Montag, 26. September 2011

bauchkribbeln

das ende naht. tatsächlich sind es nicht mal mehr 12 stunden, bis wir im flieger nach thailand sitzen... dummerweise lieg ich in diesem moment mit ner kleinen magen-darm-verstimmung im bett und kau seit ner stunde auf nem keks rum.
das heißt im umkehrschluss: kein abschied im waisenhaus, kein letztes mal sonnenuntergang am strand und ein bisschen angst vor dem flug morgen...

aber gut. es wird schon. sam kümmert sich lieb. jetzt erstmal der wochenendbericht.
wie ich es erhofft hatte, war mein alleiniger rumreisefreitag genau das, was ich gebraucht hab. es war der kick, ganz allein am anderen ende der welt durch die gegend zu gurken, als einzige nicht-einheimische in völlig überfüllten bussen, in denen kaum jemand englisch kann. und als ich da so stand, in meinem äußerst rasanten ersten bus, zwischen all den fremden menschen, mit chase&status im ohr – da hatt ich es auf einmal, mein lang ersehntes gefühl von freiheit.
ich bin wirklich frei. mein studium ist vorbei, ich hab kein festes zu hause mehr, keine termine, keine arbeitszeiten. nichts. nur ich am anfang meiner großen reise. und auf einmal war alles wie letztes jahr! ich hatte dermaßen bauchkribbeln vor lauter glück, dass ich eine gänsehaut nach der anderen gekriegt hab.
ein bisschen später hat mir ein kleiner mann im schwarz-gelb-gestreiften bienenlook-shirt seinen platz angeboten. ich konnte mir schon denken, dass das ganze mit nem haken verbunden sein würde, aber widerstehen konnt ich trotzdem nicht. neben mir saß dann ne total nette omi, die mich in regelmäßigen abständen mit bonbons versorgt und mir anschließend ihr schönstes kuchenzahnlächeln geschenkt hat. sehr süß. leider musste diese omi schon bald aussteigen, sodass sich der bienenmann neben mich pflanzen konnte. und dann ging's los:
  • hallo.
  • hallo.
  • wie gehts?
  • hm. gut. danke.
    ruhe.
  • was machst du in sri lanka?
  • urlaub.
  • erstes mal sri lanka?
  • nein.
    ruhe.
  • magst du sri lanka?
    leicht genervt, aber die nettigkeit mit dem sitzplatz noch im hinterkopf, sag ich:
  • ja. wirklich schön hier.
    zufriedenes lächeln. lange ruhe. dann:
  • bin ich nicht hübsch?
  • wat?! nein!
  • aber du bist hübsch.
    ach komm. ich hab ne sonnenbrille auf, die halb so groß ist wie mein kopf. du siehst doch gar nichts!
  • hmm. danke.
    ruhe.
  • gib mir deine telefonnummer.
  • äh. nein.
  • warum nicht?
  • du bist mir zu klein.
  • achso. hast du einen freund?
  • ja, zwei sogar. beides sehr große und starke russen, die am nächsten busbahnhof auf mich warten. außerdem mach ich jetzt meine musik so laut ich kann, damit ich dich nicht mehr höre.  
verärgert und zerknirscht springt die eingebildete biene auf und verschwindet weiter vorne im busgetümmel.

bald darauf musste ich umsteigen und hab dann im zweiten bus meinen lieblingsplatz am fenster auf der meerseite erhascht. herrlich! und weil alles so gut geklappt hat, war ich pünktlich halb 6 in unawatuna, wo die jungs schon ein tolles gästehaus mit schicker terasse für uns klar gemacht haben.


dann kleiner strandspaziergang im abendlichen dämmerlicht und danach suuuper lecker essen im one love. die tante da macht das beste essen in ganz sri lanka, man kann es nicht beschreiben.

und weil es hier ja prinzipiell immer umwerfend schmeckt, ess ich auch jedes mal bis zum anschlag. das heißt konkret: lysi, du kannst uns in zeitnaher zukunft bei diversen bbp-kursen anmelden!

kugelrund haben wir drei uns dann zum happy banana geschleppt, wo gerade die party am anlaufen war. für uns hatte sich der freitagabend nach nem kleinen absacker allerdings schon erledigt, weil wir einfach zu fertig waren. um zehn lagen wir im bett, zwei nach zehn haben wir tief und fest geschlafen.

samstag war dann ein klassischer strandtag mit viel sonne und viel lesen ("warten auf schnee in havanna" von carlos eire – unbedingt lesen!!) und faulenzen und baden und spazieren gehen und so...


gegen drei sind wir dann aufgebrochen in richtung mirissa...

