so. wieder da vom wochenendtrip und mal wieder fertig mit der welt. sri lanka hat's ganz schön in sich dieses mal... kleine vorwarnung: ich glaub, ich hab viel zu erzählen heute.
bepackt mit allen sieben sachen ging es freitag früh zur schildkrötenfarm nach kosgoda. da wir mal wieder einen der langsamsten busse der welt erwischt haben, hat uns eine strecke von 12 km fast ne ganze stunde gekostet. dort angekommen waren wir dann relativ schnell relativ doll enttäuscht. die farm war nicht mal direkt am meer, sondern im garten eines privathauses, was an sich ja schon mal ein bisschen merkwürdig ist. wir hatten dann auch eigentlich überhaupt nichts mit den schildis zu tun, sondern mussten den garten fegen und so'n mist. irgendwann hat sam dann von seiner harke aufgeschaut und ganz deprimiert gesagt: "caro, irgendwie ist überhaupt nichts mehr so, wie ich es in erinnerung hab." - und damit hat er den nagel voll auf den kopf getroffen. ich weiß nicht, ob sich einige sachen hier vor ort verändert haben oder vielleicht nur wir selbst. vielleicht denken wir auch noch zu europäisch und müssen uns erst wieder an alles gewöhnen... natürlich ist es total schön hier, aber es ist eben einfach nicht das gleiche. letztes jahr war ja der kracher. andré, sam und ich – wir drei in unserem eigenen paradies. busfahrten konnten noch so lange dauern und noch so überfüllt sein, das hat uns überhaupt nicht gestört; die allerletzten absteigen waren kein problem, weil andere sachen viel wichtiger waren und das ständige angequatsche von der seite haben wir nur mit nem lächeln erwidert. dieses mal sehen wir die dinge irgendwie mit anderen augen. so auch diese schildkrötenfarm mit ihren viel zu kleinen tanks. unter dem deckmantel des tierschutzes werden diese kleinen zoo's letztendlich auch nur wegen einer sache betrieben – geld scheffeln. touristen kommen von überall her und lassen sich mit frisch geschlüpften oder behinderten schildkröten fotografieren und spenden dann natürlich großzügig. dass die tiere, viele davon schon 30 jahre alt und älter, den ganzen tag lang nichts anderes machen, als in ihren traurigen becken hin und her zu schwimmen, darüber denkt keiner nach. irgendwie haben wir uns zeitweise richtig geschämt, da zu arbeiten und wollen da auch nicht wieder hin.
cool war allerdings, dass da auch ne menge wilder tiere rumgehüpft sind. wir haben ne schlange gesehen und nen ganz fetten frosch...
... und schließlich auch affen - das war lustig!
gegen 3 sind wir los in richtung wochenenddomizil unawatuna, wo wir dann 3 stunden und 4 busse später auch angekommen sind. diesmal hat sich das ganze so hingezogen, weil auf einmal ne parade durch die straßen gezogen ist. also über die bundesstraße. tausend verschiedene tanzgruppen, dann ein elefant, dann ein fahrender altar, nochmal ne tanzgruppe und dann kleine kinder mit fahnen und noch ein elefant... stellt euch das mal auf der B1 vor! also standen wir dann da, eingequetscht wie immer, und es ging weder vor noch zurück, eine geschlagene dreiviertel stunde lang.
aber irgendwann sind wir ja angekommen. einmal fix – das nahende gewitter im blick – den strand hoch und runter und preise der gästehäuser verglichen und dank sam's handelskünsten schließlich ein top-zimmer mit balkon überm meer für 6 euro pro person und nacht bekommen. jippi!
und da saßen wir dann auf unserem traumbalkon, mitten im sturm und der hell erleuchteten bucht von una links und rechts neben uns. viel schöner kann man's ja eigentlich nicht haben.
später sind wir lecker essen gegangen und haben dann auf einmal ganz schön durchgehangen...
mit ach und krach sind wir nochmal den strand rauf und runter geschlendert und letztlich doch in ner bar auf nen red rum mit cola hängen geblieben. und dann noch einen. und dann war da party... und auf einmal waren wir wieder wach.
eigentlich war's genau wie ne partynacht zu hause, sogar die musik war die gleiche. unterschied: keine schuhe, kein dach, kein eintritt – und das große wasser gleich vor der tür.
gegen 2 sind wir dann zurück ins hotel. die durchaus sandigen klamotten am nächsten morgen und diverse fotos belegen, dass wir den nach-hause-weg durch's meer gewählt haben...
samstag sind wir glücklicherweise ohne kopfschmerzen aufgewacht. da die sonne aber nicht schien, haben wir beschlossen, noch ein bisschen weiter zu schlummern. und da wir das meer sogar vom bett aus prima im blick hatten...
