Na ihr Lieben!
Da bin ich also wieder... Die meisten
von euch hab ich ja schon gesehen, fuer alle anderen gibt's ein allerletztes Update. Da der Abschied in
Neuseeland traumatisierend traurig war und ich gar nicht dran denken
moechte, steigen wir am Besten erst beim Rueckflug ein. Dreissig
Stunden mit Fliegern unterwegs zu sein, klingt nicht annaehernd so
anstrengend wie es ist. Ehrlich. Die ersten sieben Stunden nach
Brisbane waren noch ok, ich hatte die ganze Sitzreihe fuer mich und
konnte ausgelassen schluchzen und schniefen, ohne jemanden zu
belaestigen. Das Emirates-Boardprogramm war der Kracher, sodass ich
erst Big Miracle, dann ein paar Folgen von The Office
und schliesslich Take That live in Manchester gucken konnte. Nach der Zwischenlandung in Australien (ich wurde
aus dem Flugzeug gekantet und musste eine Runde um den Flughafen
laufen, nur um dann im gleichen Flugzeug auf dem gleichen Platz zu
sitzen) ging es fuenfzehn Stunden lang nach Dubai. Fuenfzehn Stunden
in einem Flugzeug, das voll war bis unter die Decke. Neben mir sassen
zwei Australier, die erst gar nicht reden wollten und dann nicht
wieder zu bremsen waren. Sich demonstrativ die Kopfhoerer in die
Ohren zu stecken, ist scheinbar kein internationales Zeichen fuer
"Ich will jetzt wirklich nicht mehr mit dir reden". Und so
hatte ich nicht eine Stunde geschlafen, kannte dafuer aber die
Lebensgeschichten der beiden Australier, ihrer schwerkranken Oma in
London und deren zwei Katzen. Unsere Flugstrecke fuehrte mich
uebrigens zurueck nach Java und Sumatra, Malaysia haben wir kurz
geschnitten, an Thailands Westkueste sind wir hoch und dann im Bogen
ueber den Norden Sri Lankas Richtung Dubai geflogen. War ja auch ohne
theatralische Flugroute noch nicht schwer genug... In Dubai war ich
schon so neben der Spur, dass ich's gerade noch geschafft hab, mir im
Duty Free ne Stange Zigarette fuer elf Euro zu kaufen, bevor ich vorm
naechsten Gate ueberstuerzt eingeschlafen bin. Nach zwei Stunden
Aufenthalt ging's in das dritte und letzte Flugzeug, weitere sieben
Stunden nach Hamburg. Und erst bei der dieser dritten und letzten
Landung war mir auf einmal schlagartig bewusst, dass ich gleich meine
Familie wiedersehen wuerde. Herzrasen. Zum Glueck war mein Rucksack
zur Abwechslung mal nicht der letzte auf dem Rollband, sodass ich
schon 20 Minuten nach der Landung in die Empfangshalle schreiten
konnte. Und da stand mein jubelndes Empfangskommando! Angekuendigt
waren nur Mami, Papi und Ines, aber auch mein kleiner Kaya hat
schulfrei bekommen und war mit an Bord. Und sogar Stephie war da! Ich
hab mich so gefreut!!
Die Fahrt nach Hause dauerte gute drei
Stunden, in denen ich mich gefuehlt hab wie Falschgeld. Hundemuede,
gluecklich, traurig, verwirrt wegen falscher Strassenseite... In
Halberstadt angekommen sind wir nicht gleich nach Hause gefahren.
Zuerst ging's noch in die Werkstatt, um angeblich noch fix ne
Rechnung zu bezahlen. Fast beilaeufig drueckt mir mein Papi einen
Schluessel in die Hand und sagt, ich soll da mal draufdruecken. Mach
ich, und ein kleines Auto reagiert. Der Schluessel funktioniert,
Papi. Alle gucken mich erwartungsvoll an (ein bisschen so wie meine
Reisegruppe im Dschungel auf Sumatra, als mich der Orang Utan
festgehalten hat). Und wie immer dauert es ein bisschen, eh ich's
verstehe. Das ist mein Auto. Du liebe Guete, ist ja'n Kracher! Happy
und ueberdreht und auch ein bisschen ueberfordert ging's dann endlich
nach Hause. Und da wartete die naechste Ueberraschung des Tages: eine
Willkommensparty, nur fuer mich! Ich war sowas von baff! Da haben die
das alle schon ueber Wochen geplant, und ich hab absolut nichts
geahnt... Dieser Tag war unbeschreiblich schoen. Kennt ihr das, wenn
man manchmal nen Film guckt und sich wuenscht, das einem sowas Tolles
auch mal passierent? Genauso war das. Ich hab wirklich ne klasse
Familie und mit Lysi und Domi zwei ganz tolle Maedels, die an
meiner Seite stehen wie Doppelhaushaelften. War ich froh, dass der
erste Abend zu Hause was Besonderes war!
Die ersten anderthalb Wochen waren dann
ein bisschen so, als haette man mich in eine Achterbahn verfrachtet
und in doppelter Geschwindigkeit durch mein Leben geschossen.
