Freitag, 2. März 2012

Kia Ora!

… heisst hier in Neuseeland so viel wie 'Willkommen und hallo!'
Zuallererst: Ja, ich lebe noch. Danke fuer die lieben Nachrichten, es geht uns gut, ich bin nur gerade wirklich extrem faul. Vor anderthalb Wochen sind wir im schoenen Auckland angekommen und wohnen seitdem bei Sams’s Familie, genauer gesagt bei seinem Cousin Andy, dessen Frau Jo und deren Kindern Aimee und Ben. Und hier lassen mir mal so richtig die Seele baumeln… Ihr habt keine Vorstellung davon, wie sehr man ein eigenes Zimmer, eine Waschmaschine und einen vollen Kuehlschrank zu schaetzen wissen kann. Wir werden hier total verwoehnt, kriegen jeden Abend ein hammermaessiges Abendessen vor die Nase gesetzt (bei unserer Ankunft hat man uns relativ schonungslos vermittelt, wie abgemagert wir aussehen, deshalb werden wir jetzt gemestet) und die Nachmittage verbringen wir mit Aimee und Ben auf dem Trampolin im Garten oder mit Holzeisenbahnen auf dem Wohnzimmerteppich. Ihr koennt es euch bestimmt schon denken – besonders viele Abenteuer erleben wir gerade nicht. Wir wurden schon lange nicht mehr von Orang Utans attackiert und kulturelle Entdeckertouren durch zerfallene Tempellandschaften liegen auch schon etwas zurueck. Wir sind jetzt stinklangweilig.