... haben wir abwechselnd kurz mal ein auge halb aufgeschlagen und die wetterlage begutachtet. als sich dann die ersten sonnenstrahlen auf den wellen gespiegelt haben, sind wir aufgestanden. da war es halb 2. in nem kleinen restaurant am meer haben wir dann gefrühstückt...
... um fit zu sein für unseren äußerst anstrengenden strandtag:
abends sind wir dann ein bisschen durch die straßen gebummelt. da ich auch unbedingt so ne bequeme buchse haben wollte, wie die hier alle haben, aber meine beine mal wieder zu kurz für sämtliche hosen sind, hat mich ne schneiderin bequatscht und ich hab schließlich eingewilligt. dann konnte ich mir nen schnieken stoff aussuchen (dank meiner nicht vorhandenen entscheidungskünste hat sich das ein bisschen hingezogen), wurde vermessen (resultat: meine beine sind genauso lang wie mein bauchumfang groß ist – merkwürdig oder?) und dann konnten wir wieder abdampfen.
nach nem tollen abendessen am meer sind wir dann zum ersten mal in sri lanka pünktlich ins bett gefallen. ich hab's gerade noch so geschafft, eine halbe seite zu lesen, bevor ich eingeschlafen bin...
und dann kam heute. dieser seltendämliche sonntag. da wir zumindest schon mal erholt waren (insgesagt 16 stunden schlaf gestern), fing der tag gar nicht so schlecht an. um 9 saßen wir schon am strand und haben frühstück bestellt, das dann anderthalb stunden später auch schon kam. als wir dann viertel 12 endlich am strand lagen, zogen innerhalb von wenigen minuten wolken auf und es fing furchtbar an zu regnen. also haben wir uns unter das vordach einer bar gesetzt. da durften wir allerdings nur unter der bedingung bleiben, dass wir was zu trinken bestellen.
hab ich schon unser geldproblem erwähnt? wir wollten uns dieses wochenende schon mal in sachen low budget üben und haben daher nur relativ wenig geld mitgenommen. allerdings dachte ich, dass sam für alle fälle seine kreditkarte am mann hat. dummerweise hat er das andersrum auch gedacht. kommunikation ist alles. so kam es also, dass wir schon am samstag jeden einzelnen pups kalkulieren mussten, sodass das geld genau bis zurück nach hause reichen würde. an regenbedingte getränke haben wir dabei natürlich nicht gedacht...
später kam dann auch die sonne wieder, und dann wieder regen, und dann wieder sonne... zum frühen nachmittag hin haben wir dann endgültig unsere sachen in die taschen gestopft und sind los. schließlich wollten wir ja noch meine hose abholen, bevor um 3 der heiß ersehnte zug zurück nach hause fahren sollte (wir lieben zug fahren in sri lanka!).
die buchse war tatsächlich fertig und sehr hübsch, nur leider zu kurz. wahrscheinlich hab ich ein bisschen bedröppelt aus der wäsche geguckt, sodass mir die tante das teil wieder aus der hand gerissen hat und blubbernd hinter ihrem vorhang verschwunden ist. hab dann meine ommel kurz mal dahinter gesteckt und gefragt, wie sie das jetzt machen will. mehr stoff dran, dann abschneiden, faden ringsrum – leuchtet ein. nach 10 minuten kam sie wieder, präsentierte mir stolz ihr werk und erklärte: ich habe den bund enger genäht! hä? warum das denn? nun war das teil also nich nur zu kurz, sondern auch zu eng.
man kriegt in sri lanka irgendwie nie genau das, was man will. das fängt schon beim frühstück an. irgendwas fehlt immer; und wenn es die butter ist, die sie einem noch schnell auf den tisch klatschen, wenn man gerade den letzten happen im mund hat. besonders interessant wird es, wenn man ganz ausgefallene sonderwünsche hat, zum beispiel zwei spiegeleier statt einem. da kann man schon gut 5 minuten damit verbringen, mit händen und füßen ganz geduldig zu erklären, was man haben möchte. anderthalb stunden später kommen dann trotzdem 4 mal 3 spiegeleier.
normalerweise hebt mich das nicht sonderlich an, aber wenn jeder cent genau abgezählt ist, macht sich das eben doch bemerkbar... oder im bus: man kann sich noch so abhetzen und dann glücklich sein, weil man pünktlich im richtigen bus sitzt. und dann kommt ne parade. oder ne reifenpanne. oder beides. egal was man macht, irgendeine überraschung wartet immer!
