hallo ihr lieben! seit ich das letzte mal geschrieben habe, haben wir uns etwa 300 kilometer nördlich bewegt und stecken zur zeit in einem kleinen drecksnest namens ban lung. aber eins nach dem anderen...
in phnom penh haben wir uns letztlich doch ganz wohl gefühlt, obwohl die stadt wirklich nicht so der renner ist. am zweiten tag sind wir zu den killing fields gefahren, einem vor 40 jahren zum 'arbeitslager' umfunktionierten friedhof, in dem mehr als 20.000 menschen von den roten khmer getötet wurden. obwohl ich das bedrückende gefühl eines solchen ortes von diversen kz-besuchen schon kannte, musste ich mir an einigen stellen den audioguide vom kopf reißen. um wertvolle munition zu sparen, wurden die menschen dort nicht erschossen, sondern mit bauernwerkzeugen erschlagen. in keinem killing field sind so viele frauen und kinder ermordert worden wie auf diesem. eine von pol pots weisheiten war: lieber versehentlich einen unschuldigen töten, als aus versehen einen feind verschonen. immer noch werden in der regenzeit gebeine oder zähne an die erdoberfläche befördert. in der mitte des gelände steht eine gedenkstupa, die mit 9.000 schädeln und knochen gefüllt ist. weitere bilder hab ich mir erspart.
anschließend sind wir in das damals größte foltergefängnis der roten khmer gefahen, wo sie zwischen 1975 und 1979 über ... menschen zu tode gefoltert haben. die gebäude waren vor dem einfall von pol pot in phnom penh eine schule, da die stadt ja aber innerhalb weniger wochen zur geisterstadt wurde und niemand mehr dort lebte, hat man die schule mit stacheldraht versehen und umfunktioniert. in vielen räumen im hauptgebäude standen noch die betten und foltergeräte, das zweite haus war voller winziger einzelzellen und im dritten haus wurden in den kammern fotos der opfer ausgestellt, vor und nach der folterung. diese fotos waren das schlimmste an dem ganzen gefängnis, und da ein mensch nur ein bestimmtes maß an grauen ertragen kann, haben wir schon nach der dritten kammer das haus wieder verlassen.
etwas wortkarg haben wir uns am nachmittag auf den weg ins stadtzentrum gemacht, wo wir den bedrückenden tag am flussufer ausklingen lassen wollten. allerdings hat uns ein urplötzlicher sturm einen strich durch die rechnung gemacht, sodass wir unter einstürzenden markisen und umherfliegenden hüten in eine bar geflüchtet sind. dort hat sich unser lang gehegter verdacht, dass in den cocktails im südkambodscha zwar alles aber kein alkohol war, schmerzlich bestätigt. nichts gutes mehr gewohnt, haben wir schon nach zwei cuba libre lustige artikulationsschwierigkeiten gehabt...
am nächsten morgen ging es weiter flussaufwärts richtung norden, natürlich mit dem bus. die vermeindlichen sechs stunden haben sich ohne großen überraschungseffekt als tagestour heraus gestellt, sodass wir gerade pünktlich zum sonnenuntergang im kleinen nestchen kratie gelandet sind. dank nem netten tuk-tuk-fahrer haben wir schnell ein schönes gästehaus gefunden und konnten uns mit der planung für den nächsten tag und dem grund unseres kleinen aufenthalts beschäftigen: dem aufspüren der letzten irrawadi-flussdelfine. davon gibt's in dieser mekong-region nämlich nur noch ungefähr 40 und unser glück, tiere in freier wildbahn zu beobachten, hielt sich ja bisher in beschämenden grenzen. voller zuversicht haben wir uns ein tuk tuk gechartert und sind 15 km durch die pampa bis zu einer kleinen bootsanlagestelle gedüst (wobei düsen relativ ist). ein langboot hat uns dann in die mitte des flusses gebracht – es handelt sich beim mekong um einen tatsächlich bemerkenswert großen fluss – und nachdem der motor ausgestellt war, hieß es warten. und nach gar nicht so langer zeit machte es schon pppffff und zzzzsssch, weil gleich drei delfine an der oberfläche neben uns ausgeatmet haben. so viel glück konnten wir gar nicht fassen! in den anderthalb stunden, die wir auf dem mekong verbracht haben, hat sich wohl jeder der 40 delfine mal kurz blicken lassen. ich kann gar nicht beschreiben, wie schön das war!
erkenntnis des tages war übrigens, dass flussdelfinbabys nicht schwimmen können! die müssen erst 10 bis 14 tage von muttern umher geschifft werden, bis sie selbst anfangen, ihre kleinen flossen zu hin und her zu schnippern. ist das nicht lustig? ich könnt mich kringeln! außerdem sehen die auch viel lustiger aus als richtige delfine, was man auf unseren amateurfotos bedauernswerterweise nicht so gut erkennen kann. könnten eigentlich auch vorbeischwimmende holzstämme sein...
damit ihr aber wisst, wovon ich rede, hab ich mich bei google bedient:
völlig euphorisiert haben wir auf dem rückweg nach kratie noch einen bergtempel erklommen (ich war schon nach 30 stufen außer puste)...
