Sonntag, 1. Juli 2012

Walking on a Dream

Na ihr Lieben!

Da bin ich also wieder... Die meisten von euch hab ich ja schon gesehen, fuer alle anderen gibt's ein allerletztes Update. Da der Abschied in Neuseeland traumatisierend traurig war und ich gar nicht dran denken moechte, steigen wir am Besten erst beim Rueckflug ein. Dreissig Stunden mit Fliegern unterwegs zu sein, klingt nicht annaehernd so anstrengend wie es ist. Ehrlich. Die ersten sieben Stunden nach Brisbane waren noch ok, ich hatte die ganze Sitzreihe fuer mich und konnte ausgelassen schluchzen und schniefen, ohne jemanden zu belaestigen. Das Emirates-Boardprogramm war der Kracher, sodass ich erst Big Miracle, dann ein paar Folgen von The Office und schliesslich Take That live in Manchester gucken konnte. Nach der Zwischenlandung in Australien (ich wurde aus dem Flugzeug gekantet und musste eine Runde um den Flughafen laufen, nur um dann im gleichen Flugzeug auf dem gleichen Platz zu sitzen) ging es fuenfzehn Stunden lang nach Dubai. Fuenfzehn Stunden in einem Flugzeug, das voll war bis unter die Decke. Neben mir sassen zwei Australier, die erst gar nicht reden wollten und dann nicht wieder zu bremsen waren. Sich demonstrativ die Kopfhoerer in die Ohren zu stecken, ist scheinbar kein internationales Zeichen fuer "Ich will jetzt wirklich nicht mehr mit dir reden". Und so hatte ich nicht eine Stunde geschlafen, kannte dafuer aber die Lebensgeschichten der beiden Australier, ihrer schwerkranken Oma in London und deren zwei Katzen. Unsere Flugstrecke fuehrte mich uebrigens zurueck nach Java und Sumatra, Malaysia haben wir kurz geschnitten, an Thailands Westkueste sind wir hoch und dann im Bogen ueber den Norden Sri Lankas Richtung Dubai geflogen. War ja auch ohne theatralische Flugroute noch nicht schwer genug... In Dubai war ich schon so neben der Spur, dass ich's gerade noch geschafft hab, mir im Duty Free ne Stange Zigarette fuer elf Euro zu kaufen, bevor ich vorm naechsten Gate ueberstuerzt eingeschlafen bin. Nach zwei Stunden Aufenthalt ging's in das dritte und letzte Flugzeug, weitere sieben Stunden nach Hamburg. Und erst bei der dieser dritten und letzten Landung war mir auf einmal schlagartig bewusst, dass ich gleich meine Familie wiedersehen wuerde. Herzrasen. Zum Glueck war mein Rucksack zur Abwechslung mal nicht der letzte auf dem Rollband, sodass ich schon 20 Minuten nach der Landung in die Empfangshalle schreiten konnte. Und da stand mein jubelndes Empfangskommando! Angekuendigt waren nur Mami, Papi und Ines, aber auch mein kleiner Kaya hat schulfrei bekommen und war mit an Bord. Und sogar Stephie war da! Ich hab mich so gefreut!!
 
Die Fahrt nach Hause dauerte gute drei Stunden, in denen ich mich gefuehlt hab wie Falschgeld. Hundemuede, gluecklich, traurig, verwirrt wegen falscher Strassenseite... In Halberstadt angekommen sind wir nicht gleich nach Hause gefahren. Zuerst ging's noch in die Werkstatt, um angeblich noch fix ne Rechnung zu bezahlen. Fast beilaeufig drueckt mir mein Papi einen Schluessel in die Hand und sagt, ich soll da mal draufdruecken. Mach ich, und ein kleines Auto reagiert. Der Schluessel funktioniert, Papi. Alle gucken mich erwartungsvoll an (ein bisschen so wie meine Reisegruppe im Dschungel auf Sumatra, als mich der Orang Utan festgehalten hat). Und wie immer dauert es ein bisschen, eh ich's verstehe. Das ist mein Auto. Du liebe Guete, ist ja'n Kracher! Happy und ueberdreht und auch ein bisschen ueberfordert ging's dann endlich nach Hause. Und da wartete die naechste Ueberraschung des Tages: eine Willkommensparty, nur fuer mich! Ich war sowas von baff! Da haben die das alle schon ueber Wochen geplant, und ich hab absolut nichts geahnt... Dieser Tag war unbeschreiblich schoen. Kennt ihr das, wenn man manchmal nen Film guckt und sich wuenscht, das einem sowas Tolles auch mal passierent? Genauso war das. Ich hab wirklich ne klasse Familie und mit Lysi und Domi zwei ganz tolle Maedels, die an meiner Seite stehen wie Doppelhaushaelften. War ich froh, dass der erste Abend zu Hause was Besonderes war! 