... und die busfahrt dahin war mal wieder klasse. da wir diesmal fälschlicherweise vorne eingestiegen sind, bin ich relativ schnell auf dem motor direkt neben dem fahrer gelandet. aber zumindest musst ich nicht in der offenen tür stehen wie die jungs.

das ganze hat sich dann mal wieder endlos in die länge gezogen, weil schon wieder ne tempelparade um die ecke gebogen kam. von meinem platz in der ersten reihe hatt ich natürlich alles top im blick...

generell war's ganz lustig da vorne, vom ansteigenden hitzepegel unter meinem hintern abgesehen...
in mirissa angekommen, sind wir schnurstracks zu unserem lieblingsgästehaus gestürmt, in dem wir vor 3 wochen wegen umbauarbeiten nicht übernachten konnten. diesmal war auch die komplette familie da und alle haben sich total gefreut, uns wiederzusehen. die wussten sogar noch, wie wir heißen!
vor lauter freude haben wir unser zimmer dann auch zum preis vom letzten jahr gekriegt. und da wir uns das zu dritt geteilt haben, waren wir letztlich mit 1,80 € pro person dabei. was will man mehr!
das geld, das wir bei der unterkunft gespart hatten, haben wir dann am strand sinnvoll in essen und cocktails investiert.

und dann hab ich auch noch ne sternschnuppe gesehen, die kurz vorm horizont ins meer gestürzt ist! eh ich mich allerdings für nen wunsch entscheiden konnte, war die wunschzeit wahrscheinlich schon lange verpufft...
ich hätte die spontane ausrottung aller insekten ins auge fassen sollen, denn zurück im gästehaus warteten einige überraschungen auf uns. die mit abstand schlimmste davon kam in form eines faustgroßen riesenkäfers durch eines unserer fenster gebrummt. ich weiß nicht wer lauter gekreischt hat, johannes oder ich. sam, unser held, hat sich dann um das vieh gekümmert, während johannes wie ein wahnsinniger aus dem zimmer gelaufen ist und ich mich unter meiner bettdecke versteckt hab.
nachden wir schon die vorangegangen 20 minuten damit verbracht hatten, moskitos zu erschlagen, war der spaß damit dann wirklich vorbei und an schlaf in diesem zimmer nicht mehr zu denken.
dank des gekreisches stand dann auch schnell die halbe familie vor unserer tür und hat uns glücklicherweise ein anderes zimmer angeboten. das haben wir uns nicht zweimal sagen lassen und so sind wir mitten in der nacht mit unseren matratzen und allem drum und dran unter den verständnislosen bis mitleidigen blicken unserer gastfamilie umgezogen.

die nacht war trotzdem schrecklich. im neuen zimmer gab's zwar moskitonetze, aber keinen ventilator. also man hatte uns zwar schnell noch einen reingestellt, der hatte allerdings schon mindestens 40 jahre aufm buckel und hat dann nach drei eher lautstarken als erfrischenden minuten endgültig das zeitliche gesegnet. außerdem haben auf der straße die ganze nacht lang ausgesetzte hundewelpen bitterlich geweint... ich glaub ich war noch nie so froh über das ende einer nacht wie am sonntag!
ein bisschen lediert und den käfer-schreck noch in den adern, haben wir den halben tag dann am traumstand von mirissa verbracht. johannes hat gelesen, sam hat gegen sich selbst karten gespielt und trotzdem ständig verloren und ich hab mich mit bangkok und seinen sehenswürdigkeiten beschäftigt. ich denke, wir werden unsere visa-wartezeit schon ganz gut rumkriegen!


und am nachmittag haben wir dann endlich auch unsere lang ersehnte zugfahrt gekriegt...


