine ausgezeichnete idee. dass es den ganzen tag in strömen geregnet hatte und die flut aus diesem grund eventuell ein bisschen höher sein könnte, ist uns nicht mal in den sinn gekommen. daraus gelernt habe ich folgendes: wenn eine partynacht eimerweise barcardi beinhaltet, sollte man unbedingt eine knappe stunde lang knietief im wasser bergauf gegen die strömung laufen. bis man nämlich zu hause ist, ist man wieder nüchtern.
| pub street gestern abend |
| heimweg |
so. und jetzt sitze ich hier...
... und schreibe immer noch. es ist 14 uhr. gott bin ich langsam heute. eigentlich hatte ich eine liste gemacht, mit allerlei wissenswertem über kambodscha. ich werde diese jetzt auf die allerwichtigsten sachen beschränken:
- es sprechen alle sehr gut englisch, sodass wir uns endlich mal mit den einheimischen unterhalten können
- es herrscht rechtsverkehr
- es gibt hier zwei währungen: us-dollar und kambodschanische riel. wir fragen uns ein bisschen, wie die ihre wirtschaft dauerhaft stabilisieren wollen, wenn sie die ganze zeit mit zwei verschiedenen währungen rumhantieren.
- das durchschnittsalter beträgt 22. das liegt zum einen an der geschichte des landes und daran, dass eine familie etwa acht bis elf kinder hat, und zum anderen an der fehlenden altervorsorge. ähnlich wie in sri lanka nehmen sich die alten menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können, das leben.
- 50 prozent der ehen werden immer noch arrangiert
- es gibt keine schulpflicht. und schule ist teuer. deswegen helfen die kinder oft lieber auf der farm der eltern oder gehen betteln.
- aw kuhn heißt danke. und das sagt und hört man hier auch den ganzen tag lang. ich habe noch nie ein so freundliches und aufgeschlossenes völkchen kennengelernt wie die kambodschaner. diese bemerkenswert junge nation versprüht ein ganz eigenes lebensgefühl, dass sich nur schwer beschreiben lässt. im gegensatz zum veralternden europa scheinen sich hier die wenigen alten den vielen jungen anzupassen. alle witzeln, stellen sich mit ihren gehstöcken gegenseitig beine oder singen laut zu justin bieber. ich glaube nicht, dass diese fröhlichkeit immer mit glück gleichzusetzen ist, aber man macht hier wohl immer das beste aus allem. gib ihnen die schlimmste flut seit 15 jahren und sie machen arschbombem von den brücken der stadt.
ich bin so gespannt auf den rest von kambodscha und freue mich riesig, endlich wieder meer zu sehen! für die nächste woche, die wir an verschiedenen orten der südküste verbringen, haben wir nur einen plan: ausspannen und füße hoch. buch in die rechte, cocktail in die linke hand. kein sightseeing, kein kilometerlanges wandern. wenn sich dann auch die sonne ab und an mal sehen lässt, bin ich sehr zufrieden!
...erstmal bin ich sehr froh von euch zu hören, dass es euch gut geht(na gut von den kopfschmerzen mal ganz abgsehen)und der bericht ist mal wieder klasse..man hat zu den ländern, den menschen und den gegebenheiten dortdann eine ganz andere beziehung und sieht viles mit ganz anderen augen. passt auf euch auf und weiterhin eine gute reise...
AntwortenLöschenfesselnd, deine Berichte... das mit der roten Khmer ist ne ganz arge Sache, da gibt es ganz schlimme Geschichten was die Leute alles durchmachen mussten... ganz, ganz schlimm.
AntwortenLöschenAlso weiterhin viel Spaß und genießt dann noch die Zeit.
Habt ihr keine Gummistiefel? dann hätte der Baccardi vielleicht länger angehalten ;-)
Lg