Anschnallen, gut festhalten und ab geht die Post. Immer schoen winken
– hallo Familie, hallo Freunde, hallo Auto, oh hallo
Selbststaendigkeit! Hui, ganz schoen schnell, noch ein Looping und
noch einer, man ist mir schwindlig! Weiter winken und laecheln, alle
freuen sich so und ich mich auch, und alles rast nur so an mir
vorbei. Kann man auch kurz mal anhalten? Nur ganz kurz, zum
durchatmen? Geht nicht, also im Buegel festkrallen, Augen zu und
durch. Nochmal geht's mit Schwung um die Kurve, da ist meine Wohnung
und ein voller Terminkalender, und es warten schon Moebelhaeuser und
Existenzgruendungsseminare... Ganz langsam verlier ich jetzt endlich
an Geschwindigkeit, kein Fahrtwind peitscht mehr ins Gesicht, sodass
ich mich mal in Ruhe umsehen kann. Da steht ein Auto in der Einfahrt,
das meins ist. Morgen unterschreib ich den Mietvertrag zu einer
wunderschoenen Wohnung und naechste Woche fang ich an, als freie
Journalistin zu arbeiten. Wieviel Glueck kann man eigentlich haben?
Wo kam das alles her? Falls mir das im Nachhinein nochmal jemand
schrittweise erklaeren koennte, waere ich sehr dankbar. Es ging sogar
alles so schnell, dass ich ueberhaupt keine Zeit hatte, richtig
anzukommen. Wenn ich vor Monaten an die ersten Wochen zu Hause
gedacht hab, dann hab ich mich eigentlich immer umzingelt von nem
Taschentuchberg im Bett eingerodet vermutet, die Augen starr auf
meine Reise-Dia-Show gerichtet. Tatsaechlich hab ich mir aber noch
nicht ein einziges Fotoalbum angesehen, seit ich hier bin! Ich bin ueberhaupt
noch gar nicht dazu gekommen, mein Reisedasein zu vermissen... Was
aber immer fehlt, ist Sam an meiner Seite. Obwohl ich so abgelenkt
bin und die Tage nicht genug Stunden haben, ueberrollt es mich
manchmal dermassen, dass ich gar nicht atmen kann. Koennt ihr euch
vorstellen, zehn Monate lang jede einzelne Sekunde mit ein und
derselben Person zu verbringen und dann ganz ploetzlich einfach nicht
mehr? Das ist nicht nur vermissen, das ist als haette mir jemand den
Arm abgeschnitten. Wir haben so viel zusammen erlebt und waren unsere
eigene kleine Familie. Und jetzt bin ich hier und Sam ist am anderen
Ende der Welt, und wir haben keine Ahnung, wann wir uns mal
wiedersehen. Kloss im Hals. Ich glaub ich steig wieder in meine
Achterbahn, da kommt man wenigstens nicht zum traurig sein.
Tja, ihr Lieben. Und damit sind wir
fast durch. Das hier ist mein 45. Blogeintrag, wir sind jetzt bei
genau 9.550 Klicks. Ein Blog wurde am Tag der Veroeffentlichung
durchschnittlich 110 Mal gelesen, und euer Nutzerverhalten gibt mir
Raetsel auf – manchmal hatte ich am Tag 73 Klicks, obwohl ich erst
drei Tage vorher was Neues geschrieben hatte. Wie kommt das? Der
meistgelesene Eintrag ist mit wirklich uebergrossem Abstand der
Silvester-Krankenhaus-alles-kacke-Blog (schaemt euch!). Die meist
genutzte Zugriffsquelle ist meine FB-Seite, allerdings haben mich ein
paar Leute auch per Zufall ueber Google gefunden (meine
Lieblingssucheanfrage: Hoehle mieten fuer Techno-Party in Laos).
Es hat mir unheimlich viel Spass
gemacht, diesen Blog zu schreiben. Ihr seid immer mit dabei gewesen.
Was mach ich denn jetzt nur mit meinen Gedanken? Muss ich die jetzt
fuer mich behalten? Mir wird das ganz schoen fehlen... Ich habe sechs
vollgeschriebene Notizbuecher, die sich anfuehlen wie mein Schatz.
Jeder Gedanke steht da drin, und nur ein paar davon haben's
irgendwann in den Blog geschafft. Was fuer ein Abenteuer das war!
Ueber zehn Monate ist es jetzt her, dass ich auf dem ponylosen
Ponyhof in Muenchen sass... Es fuehlt sich an wie ein Traum. Ein
riesengrosser, absolut perfekter Traum. Ich bin so gluecklich, dass
ich mutig genug war.
Ich danke euch fuer eure Muehe, immer
in Kontakt zu bleiben, die vielen lieben Nachrichten und dafuer, dass
mich keiner vergessen hat. Ich hatte den besten Reisepartner der Welt
und die schoenste Willkommensfeier zu Hause, die man sich vorstellen
kann. Hab ich ein Glueck!
Macht's gut, ihr Lieben. Ab jetzt
telefonieren wir wieder.

MIST; jetzt sind meine Taschentücher alle.......
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