sorry für den zeitsprung; zurück zur hose. ich hatte jedenfalls keine lust nen aufstand zu machen, wahrscheinlich hätte sie es eh nicht verstanden, also sind wir losgetrabt in richtung bahnhof. und dann kam der nächste wolkenbruch. nun regnet es ja in sri lanka nie nur ein bisschen, sodass wir innerhalb von 30 sekunden pitschenass waren. tuk-tuk war allerdings nicht drin, wir brauchten ja noch geld für den zug. kurze zeit später hat mein flip flop die grätsche gemacht. von da an ging es also barfuß für mich weiter, im tropenregen über stock und stein und überflutete hauptstraßen. ich hatte zu diesem zeitpunkt schon so eine wut in der magengegend, dass ich dachte, mir würde jeden augenblick die bauchdecke platzen. aber ich hatte ja 2 km marschstrecke zeit, um mich auszugnatzen; und außerdem gab es ja noch die zugfahrt, auf die ich mich freuen konnte.
natürlich kam kein zug.
also sind wir (immer noch im regen) wieder zurück zur hauptstraße gelatscht, um dort den nächsten bus zu stoppen, der nach galle fuhr. von da aus starten expressbusse nach aluthgama, hätte also schlimmer kommen können. dachten wir. denn in galle angekommen, wartete auch schon die nächste überraschung auf uns: die schlange zu den expressbussen reichte einmal quer durch den gesamten busbahnhof. hinzu kam, dass heute vollmondtag ist, und deshalb weniger gearbeitet wird. ergo: es fahren weniger busse.
also sind wir (immer noch im regen) wieder zurück zur hauptstraße gelatscht, um dort den nächsten bus zu stoppen, der nach galle fuhr. von da aus starten expressbusse nach aluthgama, hätte also schlimmer kommen können. dachten wir. denn in galle angekommen, wartete auch schon die nächste überraschung auf uns: die schlange zu den expressbussen reichte einmal quer durch den gesamten busbahnhof. hinzu kam, dass heute vollmondtag ist, und deshalb weniger gearbeitet wird. ergo: es fahren weniger busse.
nach der ersten schockstarre hat sam mich (immer noch schuhlos und mit pipi in den augen) dann sachte bis ans ende der schlange geschoben. was blieb uns anderes übrig?
ab einem gewissen punkt weiß man einfach nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll. obwohl mir wirklich danach war, konnte ich dem drang widerstehen, mich auf den boden zu werfen und verzweifelt mit den fäusten um mich zu schlagen.
die wartezeit haben wir mit süßigkeiten überbrückt, die wir uns ja wieder leisten konnten, weil wir das zuggeld gespart hatten. allerdings schoss mein puls regelmäßig wieder in die höhe, weil hinter mir ne dicke tilla stand, die mich mit ihren riesenbrüsten ständig angebufft hat. das war wie im supermarkt an der kasse, wenn einem ne oma konstant ihren einkaufswagen in die hacken rammelt. anderthalb stunden später saßen wir im bus. um 6 waren wir zu hause. fix und alle.
fazit: mal wieder ein wochenende mit emotionaler berg- und talfahrt. es war schön, aber letztlich doch wieder zu anstrengend, um wirklich erholsam zu sein. sri lanka ist nicht mehr das, was es für uns war, was vielleicht aber nur daran liegt, dass es nicht mehr neu ist. und am wichtigsten: an unserer low-budget-strategie müssen wir noch feilen.
fazit: mal wieder ein wochenende mit emotionaler berg- und talfahrt. es war schön, aber letztlich doch wieder zu anstrengend, um wirklich erholsam zu sein. sri lanka ist nicht mehr das, was es für uns war, was vielleicht aber nur daran liegt, dass es nicht mehr neu ist. und am wichtigsten: an unserer low-budget-strategie müssen wir noch feilen.
Hey Caro, wunderbarer Artikel. All die Facetten, die schönen, die nervigen und die traurigen Momente des Reisens sind super nachzuvollziehen. Da sag mal einer das wär Urlaub.
AntwortenLöschenIhr Lieben...willkommen in der Realität....das Abenteuer hat jetzt wohl so richtig begonnen, mal schon ein kleiner Vorgeschmack auf zukünftige Unternehmungen .
AntwortenLöschenAuch ist es für uns schon manchmal schwer zu verstehen, wie die Menschen dort so ticken.Irgendwie so planlos, zum Teil auch antriebslos....komm ich heut nicht, komme ich eben morgen. Und es geht...wie auch immer.
Ich hoffe trotzdem für Euch, Ihr habt noch Zeit auch wieder für positive Erlebnisse .Liebe Grüße
schließ mich dem Kommentar von Muttschken an... aber eigentlich ist es lustig wie und auf welche Arten du dich ärgern kannst ;-)))
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