Die ersten anderthalb Wochen waren dann ein bisschen so, als haette man mich in eine Achterbahn verfrachtet und in doppelter Geschwindigkeit durch mein Leben geschossen. Anschnallen, gut festhalten und ab geht die Post. Immer schoen winken – hallo Familie, hallo Freunde, hallo Auto, oh hallo Selbststaendigkeit! Hui, ganz schoen schnell, noch ein Looping und noch einer, man ist mir schwindlig! Weiter winken und laecheln, alle freuen sich so und ich mich auch, und alles rast nur so an mir vorbei. Kann man auch kurz mal anhalten? Nur ganz kurz, zum durchatmen? Geht nicht, also im Buegel festkrallen, Augen zu und durch. Nochmal geht's mit Schwung um die Kurve, da ist meine Wohnung und ein voller Terminkalender, und es warten schon Moebelhaeuser und Existenzgruendungsseminare... Ganz langsam verlier ich jetzt endlich an Geschwindigkeit, kein Fahrtwind peitscht mehr ins Gesicht, sodass ich mich mal in Ruhe umsehen kann. Da steht ein Auto in der Einfahrt, das meins ist. Morgen unterschreib ich den Mietvertrag zu einer wunderschoenen Wohnung und naechste Woche fang ich an, als freie Journalistin zu arbeiten. Wieviel Glueck kann man eigentlich haben? Wo kam das alles her? Falls mir das im Nachhinein nochmal jemand schrittweise erklaeren koennte, waere ich sehr dankbar. Es ging sogar alles so schnell, dass ich ueberhaupt keine Zeit hatte, richtig anzukommen. Wenn ich vor Monaten an die ersten Wochen zu Hause gedacht hab, dann hab ich mich eigentlich immer umzingelt von nem Taschentuchberg im Bett eingerodet vermutet, die Augen starr auf meine Reise-Dia-Show gerichtet. Tatsaechlich hab ich mir aber noch nicht ein einziges Fotoalbum angesehen, seit ich hier bin! Ich bin ueberhaupt noch gar nicht dazu gekommen, mein Reisedasein zu vermissen... Was aber immer fehlt, ist Sam an meiner Seite. Obwohl ich so abgelenkt bin und die Tage nicht genug Stunden haben, ueberrollt es mich manchmal dermassen, dass ich gar nicht atmen kann. Koennt ihr euch vorstellen, zehn Monate lang jede einzelne Sekunde mit ein und derselben Person zu verbringen und dann ganz ploetzlich einfach nicht mehr? Das ist nicht nur vermissen, das ist als haette mir jemand den Arm abgeschnitten. Wir haben so viel zusammen erlebt und waren unsere eigene kleine Familie. Und jetzt bin ich hier und Sam ist am anderen Ende der Welt, und wir haben keine Ahnung, wann wir uns mal wiedersehen. Kloss im Hals. Ich glaub ich steig wieder in meine Achterbahn, da kommt man wenigstens nicht zum traurig sein.

Tja, ihr Lieben. Und damit sind wir fast durch. Das hier ist mein 45. Blogeintrag, wir sind jetzt bei genau 9.550 Klicks. Ein Blog wurde am Tag der Veroeffentlichung durchschnittlich 110 Mal gelesen, und euer Nutzerverhalten gibt mir Raetsel auf – manchmal hatte ich am Tag 73 Klicks, obwohl ich erst drei Tage vorher was Neues geschrieben hatte. Wie kommt das? Der meistgelesene Eintrag ist mit wirklich uebergrossem Abstand der Silvester-Krankenhaus-alles-kacke-Blog (schaemt euch!). Die meist genutzte Zugriffsquelle ist meine FB-Seite, allerdings haben mich ein paar Leute auch per Zufall ueber Google gefunden (meine Lieblingssucheanfrage: Hoehle mieten fuer Techno-Party in Laos).
Es hat mir unheimlich viel Spass gemacht, diesen Blog zu schreiben. Ihr seid immer mit dabei gewesen. Was mach ich denn jetzt nur mit meinen Gedanken? Muss ich die jetzt fuer mich behalten? Mir wird das ganz schoen fehlen... Ich habe sechs vollgeschriebene Notizbuecher, die sich anfuehlen wie mein Schatz. Jeder Gedanke steht da drin, und nur ein paar davon haben's irgendwann in den Blog geschafft. Was fuer ein Abenteuer das war! Ueber zehn Monate ist es jetzt her, dass ich auf dem ponylosen Ponyhof in Muenchen sass... Es fuehlt sich an wie ein Traum. Ein riesengrosser, absolut perfekter Traum. Ich bin so gluecklich, dass ich mutig genug war.
Ich danke euch fuer eure Muehe, immer in Kontakt zu bleiben, die vielen lieben Nachrichten und dafuer, dass mich keiner vergessen hat. Ich hatte den besten Reisepartner der Welt und die schoenste Willkommensfeier zu Hause, die man sich vorstellen kann. Hab ich ein Glueck!
Macht's gut, ihr Lieben. Ab jetzt telefonieren wir wieder.


 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 



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