Bevor wir aber zu Langweilern mutierten, waren wir ja noch in Singapur. Und weil ich euch davon noch gar nichts erzaehlt hab, hol ich das jetzt nach.
Dort gelandet sind wir an einem Samstagmorgen, nach einer schlaflosen Nacht auf dem Flughafen in Bali. Mit der Metro haben wir uns dann durch verschiedene Stadtviertel gekaempft, bis wir nach drei Stunden endlich eine Unterkunft gefunden hatten, die einigermassen bezahlbar war. Singapur ist die mit Abstand teuerste Stadt, in der ich jemals war. Fuer ein Doppelzimmer ohne Bad haben wir 40 Euro bezahlt!
Weil wir unseren Schlafmangel dann erstmal kompensieren mussten, haben wir uns erst am Sonntag auf Erkundungstour begeben. Zu Fuss ging es quer durch ein paar Stadtviertel bis zur Harbour Front, vorbei an allen Sehenswuerdigkeiten…
der groesste Brunnen der Welt
Meine Omi hat mir vor ein paar Wochen erzaehlt, dass Singapur die sauberste Stadt der Welt ist. Schnell fanden wir auch heraus, warum: Wer Zigarettenstummel auf den Fussweg schmeisst, zahlt 5.000 Dollar Strafe. Essen und Trinken in Metrostationen und der Metro kostet 500 Dollar. Ausserdem darf man die Strasse nur an Ampelkreuzungen ueberqueren, sonst darf man ebenfalls 500 Euro austueten. Um staatliche Einnahmen muss sich Singapur ganz offensichtlich keine Sorgen machen.
Schliesslich sind wir am Nachmittag per Zufall bei einem Soundcheck fuer ein kleines Festival gelandet, das am Abend stattfinden sollte – so ganz for free. Also sind wir da nach Sonnenuntergang wieder hingewandert und haben zwei tolle Bands gesehen (wer mag, kann ja MUON mal bei Facebook suchen), waehrend der Marina Sky Park mit dem Schiff aufm Dach im Hintergrund eine atemberaubende Lazershow gezeigt hat.
Nach so viel Freude wurde es dann ja auch mal wieder allerhoechste Zeit fuer einen Stimmungsdaempfer, der dann am Montag auch prompt folgen sollte. Es kam uns schon ein bisschen spanisch vor, dass wir immer noch keine Antwort auf unseren Visaantrag fuer Neuseeland hatten, schliesslich sollte ja am Mittwoch schon unser Flieger gehen. Also haben wir beschlossen, den Weg zur Botschaft anzutreten. Dort teilte man uns mit, dass unsere Antraege noch nicht einmal in Bearbeitung waeren, weil man in Neuseeland noch auf unsere Roentgenaufnahmen aus Bali warten wuerde. Da von einer Zusendung per Post aber nie die Rede war und meine Uni leider keine Hellseherkurse angeboten hat, haben wir die Teile (in A2-Format!) tagelang mit uns herum geschleppt, in der Ueberzeugung, wir wuerden die bei der Einreise vorzeigen muessen. Tja, und nun, zwei Tage vorm Abflug war das Geschrei natuerlich gross. Der Tag flog nur so dahin, zwei Mal sind wir zwischen Botschaft und Hotel hin und her gehetzt, um alle noetigen Unterlagen und dann doch schon unsere Roentgenaufnahmen zu holen; wir hingen stundenlang in Warteschleifen mit aetzender Panfloetenmusik, um dann aber immerhin schon mal den Namen unserer Sachbearbeiter herauszufinden. Meiner war gerade im Urlaub. Immerhin hat dann die Botschaftstante aber unsere tuberkulosefreien Brustkoerbe ins System aufgenommen und ein paar Leute in Neuseeland kontaktiert, und dann hiess es fuer uns nur noch Warten und Daumen druecken.
Um uns auf andere Gedanken zu bringen, sind wir durch ein paar Einkaufszentren geschlendert. Diese hatten mit dem Magdeburger Allee-Center nicht besonders viel gemein – statt Rentnern und dreifarbigen Frisuren waren Maenner in Anzug und Frauen in Gucci-Jogginganzug unterwegs, um ihren Wocheneinkauf in ueberdimensionalen und goldverzierten Supermaerkten zu erledigen. Wir hingegen haben uns die Nasen an den Schaufenstern plattgedrueckt. Und dann ein Wunder, ein regenbogenfarbener Lichtblick in Form des Kindertraums schlechthin: zwischen all den D&G-, Armani- und Cartier-Shops tauchte ein Toys’R’Us in Groesse von drei Fussballstadien auf. Damit war der Tag gerettet!
fuer Frank!
Den Dienstag haben wir im Zoo verbracht, der zu Recht zu einem der schoensten Zoos der Welt zaehlt.
Fusslahm und platt kamen wir abends wieder im Hostel an, wo dann die heiss ersehnten Visa in unseren E-Mail-Postfaechern auf uns warteten. Voellig befluegelt von dieser Neuigkeit haben wir auf dem Absatz kehrt und uns auf den Weg zum Hafen gemacht, wo ich mir zum ersten Mal seit acht Wochen ein Glas Wein gegoennt hab. Obwohl das nicht viel groesser war als ein Fingerhut, war ich ziemlich schnell beschwippst (nichts Gutes mehr gewoehnt). Spaeter sind wir in eine Bar auf einer riesigen Holzbruecke umgezogen, von der wir die Skyline in voller Schoenheit sehen konnten. Ein Mann hat auf seiner Gitarre Lieder von Angus und Julia Stone gespielt, und da sassen wir dann beide, in Erinnerungen schwelgend, gluecklich und wehmuetig zugleich. Unser letzter Abend in Asien haette nicht schoener sein koennen. 
Da wir am Mittwoch erst Abends geflogen sind, hatten wir noch den halben Tag Zeit, um eine letzte Mission zu erfuellen: die Formel-1-Strecke in Singapur abzulaufen. Irgendwann haben wir dann sogar die Boxengasse gefunden. Ihr haettet Sam mal sehen sollen, der war voellig ausser sich vor Freude! Ich fand’s ueberraschenderweise auch ganz cool, da so hin und her zu marschieren. 
Am Nachmittag sind wir dann zum Flughafen gefahren, dessen Dimensionen Singapur nicht besser haetten repraesentieren koennen. Drei riesige Terminals, Luxusausstattung, TV-Lounge und Raucheraquarien, die groesser waren als meine letzten beiden Wohnungen zusammen. Puenktlich zum Sonnenuntergang sind wir dann gestartet. Das in orange getauchte Singapur mit all seinen Lichtern war das Letzte, das wir von Asien sehen sollten, bevor wir in den Wolken verschwanden.

Geflogen sind wir mit Jetstar, definitiv zum ersten und letzten Mal. Ziel des Zehnstundenflugs war ganz offensichtlich, kein einziges Luftloch zu verpassen. Ausserdem war im Preis nichts inbegriffen. Essen und Getraenke mussten wir uns kaufen (zwei Wraps, eine Cola und zwei Wasser fuer 37 Euro)…
... und Filme gab’s nur auf Jetstar-eigenen Ipads, die man sich fuer 40 Euro haette leihen koennen. Arschkrampen. Weil auch die Landung alles andere als geschmeidig war, hab ich’s noch vor dem Einparken geschafft, die teuerste Cola der Welt zurueck ins Flugzeug zu befoerdern. Troestlicherweise war ich nicht die Einzige.
Am Flughafen haben dann schon Andy and Sam’s Grosstante auf uns gewartet, und nachdem wir das Haus bewundert, uns mit den Kindern angefreundet und ein bisschen Small Talk gefuehrt hatten, haben wir unseren gesamten Rucksackinhalt in die Waschmaschine befoerdert und sind dann prompt eingedoest. Ich hab sowohl den Abend als auch den darauffolgenden Morgen verpennt, war fuer ein paar Stunden wach und hab dann weitere 13 Stunden geschlafen. Es gab wohl einiges aufzuholen. Und je laenger wir hier waren, desto mehr haben wir gemerkt, wie erschoepft wir eigentlich sind. Also haben wir schnell beschlossen, es ganz langsam anzugehen. Und nun sind wir schon anderthalb Wochen hier, in denen wir so gut wie nichts gemacht haben. Immerhin haben wir aber schon ein paar Stundrunden gedreht und Auckland fuer huebsch befunden, und gleich am zweiten Abend hat Andy uns zu einem Rugby-Match mitgenommen. Das war ganz grossartig, weil das der lustigste Sport ist, den ich je gesehen hab. 

