Sonntag, 4. September 2011

von vielen bussen, unzuverlässigen schildkröten und fotos ohne kamera

das erste wochenende ist geschafft. es war... sehr typisch für uns und sri lanka. werd versuchen mich kurz zu halten und lieber mehr bilder reinzustellen.
also:
nachdem wir freitag abend mal wieder ein bisschen zu viel getrunken hatten und auf dem balkon versackt sind, mussten wir samstag früh erstmal ausschlafen. als wir dann endlich aufgestanden sind, hat es geregnet, mal wieder. trotzdem haben wir sachen gepackt und sind dann los.

kakerlake, die wir freitag abend gefangen haben
unser balkon im regen

sam an der bushaltestelle im regen

der bus, den wir nach über 20 minuten wartezeit endlich zum halten überreden konnten, war rammelvoll. während der anderthalb stunden fahrtzeit bis nach galle hab ich verrenkungen ohne ende gemacht und wär ein paar mal fast ausm bus gefallen (gibt ja keine türen), wenn sam mich nicht gerade noch am ärmel oder an nem kleinen finger zu fassen gekriegt hätte. als wir dann in galle waren, hatten wir noch nicht mal ein drittel von der strecke geschafft, aber es tat schon jeder muskel weh. 



wir sind dann in den nächsten bus, der glücklicherweise sehr leer war und haben beide nen platz am fenster gekriegt. ich hab mich dann so gefreut auf ne entspannte fahrt am meer entlang, mit musik in den ohren und gedanken, die in alle richtungen ausfliegen können. doch dann kam eine sehr kleine, völlig in lila gehüllte omi, setzte sich neben mich und strahlte mich erwartungsvoll an. man ey. testweise hab ich dann nen ohrstöpsel rausgenommen. ganz aufgeregt hat sie mir dann in den ersten 20 sekunden unvermittelt erklärt, dass sie nichts lieber tut, als sich mit ausländern zu unterhalten. alles klar, das war's also mit der entspannten fahrt. also mp3 player wieder im rucksack verstaut und höflich die sonnenbrille abgesetzt. dann leg mal los, omi. geschlagene anderthalb stunden lang haben wir über gott und die welt gequatscht. über ihre kinder und enkelkinder, über sri lanka und deutschland und über religionen. sie ist moslem, hat sie mir stolz erzählt, und sie liebt ihr land und all die menschen, die hier leben. im gleichen atemzug hat sie krasse unterschiede zu den anderen religionen gemacht. tamilen und singhalesen, buddhisten und moslems – sri lankaner ist wohl eben doch nicht gleich sri lankaner. verfeindet seien sie sogar (sie hat wirklich 'enemies' gesagt!). hat die gute denn in ihrem dörfchen in der walachei nicht mitgekriegt, dass der bürgerkrieg vorbei ist? trotzdem war's ganz cool, mit ihr zu plaudern. zum schluss hat sie mir ihre adresse gegeben und mich und meinen ehemann sam (denken hier alle) zum essen eingeladen. sehr süß.

nachdem die lila oma ausm bus gehüpft ist, hatt ich noch ne viertel stunde zeit, um mich von der nachhaltig körperlich anstrengenden ersten fahrt zu erholen. zumindest schien die sonne mittlerweile aber schon mal.

im südlichen matara mussten wir dann umsteigen, haben die zeit aber auch genutzt, um uns mal schnell nen kleinen tempel auf ner insel anzuschauen. da hab ich dann auch festgestellt, dass beide akkus von meiner kamera leer sind. großartig. 



mit dem nächsten bus sind wir dann in ein kleines örtchen gefahren, das für seinen leuchtturm berühmt ist. da hätte man tolle bilder machen können, ging ja aber nicht. zum glück ist mir noch eingefallen, dass mein handy auch ne kamera hat, und so konnt ich wenigstens ein bisschen was festhalten. 



wer den mönch sieht, hat gewonnen


danach ging's dann endlich los zum finalen ziel: dem strand mitten in der pampa, an dem wir nachts meeresschildkröten beim eier legen beobachten wollten. den namen des dorfes hatte uns lal zum glück aufgeschrieben, in englisch und auch in singhala. dieses zettelchen konnten wir dann in regelmäßigen abständen immer mal demonstrativ in die höhe halten, und so wurden wir schließlich auch an der richtigen stelle mitten im nirgendwo aus dem bus gekantet. es war dann auch schon dunkel. mit dem tuk tuk ging's noch weitere 15 minuten immer weiter ins nichts, bis wir schließlich vor einem sehr alten haus standen. da wohnte daisy, eine bekannte von lal. daisy war verrückt, hat hysterisch gekichert und viele komische sachen erzählt. unser zimmer sah aus wie ne gefängniszelle mit nem überdimensional großen bett und überdimensional großen kakerlaken.

