Montag, 30. April 2012

Apfelei vorbei!

Nach fuenf Wochen Plackerei, rund 450.000 gepflueckten Aepfeln, vier freien Tagen, vier Leiterabstuerzen und etwa 200 blauen Flecken kann ich stolz verkuenden: Es ist geschafft! Und ich werde in meinem ganzen Leben nie wieder auch nur einen einzigen Apfel vom Baum rupfen... Hurra!

Die letzten Apfelwochen im Schnelldurchlauf:
Unsere acht Kisten pro Tag haben wir seit meiner letzten Meldung immer geschafft, manchmal auch neun, und einmal (es war Freitag der 13.) sogar zehn! Das lag aber vor allem daran, dass wir Bekanntschaft mit Riesenaepfeln gemacht haben. Guckt euch den hier mal an: 
 
Das ist ein Envy-Apfel, den gibt's wohl erst seit ein paar Jahren. Man hat den sozusagen genetisch perfektioniert, sodass er nicht braun wird, wenn man ihn aufschneidet. Und fuer wen? Fuer die Europaer! Jedenfalls waren diese Envys aber nicht nur mindestens doppelt so gross wie ein normaler Apfel, sondern auch mindestens doppelt so schwer. Somit konnten wir zwar unsere Kisten schneller fuellen, hatten aber eben auch doppelt so schnell Rueckenschmerzen und bewegungsunfaehige Handgelenke. 

Nach fuenf Tagen bei den Envys ging es wieder zu den Braeburns, was wir dann aber auch frustrierend fanden. Diese Aepfel schienen jetzt winzig und es dauerte Ewigkeiten unsere Holzkisten voll zu kriegen, ausserdem hatten wir waehrend der ersten Tage nach dem Wechsel noch so einen Schwung drauf, dass wir bei jedem Pflueckversuch den halben Baum in der Hand hatten. Das widerum fand unser Boss nicht so schoen.

Von den taeglichen Schrammen und blauen Schienenbeinen abgesehen, gibt es keine ernsthaften Verletzungen zu vermelden. Wie erwaehnt bin ich insgesamt vier Mal von der Leiter gesegelt, was nicht sonderlich zur Bekaempfung meiner Hoehenangst beigetragen hat... Den groessten Schreckensmoment hatte ich beim vierten und letzten Mal. Es war eine grosse Leiter, meine Kiepe war randvoll mit frisch gepflueckten Aepfeln, ich wollte rueckwaerts runterklettern. Man muss dazu sagen, dass sich die Koerperbalance (die bei mir ja eh nicht sehr gut ausgepraegt ist) immens verschlechtert, wenn sich 20 kg Aepfel vor dem Brustkorb befinden. Dann hat mein Fuss den bloeden Leiterspross verfehlt und schwupps, lag ich schon auf dem Ruecken und alle Aepfel sind spoettisch ueber mich hinweggekullert. Und waehrend ich mich in Gedanken schon bei Selbsthilfegruppen fuer Querschnittsgelaehmte angemeldet hab, tauchte Sam in meinem Blickfeld auf, sichtlich um ein besorgtes Gesicht bemueht.
"Alles ok?"
"Hmmm."
Das hatte ihn dann auch schon ueberzeugt und damit gab's kein Halten mehr: "Guck mal wie du aussiehst!! Wie ne tote Fliege! Bssssss... bssss..." 
Vor lauter Schreck hab ich gleich mitgelacht, und ausser ein paar neuen blauen Flecken ist ja auch nichts weiter passiert.

Das Wetter hat die ganze Zeit prima mitgespielt. Mit Ausnahme von zwei Regentagen schien jeden Tag die Sonne. Aber nachts ist es arschkalt, und die verrueckten Neuseelaender haben ja alle keine Heizung! Abends geht das ja noch, da kann man sich in drei Decken eingemummelt vors Feuer legen, aber morgens bei sechs Grad aus dem Betti krabbeln ist echt nicht feierlich. Waehrend der ersten halbe Stunde auf der Apfelplantage ist es dann auch noch kalt, aber sowie sich die Sonne ueber die Baumkronen gekaempft hat, konnten wir im T-Shirt rumspringen. Das hat jeden Tag gut geklappt, ausser letzten Samstag. Da war es morgens besonders kalt, und die Aepfel waren wie tiefgefroren, und statt der aufsteigenden Sonne gab es dauerhaften Nieselregen. Da konnten wir uns beim besten Willen nichts mehr schoen reden und von Spass konnte wirklich keine Rede mehr sein. Nicht mal ein kleines bisschen. Minusspass, sozusagen. 
Aber am Sonntag war's ja dann geschafft. Zwar haben sich die allerletzten Stunden hingezogen wie Kaugummi, aber als die letzte Kiste dann randvoll mit Aepfeln war, haben wir gejubelt ohne Ende und waren uebergluecklich.
 
Soviel zu den Apfelgeschichten... Und unsere freie Zeit haben wir so verbracht:
Am Ostermontag haben wir wie geplant einen Tagesausflug zur Golden Bay unternommen. Allein die Anfahrt hat drei Stunden gedauert, weil wir uns ueber kurvenreiche Serpentinen kaempfen mussten und ausserdem wie immer an jedem einzelnen Aussichtspunkt angehalten haben.
 
Ziel der Reise war der noerdlichste Punkt der Suedinsel, Cape Farewell, wo wir dann endlich auch unseren ersten Seeloewen erspaeht haben.
 