und nun macht sich langsam aber sicher aufbruchsstimmung breit. die meisten sachen sind gepackt, pakete mit aussortierten klamotten auf dem weg nach hause.
ich bin aufgeregt und voller vorfreude! ab jetzt gibt's keinen plan mehr, keine gebuchten flüge, keine festen routen... und endlich wartet das unbekannte! sri lanka war schön und zum aufwärmen genau richtig, aber ich will wieder auf landkarten gucken oder nach dem weg fragen müssen. immer der nase nach, heißt jetzt unser motto. wo es uns gefällt, da bleiben wir. wenn nicht, ziehen wir weiter.
zwar hab ich schon vor zwei wochen gesagt, ich wär startklar für die weiterreise, aber ich bin mir sicher, dass ich diesen letzten freitag unbedingt noch gebraucht habe, um zu realisieren, was jetzt vor mir liegt. und außerdem haben wir in den letzten vier wochen ja auch ne ganze menge nützlicher sachen gelernt, u.a.:
  • auf öffentlichen toiletten immer flipflops tragen und nie nach links und rechts gucken
  • weißer arrack macht weniger kopfschmerzen als brauner arrack
  • man kann abends duschen so viel man will – am nächsten morgen ist trotzdem sand im bett
  • zitronenscheiben helfen besser gegen moskitostiche als tigerbalsam, aber eigentlich hilft gar nichts wirklich gut
  • zwischen der benutzung von zitronenscheiben oder tigerbalsam und dem allabendlichen augenreiben sollte man besser hände waschen
  • spätestens, wenn aus aufgekratzten moskitostichen schon narben geworden sind, sollte man aufhören dran rumzufummeln – sieht erstens komisch aus und tut zweitens ganz schön weh
  • große spinnen sind schlimmer als große kakerlaken und etwa auf gleicher höhe mit mutierten riesenkäfern
  • ich liebe bus- und zugfahrten an der küste, sam fährt lieber durchs landesinnere
  • immer plastiktüten dabei haben
  • wir finden schnell anschluss
  • mit jedem menschen, den man unterwegs kennenlernt, ist ein baldiger abschied verbunden. es gibt keine freundschaften auf dauer
  • wenn man sich nur halbherzig und ungleichmäßig mit sonnencreme einschmiert, hat man am nächsten tag flecken wie ne kuh
  • geduld ist eine tugend
  • der mp3-player sollte immer voll aufgeladen sein. es dauert immer länger, als geplant
  • die zeit bleibt stehen, wenn man wellen beobachtet
  • man kann rumlaufen wie der letzte schlumpi und sich trotzdem pudelwohl fühlen
  • je weniger straßenverkehrsregeln, desto größer das chaos, desto weniger unfälle passieren
  • mindestens einmal am tag eindrücke aufschreiben, um bloß nichts zu vergessen
  • erlebnisse sind leichter zu beschreiben als gedanken
  • die günstigen preise verlocken. automatisch denkt man weniger über geld nach und guckt dann in die röhre, wenn nach drei tagen schon wieder hundert euro flöten gegangen sind... an dieser taktik müssen wir dringend arbeiten!
  • verständigung klappt immer
  • man kann viel vermissen ohne heimweh zu haben
  • planen ist sinnlos.
ausgerüstet mit diesem grundwissen, unseren abgespeckten rucksäcken und einer hoffentlich einwandfrei funktionierenden bauchgegend machen wir uns morgen früh um halb vier also auf den weg zum flughafen. wir haben zehn stunden flug mit zwischenlandung in kuala lumpur vor uns und wenn wir in bangkok landen, ist es schon dunkel. dann schnappen wir uns ein taxi und haben 30 km vom flughafen in die innenstadt zeit, um uns von der riesigen metropole berauschen zu lassen. und morgen abend, irgendwann gegen mitternacht, werden wir wohl auf den bettkanten in unserem hotel in bangkok sitzen und völlig geplättet sein...

so ihr lieben, das war die letzte meldung aus sri lanka. das nächste lebenszeichen kommt dann aus zeitzone mesz+5... 
jetzt geht's endlich richtig los!

bauchkribbel-freiheitsgefühl-lied
...spätestens bei 0:54 volle butze aufdrehen! 
(oma und opa, ihr bitte nicht)

1 Kommentar:

  1. :D :D :D ...ich krieg mich nicht wieder ein... :D :D :D ... aber ehr ich es vergesse: GUTE BESSERUNG und GUTE REISE!!

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