Wir haben ein paar Ausfluege in Familie gemacht, zu Parks und Straenden, wobei ich ehrlicherweise aber sagen muss, dass mich bis jetzt noch nichts sonderlich angehoben hat. Wahrscheinlich liegt das daran, dass wir in den letzten Wochen und Monaten die schoensten Straende der Welt gesehen haben. Da kommt so schnell wohl nichts ran… Um das Ganze ein bisschen zu beschleunigen, gibt’s zusammenfassend und durcheinander ein paar Fotos:
Blick ueber Auckland von der Terrasse

Ein bisschen produktiv waren wir aber doch schon, denn gestern haben wir uns ein Auto gekauft! Eigentlich wollten wir am Wochenende ueber ein paar Automaerkte schlunzen, aber Anfang der Woche hatten wir einen Anruf vom Kfz-Mechaniker unserer Gastfamilie, der fuer uns ein Auto gefunden hat. Problem geloest. Gestern hatte wir dann eine Probefahrt und waren ganz begeistert. Ein paar Sachen muessen noch gemacht werden, bevor wir unseren neuen Freund am Dienstag abholen koennen. Und das ist er:
Alle sind ganz begeistert und prophezeien uns, dass wir an dem sogar Gewinn machen koennen, wenn wir ihn in drei Monaten wieder verkaufen. Der Autoheini wuerde ihn sogar fuer den gleichen Preis zurueckkaufen, aber vielleicht behaelt ihn Sam ja auch. Wir werden sehen.
Jetzt bleiben wir erstmal noch ne Woche hier. Morgen wollen wir zum One Tree Hill wandern (das ist einer von 49 Vulkanen in und um Auckland) und Montag wollen uns Jo's Eltern zum segeln mitnehmen. Und ausserdem muessen wir ja langsam Plaene fuer die Weiterreise schmieden. So richtig koennen wir uns zwar noch nicht vorstellen, bald wieder aus dem Rucksack zu leben, aber schliesslich gibt’s hier ja noch ne ganze Menge zu entdecken. Wir wollen Wale sehen und Eisgletscher, unberuehrte Kuesten aufspueren und das Land der Hobbits finden. Leider ist das Wetter nicht unbedingt auf unserer Seite, gestern war Herbstanfang und das kriegen wir ganz schoen zu spueren. Aber dank meiner lieben Grosseltern ist schon ein Paket unterwegs mit warmen Klamotten, sodass ich weder frieren noch mein ganzes Geld beim shoppen ausgeben muss. Neuseeland ist in so ziemlich allen Aspekten um einiges teurer als Deutschland, was nach so langer Zeit im guenstigen Asien gleich doppelt abschreckend wirkt. Aber auch das werden wir irgendwie in den Griff kriegen…

So, jetzt seid ihr wieder auf dem Laufenden. Bis zum naechsten Mal, alles Liebe und viele Druecker! 

1 Kommentar:

  1. Ach wie schön zu wissen, dass ihr so nah seid :-) Aber noch tröstlicher finde ich, dass ich nicht die einzige bin, die Visaprobleme hatte :-) Gewünscht hätte ich euch das natürlich nicht, aber ich hab genau das gleiche durch...Röntgenbild wegen Aufenthalt in Indien! Und das zwei Wochen vor Abflug, wo es dann auch noch hieß, die Bearbeitung dauert drei Wochen!!!...na ich hatte die Nase voll...ich hoffe allerdings das jetzt alles problemlos für euch verläuft und ihr noch viel Spaß habt. Was die Strände angeht, hast du wahrscheinlich recht und da wird nicht viel in Neuseeland kommen, um das toppen zu können, aber dafür werdet ihr ganz andere landschaftliche Schönheiten entdecken, da bin ich ganz sicher!!!
    Liebe Grüße von nebenan ;-)
    Diana

    AntwortenLöschen