Danach haben wir den Whaikiriri Beach angepeilt, zu dem man vom Parkplatz aus noch eine halbe Stunde durch Wald und Wiesen wandern muss. Das hat sich aber mehr als gelohnt, denn dieser Strand war einfach riesig und wirklich atemberaubend schoen. Manchmal tummeln sich dort auch Seeloewenbabies, aber wir haben leider keine gefunden. Stattdessen praesentierte sich uns nur ein toter Pinguin...
 
 
Auf dem Rueckweg haben wir noch fix an den Pupu Springs angehalten. Das sind die groessten Suesswasserquellen Neuseelands und die klarsten Quellen der Welt (nur das Wasser unter dem Suedpol ist noch klarer). Hier stroemen 15.000 Liter pro Sekunde aus dem Boden in einen See, von dem dann ein Fluss ins Meer fuehrt.
Und als wir dann am spaeten Nachmittag wieder Richtung Motueka gefahren sind, ist die Sonne hinter den Bergen (ueber denen die Vogelperspektiven von Herr der Ringe gedreht wurden) untergegangen und wir mussten erneut andauernd anhalten, um die Aussicht ausgiebig zu bestaunen.
 
Tja, und sonst... Letzte Woche hatten wir Besuchvon unseren Vormietern Sina und Jule aus Deutschland. Es wurden dann fleissig Reisegeschichten ausgetauscht und irgendwann berichtete die Jule ganz euphorisch von einer Begegnung im Supermarkt, als ihr ein Maedchen auf die Schulter tippte, das sie von zu Hause kannte. Ein Maedchen namens Ulli. Ulli aus Potsdam. Ha! Als ich ihr dann erzaehlt hab, dass ich mit besagter Ulli studiert hab und sie erst eine Woche vorher auch hier zu Besuch war, sind ihr fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Es ist ja aber auch wirklich verrueckt. Irgendwann - ich glaube, es war waehrend des Studiums - hab ich mal gehoert, dass jeder Mensch ueber maximal sieben Ecken mit jedem anderen beliebigen Menschen auf der Welt Kontakt aufnehmen koennte, weil jeder jemanden kennt, der jemanden kennt... Mittlerweile kann ich mir wirklich vorstellen, dass das hinkommt.

Gestern, an unserem ersten komplett apfelfreien Tag, haben wir angefangen unsere Sachen auszusortieren und zu packen, und ausserdem haben wir echt viel geschlafen. Und heute waren wir im Abel Tasman Nationalpark unterwegs. Der ist naemlich der eigentliche Grund dafuer, warum Touris ueberhaupt in diese Region hier kommen. Und da wir es in fuenf Wochen nicht geschafft haben, mussten wir eben kurz vor der Abreise noch fix ein Auge schrauben. Man kann den Park nur per Wassertaxi erreichen, oder zu Fuss. Da so ein Wassertaxi aber ganz schoen teuer ist, sind wir mit dem Auto soweit gefahren wie moeglich und dann einfach drauf los gestiefelt.
 
 

Tja, und nun heisst es auch langsam Abschied nehmen. Morgen frueh werden wir unser Auto beladen und dann endlich wieder losduesen. Allerdings wissen wir noch nicht wohin. Obwohl wir schon seit Monaten darueber nachdenken, ob wir die Ostkueste runter und die Westkueste wieder hoch brettern oder  andersrum, haben wir immer noch keinen Plan. Eigentlich wollten wir es davon abhaengig abmachen, ob sich die Orcas Anfang Mai an der Ostkueste blicken lassen oder nicht. Nun sind die noch nicht da, koennen aber quasi jeden Tag ankommen. Whale Watching stand eh auf dem Plan, aber wie cool waer das denn, die Orcas genau abzupassen! Jetzt ist also die Frage, ob wir dort als erstes hinfahren und abwarten, oder ob wir pokern und erst in zwei/drei Wochen da eintrudeln, mit dem Risiko die Killerwale zu verpassen. Wahrscheinlich entscheiden wir das morgen ganz spontan, wenn wir irgendwann an der Ampel stehen und nur nach rechts oder links koennen... Tatsaechlich freu ich mich riesig, dass wir weiterziehen und endlich auch was von der Suedinsel sehen. Wir haben uns schon mit Waermflaschen eingedeckt, damit wir die Naechte im Auto ueberleben, und wir haben nen Haufen dicke Sachen beim Roten Kreuz und in Second Hand Laeden besorgt. Insgesamt sehen wir damit zwar aus wie Zigeuner, aber was soll's, schliesslich wird es hier jetzt Winter!

So, und damit war's das fuer heute. Aber nicht ohne noch schnell darauf hinzuweisen, dass ich in unglaublichen SIEBEN WOCHEN schon wieder zu Hause bin. Ich fass es nicht!
In diesem Sinne, macht's gut, ihr Lieben und fuehlt euch umarmt!

(unser Nummer-1-gute-Laune-Lied im Moment)

2 Kommentare:

  1. Hallo,
    toller Bericht, kannst du mir weitere Informationen zur Sorte Envy verraten. Bin selbst Obstbauer und es ist schwierig etwas über diese Neuheit zu erfragen.
    Wie schmeckt Sie, was hielt dein Chef von der neuen Sorte?

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  2. Einfach eine Email an caroinsoasien@hotmail.de schicken, dann meld ich mich.

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