... und es uns am nachmittag auf dem großen balkon unseres hotels gemütlich gemacht.
und so waren wir schon am nächsten startklar zur weiterreise nach ban lung. und was soll ich euch erzählen... diese fahrt war südostasiatischer horror in perfektion. mit der absicht, uns mal was gutes zu gönnen, fiel die entscheidung diesmal auf einen minivan, der uns morgens um acht vom hotel abholen sollte und viel beinfreiheit versprach. entsprechend begeistert waren wir, als wir uns am nächsten morgen in einem für fünfzehn leute ausgerichteten minivan wiederfanden, in dem außer uns noch 23 erwachsene und drei kinder saßen, und das gepäck gemeinsam mit den etwa fünfzig sich außerdem an bord befindenden reissäcken auf dem fahrzeugboden bis zur sitzkante gestapelt wurde, sodass wir nicht nur eingequetscht, sondern auch mit angezogenen knien unsere achtstündige reise in den nordosten kambodschas starten konnten.
unsere sitzbank ganz hinten haben wir uns mit zwei deutschen mädels geteilt, mit denen wir uns abwechselnd gut zugeredet haben, dass es auch schlimmer hätte kommen können. was für ein quatsch. selbstverständlich wurde dem ganzen noch die krone aufgesetzt, und zwar in form einer frau, die ausgerüstet mit einem kind und weiteren kartons am straßenrand mitten im nirgendwo ausgerechnet auf unseren minivan warten musste. wie sich sehr schnell herausstellte, befand sich fisch in diesen kartons, die man hinter unser sitzbank verstaute. zu allem übel wechselten die straßenverhältnisse auf mitte der strecke von 'annehmbar asphalitiert' in 'staubiger wüstenkack mit 12 schlaglöchern pro quadratmeter'. es war grauenhaft. aber in momenten wie diesen gibt es keinen ausweg. man kann nicht einfach aussteigen und sich ein taxi rufen. also fenster auf, nase zu, musik ganz laut und arschbacken zusammen. kaum in ban lung angekommen, klopft es schon am fenster. als wir uns umdrehen, starren wir vier auf einen zettel, auf dem in großbuchstaben 'mister sam' steht, an die scheibe gepresst von einem breit grinsenden kambodschaner. völlig verdattert schnappen wir unsere rucksäcke und die mädels und klettern aus dem blöden minivan. und dann stehen da vier motorräder mit vier fahrern, die schon den ganzen nachmittag darauf warten, unsere kleine reisegruppe in ein hotel zu chauffieren. woher die wussten, dass wir überhaupt kommen, und dass sam auch noch sam heißt, wissen wir bis heute nicht.
wie anfangs schon angedeutet, ist ban lung nicht unbedingt der inbegriff einer traumstadt. klein und dreckig, und noch viel schlimmer: es gibt nichts vernünftiges zu essen. die ersten tapferen versuche in diversen einheimischen straßenrestaurants endeten kläglich mit unfreiwilligen übernachtungen im badezimmer... also sind wir auf kekse und schokolade umgestiegen, haben uns räder ausgeliehen und am sonntag eine radtour zum fünf kilometer entfernten kratersee unternommen. bergauf, bergab. während bergab unheimlich viel spaß macht, ist bergauf mit diesen rädern, deren gangschaltung nur zu dekorationszwecken dient, äußerst beschwerlich. und ich bin ja auch nicht unbedingt bekannt für meine sportlichen fähigkeiten. rumgemecker hin oder her, schließlich wurden wir belohnt mit nem tollen tag am see.
abends haben wir das internet und reiseführer durchforstet auf der suche nach nem ordentlichen restaurant. nachdem wir mit den rädern drei verschiedene anlaufpunkte angefahren sind, und keiner davon geöffnet hatte, hätt ich schon wieder heulen können. ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schwer es ist, auf gutes essen zu verzichten und wie man es vermisst, so richtig satt zu sein. ich hasse es, wenn man nur isst um zu essen und wenn's überhaupt nicht schmeckt. mit nem puls von 180, sam zwischen lösung finden und mich beruhigen, sind wir dann nochmal die hauptstraße hoch und runter gefahren. und dann sahen wir es, ganz versteckt, ein schild mit der aufschrift 'pizza house restaurant'. halluszination? traum? gott sei dank nicht! eine stunde später haben wir fröhlich vor uns hin gemampft: verschiedene pizzen, nudeln, sandwiches, hamburger und eierkuchen. wir konnten dem drang absolut nicht widerstehen, alles zu bestellen, was sich lecker angehört hat.
und so waren wir auch fit genug für unseren gestrigen abenteuertag. auf motorrädern ging es über stock und stein zu verschiedenen wasserfällen, durch entlegene dörfer und zu elefanten, auf denen wir ne stunde lang kreuz und quer durch den wald geritten sind. genau so hab ich mir das vorgestellt! das war ein tag zum genießen und erinnern.
heute haben wir ganz unspektakulär die seele baumeln lassen und mal wieder sachen gepackt (dieses sachen ein- und auspacken nimmt die hälfte unserer reisezeit ein. wenn wir endlich mal lernen würden, uns nicht immer gleich häuslich einzurichten!). morgen früh geht es nach gut drei wochen in kambodscha weiter nach laos. zehn stunden fahrt, natürlich mit dem bus. erster stop werden die 4.000 inseln im mekongdelta sein. da ich davon ausgehe, dass es dort keine internetverbindung geben wird, melde ich mich schon mal ab für die nächsten tage.
bis ganz bald ihr lieben, ich schick euch sonne und wärme, damit ihr den november nicht ganz so herbstlich starten müsst. und wenn es euch tröstet: hier wird es auch früh dunkel.
| das ist zwar ein sonnenaufgang, aber abends sieht's ja ähnlich aus |

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