es kamen dann zwei männer auf motorrädern, die mit uns gegessen haben und uns dann erklärten, dass sie uns zum schildkrötenstrand bringen würden. auf den motorrädern. bei meinem war nach den ersten hundert metern der tank leer, so dass ich den rest laufen musste.

der strand selbst war atemberaubend. da es weit und breit keine stadt gab, konnten wir die sterne und die milchstraße total klar sehen und der mond hat sich auf den riesigen wellen gespiegelt. und da standen wir dann, mit den füßen im wasser und haben uns einen vorgewundert, während sich 20 meter vor uns die drei meter großen wellen gebrochen haben. das war schon ganz schön cool.

irgendwann sind wir dann zu den einheimischen, die im sand saßen, sich selbst nest-beschützer nennen und den strand zu ihrem persönlichen schildkrötenschutzgebiet erklärt haben. es vergingen fast drei stunden ohne schildkröte. weil ich dann fast eingeschlafen bin, haben uns die typen versprochen anzurufen, falls sich noch eine blicken lassen würde. natürlich kam kein anruf.

also sieben stunden fahrt für nichts. das ganze erinnerte irgendwie an unser anti-erfolgserlebnis im letzten jahr, als wir den 2.000 meter hohen adam's peak nachts halb 2 bestiegen haben, um pünktlich zum sonnenaufgang oben zu sein – nur um dann letztendlich in ner riesigen wolke zu stehen und nicht mal unsere eigene hand vor augen zu sehen. sri lanka hat's schon manchmal so richtig drauf.



so. heute früh sind wir dann nach dem ausschlafen zu ner kleinen bucht gelatscht, die aber nicht mal ein handyfoto wert war und haben uns dann relativ schnell auf die rückreise begeben. unterwegs haben wir noch einen kurzen stopp beim blowhole gemacht – einer felsspalte mit einem loch, durch das das meerwasser bis zu 30 meter hoch geschleudert wird. 

und alle so: woooaaaaaah!

und dann ging's weiter mit dem bus... diesmal aber nicht an der küste entlang, sondern ein bisschen durch's land. haben uns für nen langsamen, dafür aber auch leeren bus entschieden. einen der schon fast zu groß schien für die kleinen straßen durch die entlegenen dörfer und der tatsächlich auch nie schneller als 30 km/h gefahren ist. aber gut, auf ne stunde mehr kam's ja irgendwie auch nicht mehr an. und so ging's im schneckentempo mit der sonne im gesicht durch palmenwälder, vorbei an reisfeldern mit wasserbüffeln, kleinen lehmhäusern, in denen alte frauen dösten und abgelegenen tempeln, vor denen kindermönche cricket spielten.





der nette mann erklärt den leuten im bus, wie sie noch weiter zusammen rücken können, damit noch 20 mann mehr da rein passen
so sah's von innen aus
und das sind wir. diesmal mit sitzplatz zum glück.
 
dann ein letztes mal umsteigen und nach insgesamt 8 stunden fahrt waren wir endlich zu hause. krummelahm. hintern platt. muskelkater. schön war's trotzdem. 

so, das war ja jetzt doch ganz schön lang. tut mir leid, ich üb das noch mit dem kurz fassen... gute nacht ihr lieben.


3 Kommentare:

  1. ....das mit der Kamera kenne ich, der Akku war immer alle wenn ich mir große Touren vorgenommen hatte.
    und an den Tempel der auf der kleinen Insel liegt, zu dem man nur kommt, wenn man über diese supermoderne Brückenkonstruktion geht und auf der der Seewind so richtig schön pfeift, denke ich auch sehr gerne zurück.
    Übrigens ist mir auf dieser Tempelanlage auch ein Verbotsschild aufgefallen...no Sex, weil Tempel....dabei ist zu beachten , dass zu diesem Tempel kaum Touristen kommen.
    Wie immer schön geschrieben ....seid ganz lieb gegrüßt aus Halberstadt.

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  2. ich will ja nicht petzen aber melden muss ich es: aber das mit dem Akku ist deiner Muttschken jetzt erst am Freitag beim Betriebsausflug passiert!!! also der Apfel fällt nicht weit vom Stamm und somit : gräme dich nicht ;-)
    Warum hebt ihr die Kakerlake auf? für ein Katerfrühstück? Oder besser: lass die doch mal in den Bussen laufen, damit ihr mehr Platz habt! :-))) (naja, wahrscheinlich sind dort alle etwas abgebrühter als ich, aber ich hätte dir zumindest SOFORT Platz gemacht ;-)

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  3. ich werds mir merken liebe ute - aber ich glaube so ein viech erschüttert hier tatsächlich keinen mehr. letzte nacht war eine in der küche... buahhh...
    ganz viele liebe grüße nach hbs!

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